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Dubstep-Spezial: Aus dem Bauch heraus

Rustie

Russel Whyte alias Rustie veröffentlichte 2011 mit »Glass Swords« ein zukunftsweisendes Album UK-Bass-Album. Wer steckt hinter den aufgekratzten ADHS-Beats?
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Russel Whyte ist nicht der Mann vieler Worte. Eine exaltierte Rampensau würden die meisten wohl erwarten, wenn es um diesen Künstler geht, der dem Dubstep-Subgenre Wonky so fest verschrieben ist, doch die Promotion-Maschine, die seit der Veröffentlichung seines sensationellen Debütalbums »Glass Swords« im Oktober auf Hochtouren läuft, ist so gar nicht seine Sache. Und das, obwohl der 27-jährige Schotte (mittlerweile von Glasgow nach London umgesiedelt) mit Warp Records eines der profiliertesten Labels für elektronische Musik im Rücken hat. Und selbst an Zuspruch hochkarätiger Kollegen wie Skream, Joker oder Bibio mangelt es nicht.

Die letztes Jahr bei Warp veröffentlichte »Sunburst«-EP ließ noch nicht erahnen, wohin es letztlich gehen würde. Auf den sechs Tracks hallten die an Grime geschulten Anfänge noch deutlich nach – was sich mit »Glass Swords« nun endgültig erledigt hat. Auf seinem ersten Album stimmt der introvertierte Neu-Londoner eine funkelnde Hochglanz-Interpretation des UK-Bass-Sounds an, die gar nicht erst versucht, seine Affinität zum amerikanischen Bombast-R’n’B zu kaschieren. Und genau von Übersee kam schon vor Erscheinen seines Debütalbums das Angebot, die US-amerikanische R’n’B-Diva Beyoncé Knowles zu produzieren. Rustie ließ Bescheidenheit walten und lehnte ab. Kennt man seinen fantastischen Remix zu Keyshia Coles »Shoulda Let You Go«, ahnt man schon, was einem entgangen sein könnte.

Der vielschichtige und komplexe Sound des Glasgowers lässt sich aber bei Weitem nicht auf seine Nähe zum R’n’B und 80s-Pomp reduzieren, denn für gewöhnliche Charts-Ware ist hier alles immer noch eine Spur zu überdreht, zu schräg. Betont billig klingende Slap-Bässe aus der Konserve, artifizielle Computer-Chöre und esoterische Progressive-Samples wollen nicht wirklich mit »MTV Cribs« und Billboard-Top-10 zusammengehen. Betrachtet man, wie gleichberechtigt bei Rustie kommerzielle Musikstile neben ausgeprägtem Szeneduktus stehen, drängt sich die Frage auf, woher diese Art der musikalischen Demokratisierung wohl rühre. Angesichts solcher Fragen würde der Urheber wahrscheinlich aber auch nur mit den Schultern zucken, denn selbst über das eigene Schaffen verliert er kaum ein Wort – es kommt eben eher aus dem Bauch heraus.