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Die dritten Bavarian Open

Du bist Zündfunk

München, BR Sendehallen, 26.11.2005 Zündfunk. Das ist schon lange nicht mehr nur die herausragende tägliche Radiosendung im Bayerischen Rundfunk (19 Uhr, auch im Stream zu hören), Zündfunk ist längst eine Referenzmarke für anspruchsvolle alternative Musik und Kultur. So wurden ich und mein Spezi
Geschrieben am

München, BR Sendehallen, 26.11.2005

Zündfunk. Das ist schon lange nicht mehr nur die herausragende tägliche Radiosendung im Bayerischen Rundfunk (19 Uhr, auch im Stream zu hören), Zündfunk ist längst eine Referenzmarke für anspruchsvolle alternative Musik und Kultur. So wurden ich und mein Spezi Motorhorst bei einer von Zündfunk präsentierten Party im Sommer von einem empörten Gast wüst beschimpft, der sich unsere musikalische Gestaltung auf Grund der Präsentatoren anders ausgemalt hatte: "Was soll das hier?! Ihr seid ja wohl nicht zündfunk!" (wohlgemerkt als Prädikatsnomen verwendet)

Ach, eigentlich wollte ich ja was über die Bavarian Open berichten. Zündfunk war nämlich nun bereits zum dritten Mal Ausrichter dieses Indoor-Festivals, das in den Sendehallen des BR stattfand. Genauer in deren holzvertäfelten Orchesterhallen, die eine beeindruckende Kulisse abgeben und gleichzeitig fast ein wenig Wohnzimmerfeeling aufkommen lassen.

Auch wenn das auf drei Areas bzw. Studios verteilte Line-Up dieses Jahr etwas weniger hochkarätig daherkam als im Vorjahr, gab es schon seit Tagen keine Karten mehr. Die von Bayerns Indie-Ikone Achim Bogdahn angekündigten Bands zeigten, dass erneut alles richtig gemacht wurde. Wenn auch anders. Die meisten der 22 Namen im Billing lesen sich noch nicht ganz so vertraut. Liegt sicher auch daran, dass die bajuwarischen Wurzeln der Künstler, auf die gerade im letzten Jahr viel Wert gelegt wurde, heuer eher nebensächlicher Natur waren und die Bands stattdessen aus allen Ecken der Welt kamen.

Los geht´s mit den Mädels von Candelilla aus München. Vom Alter her könnten sie zwar eher Klassenkameradinnen von Tokio Hotel sein, die drei Stücke, die ich höre, erinnern dann doch eher an Hole. Beide Vergleiche springen mir förmlich ins Gesicht respektive Gehör. Sollte erstmal an Vergleichen reichen, auch wenn die ebenfalls juvenilen Dr. Norton mit ihrem zweifelsohne frischen und groovigen 60s Garage Rock Assoziationen mit diversen Anzug tragenden Kapellen aus dem hohen Norden wecken. In jedem Fall hat sich die Band durch unermüdliches Touren schon einige Fans und viel Aufmerksamkeit erspielt. Und das sicherlich nicht zu Unrecht.

Dann werden die zauberhaften Stars angekündigt, ein Besucher neben mir wundert sich über so viel Überheblichkeit, bis er merkt, dass die 7-köpfige Band aus Kanada wirklich so heißt. Nicht nur mein Nebenmann hat hinterher ein beglücktes Funkeln in den Augen. Im Anschluss reißen Deichkind mit ihrer Mördershow mal wieder alles ab, als absolutes Highlight steigt DJ Phono in einen riesigen aufblasbaren Ball und rollt bzw. hüpft als menschlicher Mega-Volleyball übers Publikum. Muss man gesehen haben. Während sich bei den Deichkindern die aktive, wenn auch heftige Teilnahme des Publikums aber leider eher auf die ersten paar Reihen beschränkt, reißt die Balkan-Connection Shantel & Bucovina Club Orkestar mit ihrem Mix aus Brass, Swing und Elektro ab dem ersten Takt den gesamten Saal mit. Die Gebrüder Teichmann ziehen im kleinen Studio 3 alle Register der Elektrokunst und sorgen mit ihrem Set für ein weiteres Glanzlicht des Abends und permanente Tanzbodenhysterie.

Als Wermutstropfen vor allem bei den Teichmännern blieb hängen, dass der gerade für technoide Klänge doch deutlich atmosphärischere Keller in diesem Jahr ungenutzt blieb. Schade natürlich auch, dass es mal wieder so gut wie unmöglich war, mehr als eine Handvoll der größtenteils jungen Bands zu sehen. Dennoch freute sich am Samstag jeder schon über das großartige Event an sich. Und dass jeder Zündfunk war.