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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

»÷«

Ed Sheeran

Ed Sheeran macht auf seinem dritten Album alles richtig – wenn man seine Ambition unter einer bestimmten Maßgabe betrachtet. Man muss sich eben nur bemühen, nicht einzuschlafen.
Geschrieben am
Ed Sheeran, dieser kleine, hutzelige Typ ist ein Phänomen, da gibt es nichts zu deuteln. Eines, über das man sich viele Fragen stellen und sie kaum beantwortet bekommen kann – so man sie sich denn stellen will. Der rothaarige Schrat, der aktuellste weltweite männliche Popstar, der laut Instagram mittlerweile sogar mit Taylor Swift und ihrer Supermodel-Clique down ist, eigentlich mit überhaupt allen aus der Star-Allianz, obwohl er gefühlt doch in ein schmieriges Pub in Suffolk gehört.

Eines seiner Geheimnisse ist sicher seine Anpassungsfähigkeit, die ihm manche als smart, andere als wetterwendisch auslegen. Auch seine Musik ist dadurch gekennzeichnet, sein drittes Album »÷« insbesondere. Ganz unverblümt ist die LP eine Weiterentwicklung seines Folk-Pop in Richtung größtmöglicher Massentauglichkeit. Man höre nur »Shape Of You«, einen Chart-Hit mit Ansage. Aber ist das noch Ed Sheeran, wie er sich Anfang des Jahrzehnts als Solist auf für solche Musik viel zu großen Bühnen etablierte? Wohl kaum. Und »Shape Of You« ist dafür auf »÷« nur das offensichtlichste, aber sicher nicht das einzige Beispiel (»New Man«).

In gewisser Weise hat Sheeran einen auf Coldplay gemacht beziehungsweise ähnliche Entscheidungen wie Chris Martin und Co. getroffen: Er hat seinen Stil sehenden Auges für eine Popstar-Karriere hinter sich gelassen. Mit dem Unterschied, dass Coldplay mit »Parachutes« immerhin ein Album für die Ewigkeit fabriziert haben, dazu hat es bei Sheeran nicht gereicht. »÷« ist jedenfalls, wie es ist: Routiniert geschrieben, allgemein anschlussfähig getextet, perfekt durchproduziert, alle Ecken und Kanten abgeschliffen, ein bruchloser Genuss größtmöglicher Gefühle. Man muss sich eben nur bemühen, nicht einzuschlafen.
 
Abschließend bleibt mir noch eine Frage im Kopf, die ich hier bewusst offen lasse: Hätte Andreas Kümmert der deutsche Ed Sheeran werden können, wenn er besser »funktioniert« hätte? Hmm. Wie – ihr kennt Andreas Kümmert nicht mehr?

Ed Sheeran

÷ (Deluxe)

Release: 03.03.2017

℗ 2017 Asylum Records UK, a division of Atlantic Records UK, a Warner Music Group company.