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Durchhalten: Die ersten Acts für 2012 stehen schon

Wacken 2011

Die Welt in der Krise: 85.000 Menschen auf Cold Turkey. Ab jetzt sind es schwere 365 Tage bis zum nächsten Wacken, der Vorverkauf läuft bereits.
Geschrieben am

Natürlich, liebes Finanzamt, waren es »nur« 75.000 zahlende Gäste beim ausverkauften W:O:A, aber beim heiligen Bullenschädel, vergessen wir doch bitte die vielen Musiker, Schausteller, Gewerbetreibenden und den Staff nicht! Diese Randgruppen machen immerhin weitere 10.870 Personen aus. Nicht alle kommen wegen des Sounds. Wie betonte Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen doch beim 20sten Wacken vor zwei Jahren: »Ich komme nicht her, um die Musik zu hören, aber ich identifiziere mich mit dem Festival.« Ähnlich sahen das wohl auch die in diesem Jahr von der Polizei geschnappten Diebesbanden. Das Wacken Open Air ist zum Glück aber auch so groß, um solch negative Aspekte durch eine reichhaltige Vielfalt der Attraktionen zu kompensieren.

Wacken lässt sich nicht aufhalten. So eröffneten die Wacken Firefighters auch ohne ihren musikalischen Leiter und Dirigenten Hans-Adolf Wieck das Festival und Ozzy Osbourne sang am ersten Tag des Bühnenprogramms trotz wenige Tage im Vorfeld verlorener Kronen der vorderen Kauleiste. Judas Priest beendeten ihr Abschieds-Set auch ohne KK Downing (und obwohl einzelne Anwesende in Tränen ausbrachen) und im Zuge dessen hoffen wir auch, dass das von der Hochschule Osnabrück ausgesetzte Saatgut hartnäckig weitertreiben wird, auch wenn all diese Leute vereint drauf rumgetrampelt haben.

Auf der Homepage des Festivals wird berichtet, dass der Verbot von Glasflaschen auf dem Gelände einen Schnittwunden-Rückgang von (das DRK hat’s ermittelt) 80% (!) zur Folge hatte - und das ganz ohne Ausschreitungen. Kunststück, weiß doch der im Ort ansässige Supermarkt mit einem eigenen Dosenbier-Showroom aufzuwarten. Und, wie jeder Mensch weiß, hängt der traditionsbewusste Metaller dem Dosenbier emotional immer noch nach – wenig Vermittlungsprobleme also auf diesem Gebiet. Ähnliche Erfolge an anderer Front: Die Aktion »Metal 4 Nature« erarbeitete einen Verzicht auf 60 Stromaggregate – dafür musste kein einziges Watt Musikleistung sterben.
Musikleistung, die u.a. die Stimme von Roberto Blanco verstärkte, der mit Tom Angelripper und Sodom zusammen im Dienste der Deutschen Alzheimer Gesellschaft schmetterte, auch wenn er beim Festival eine ähnliche Rolle spielte wie Gotthilf Fischer seinerzeit bei der Loveparade und musikalisch eher mit Peter Harry Carstensen auf einer Wellenlänge liegt. Egal, »Ein bisschen Spaß muss sein«, denn »wir Musiker sind eben eine große Familie« (Blanco).



Und während sämtliche Wet T-Shirts trocknen und sämtliche Bullenschädel wieder für ein Jahr eingemottet werden, bleibt dem Metaller einzig, sich am Ticket für 2012 festzuhalten. Dann werden Ministry weniger als drei Jahre nach der großen »C-U-LaTour«-Abschiedssause Reunion feiern (bzw. Al Jourgensen als einziges Bandmitglied mit sich selbst), die Scorpions kommen zur final endgültigen und überhaupt allerletzten Open Air Show auf deutschem Boden, Hammerfall werden das Jubiläum feiern, dass sie vor 15 Jahren schon mal da waren, U.D.O. spielen eine Geburtstagsshow, Cradle Of Filth kommen wegen ihrer No-Show in diesem Jahr, Amon Amarth erscheinen, weil sich kein besserer Ort für Wikinger außerhalb Skandinaviens vorstellen lässt und Gamma Ray kommen, weil sie dürfen. Alles Argumente für ein ohnehin bald wieder ausverkauftes Festival. An alle Wartenden: Haltet durch!