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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

In die große, weite Welt hinaus

Dua Lipa im Gepräch

Ihre Youtube-Cover-Videos haben Eindruck hinterlassen, Dua Lipa veröffentlicht bald ihr Debüt-Album. Zu verdanken hat sie das ihrer markanten, tiefen Stimme und auch einer gewissen Hartnäckigkeit beim Netzwerken. Julia Brummert traf die erst 19jährige Sängerin in Berlin zum Interview.  
Geschrieben am
Wie würdest du selber deine Musik beschreiben?
Als dunklen Pop mit großem HipHop-Einfluss. Meine Inspiration hole ich mir von Künstlerinnen wie Pink oder Nelly Furtado, ich bin verrückt nach ihnen. In letzter Zeit höre ich aber auch sehr viel HipHop von Action Bronson oder Kendrick Lamar. 

Es heißt, du wolltest immer schon Sängerin werden. Gibt es einen speziellen Moment, an den du dich erinnern kannst, wo du dachtest: »es ist das, und nichts anderes«?
Ich bin mit 15 von zu Hause ausgezogen, wahrscheinlich war das der Moment, in dem ich wusste, was ich will und dass ich meinem Traum folgen muss. Ich war damals schon sehr selbstständig. 

Du bist in London aufgewachsen, irgendwann sind deine Eltern mit dir zurück in den Kosovo, wo ihre Wurzeln liegen. Du hast dich dann nach wenigen Jahren entschieden, wieder zurück nach England zu gehen. Was hat deine Familie dazu gesagt, als du so früh ausgezogen bist? 
Klar waren meine Eltern besorgt, aber ich bin ja nach London zurück, um dort zur Schule zu gehen und meine Ausbildung an der Theaterschule weiter zu verfolgen. Außerdem habe ich mich ständig gemeldet, wir hatten fast schon eine Standleitung: »Hey, ich bin jetzt in der Schule angekommen, jetzt bin ich wieder zu Hause, ich gehe jetzt noch aus«, meine Eltern wussten immer, was gerade Sache ist. So mussten sie sich keine Sorgen machen und wir haben das ganz  gut hinbekommen. 

Und sie haben nie gesagt »Kind, willst du nicht was ordentliches lernen?«
Mein Vater ist selber Musiker, von daher haben meine Eltern das schon verstanden. Als ich mich aber entschied, nach der Schule nicht an die Uni zu gehen, haben sie schon gefragt, ob ich sicher sei. Ich habe erklärt, dass ich ja erst mal ein Jahr lang frei nehmen und schauen kann, wie es läuft. Mittlerweile bin ich aber sicher, dass das die Musik das Richtige für mich ist und sie finden das ok.  

Deine Familie ist heute Abend beim Konzert dabei, macht dich das nervös?

Klar, ich bin schon nervös. Das ist mein erstes, richtiges Konzert in Berlin und meine Familie hat mich noch nie mit der ganzen Band spielen sehen, da ist schon ein gewisser Druck. Aber ich freue mich. 
Du bist erst 19, arbeitest aber schon mit bekannten Künstlern wie Marlon Roudette zusammen. Wie kam das zustande?
Marlon war tatsächlich der erste, mit dem ich zusammengearbeitet habe. Wir haben uns backstage bei einem Konzert von Ed Sheeran kennengelernt. Damals hatte ich nur ein paar Youtube-Videos mit Coverversionen gemacht und bin rumgelaufen und habe sie Leuten gezeigt und um Feedback gebeten. Ich war erst 15, Marlon unterhielt sich gerade mit einem Freund von mir und ich habe ihm meine Sachen gezeigt. Er hat sich dann später über Twitter bei mir gemeldet und vorgeschlagen, dass wir mal eine Session zusammen machen. Mittlerweile sind wir gute Freunde. Netzwerken ist in diesem Geschäft echt wichtig. 

...und harte Arbeit. 
Ja, manchmal. Aber es kann auch viel Spaß machen. Meistens passierte es, wenn ich eh gerade ausgegangen bin. 

Schaut man sich deinen Instagram-Account an, oder auch einfach den bunten Mantel, den du heute trägst, bemerkt man dein Interesse für Mode. Woher holst du dir die Inspiration?
Ich ziehe oft ein komplett schwarzes Outfit an und ich mag, das mit einem knallbunten Stück zu kombinieren. Ich lasse mich von Blogs, tumblr oder Instagram inspirieren. Für mich sind Spaß und eine gewisse Lebensfreude wichtig, wenn es um Mode geht. Was man trägt hat Einfluss auf die Stimmung und wenn ich farbenfrohe Sachen trage, fühle ich mich gleich gut. Ich mag Frauen, die keine Angst haben, alles zu tragen, was sie mögen, so wie Anna dello Russo oder manchmal sogar Madonna. 

Du kommst im Moment ganz schön rum. Hast du eine Lieblingsstadt?
New York und Berlin. Ich hatte bisher kaum die Möglichkeit, in Berlin so viel Zeit zu verbringen wie in New York. Beide fühlen sich sehr nach Zuhause an. New York hat diesen Vibe einer europäischen Stadt. Als ich in L.A. war hat es viel länger gedauert, mit der Stadt warm zu werden. Ich war dieses Vorstadt-Leben nicht gewöhnt. In London, meiner Heimatstadt und in Berlin und New York ist das ganz anders. Dort fühle ich mich wohl und ich habe das Gefühl, dort viel besser kreativ arbeiten zu können. 

Du lebst den Traum vieler junger Menschen, kommst rum, stehst auf der Bühne – was kannst du ihnen raten?
Ich lebe vor allem meinen Traum! Da waren genug Leute, die mir gesagt haben, dass ich kein bisschen singen kann. Es gab aber auch Menschen, die mir geholfen haben, Selbstbewusstsein zu entwickeln und mir das Gefühl gegeben haben, dass ich das Richtige mache. So lange man selbst an sich glaubt, sollte man an seinem Traum festhalten. Außerdem sollte man keinen Plan B haben. Eine Alternative zum Traum hält nur auf, man denkt immer »Ach, ich habe da ja noch diese andere Idee«. Ich hatte niemals einen Plan B.