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Warum Larissa nicht auch noch Königin werden darf

Dschungelcamp 2014

Was für ein Stockholm-Syndrom hat bloß bei Zuschauern und Meinungsmacherpresse eingesetzt? Austrias Next Borderline-Prinzessin soll plötzlich auf den Thron statt auf einen Stuhl aus elektrischen Aalen? Ein Sinneswandel voll Schuldgefühle und Fehlleistungen. Linus Volkmann lehnt sich auf. Für den Ensemble-Gedanken der Sendung und gegen den Larissa-Zentralismus.
Geschrieben am

Kaum ist man mal einen Tag betrunken auf einem nostalgischen Deutschpunkkonzert, sofort verschiebt sich der ganze mühsam gezimmerte Dschungelkanon auf die dunkle (lies: nervige) Seite der Macht.

 

Die Print-Feindpresse konnte auf den Stimmungsumschwung noch nicht reagieren. Stichwort: Vorlaufzeit. Stichwort: »Sorry, tagesaktuell kommen wir halt auch nicht hinterher«.

 

 

 Aber im Netz gibt es kein Entkommen vor der neuen Zeit:

 

 

Schwerter zu Pflugscharen, Sadismus zu Empathie

Mittlerweile hat der halbwegs empathische Zuschauer also in Larissa sein Glück gefunden. Selbstverständlich auf dem Wege des der Show eigenen Sadismus. Das heißt, dass man eine besonders anstrengende, schlecht vorbereitete, ja labile Figur im Kakerlakeneimer kreischen sehen will - und sie dementsprechend fortwährend in die Prüfungen gewählt.

Doch nach einiger Zeit setzte sowohl bei Kandidatin Larissa sowie dem Zuschauer ein Prozess ein: Sie liefert überdreht, mitunter passabel ab und ihre einstigen Peiniger vor dem Bildschirm schnitzen sich aus Sadismus nun
 Empathie.

 

Auf die Knie, Zuschauer!

Nicht Larissa hat sich also auf die Heldenreise begeben, jede Form von Entwicklung ist ihr ja sichtbar verwehrt, nein, der ehrlose Opportunist von Zuschauer hat die Seiten gewechselt. Die der explosiven Einfalt geschuldete Stärke, ja Unkaputtbarkeit von Larissa lässt ihn nämlich langsam erschaudern. So erkennt er dem archaischen Gesetz der Wildnis folgend diejenige als neue Leaderin an, die die meisten Konkurrenten umgenietet hat.

 

Huldigt der Königin, sonst ist man selbst als nächster dran. Was für ein kakerlakiges Stockholm-Syndrom vor dem TV! Was für ein Erdrutschsieg für Larissa Marolt!

 

In der Unsichtbarkeit liegt die Niederlage

Dabei hat sie ihre Konkurrenz nicht mit annähernd gültigen Mitteln aus dem Weg geräumt. Die für jeden ihrer neuen Fans garantiert ebenfalls vernichtenden Marotten im Zusammenleben haben letztlich den Ausschlag gegeben, dass sich im Camp alles nur um sie drehte.

 

Nachts alle wach brüllen, während sie ganz »Väter der Klamotte«-like durchs Camp stolpert, oder die Unfähigkeit zuzuhören oder das limitierte Wasser aus dem Hahn wieder abzudrehen.

 

Diese Defizite im sozialen Leben warfen ein Perpetuum Mobilee an, dass dazu führte, dass sich eine komplette Sendung selbst beschränkte: Der Ensemble-Gedanke war jedenfalls nach wenigen Tagen dieser Staffel dead. Stattdessen Larissa, Larissa, Larissa.

 

Und so geht es weiter. Erzählt wird jeden Abend nur ihre Geschichte, wer sonst noch ins Bild will, dem gelingt es lediglich, indem er mit ihr interagiert. Oder Fickstorys mit echten Stars zu tratschen hat. Justin Bieber, Sido, Lanz.

 

Und wie soll man denn überhaupt charmant und telegen rüberkommen, wenn man mal wieder zur Weißglut gebracht wurde von Austrias next Borderline-Prinzessin?

 

Schumann und Co. kaum verarschenswert?

Fair enough, dass man laut und schräg sein muss in so einer Show. Aber es ist mehr als unglaubwürdig, dass zum Beispiel Tanja Schumann in einer Woche am Lagerfeuer nichts zu sagen gehabt soll, was zumindest noch verarschenswert gewesen wäre. Im Zentralismus Larissa aber spielt kein anderer Plot mehr eine Rolle, der »Weltrekord« an allen Dschungelprüfungen ist nur das deutlichste Indiz.

 

Schade, dass das sonst so starke Figurenpanorama der Show mit dieser Staffel geopfert wurde. Noch bedauerlicher wäre, wenn dieser nervige Tunnelblick noch mit Larissa als Königin gekrönt würde.

 

 

Ruckzuck!

Persönlich wünsche ich mir den Bendler ganz vorn. Er ist durchtrieben, witzig und smart - und hätte wie die anderen viel mehr Geschichten und Sendezeit verdient gehabt.