×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

»Hippo Lite«

Drinks

Auf was für verspielte Ideen man kommt, wenn das W-LAN ausfällt, zeigen Drinks auf »Hippo Lite«. So klingt Musik, wenn man keine Erwartungen mehr an sie hat – und das ist keinesfalls despektierlich gemeint.

Geschrieben am

Ist das Art-Pop oder Mittelfinger-Gleichgültigkeitskonzept? Mit der Flucht in eine Mühle inmitten der südfranzösischen Provinz therapieren Cate Le Bon und Tim Presley den Selbstverwirklichungswahnsinn der multimedialen Wirklichkeit. Irgendwo zwischen Anti-Folk, Weirdo-Gedudel, dubbigen Nadelstichen und repetitiven Klangmustern ist Drinks ein Lo-Fi-Trip gelungen, für den die Einheimischen von St. Hippolyte ihnen wohl hin und wieder Märchenwald-Narkotika durch den Briefschlitz geschubst haben – vielleicht hat digitale Enthaltsamkeit mittlerweile aber auch einfach denselben Effekt wie LSD. Fest steht, dass man hören kann, wie sich auf »Hippo Lite« die großstadtverklebten Synapsen des Duos in aller Formlosigkeit entfädeln. Dabei dauert es keine zwei Minuten, bis der Opener »Blue From The Dark« erste Hallo-wach-Rufe an die offenbar zum Vorbild genommene Feinfühligkeit von Nico und The Velvet Underground zulässt.

Doch es sind gerade die wahllos zusammengesponnenen Kakofonien aus Grillenzirpen, Froschquaken, Schifferklavier, tonverfehlenden Streichern und vereinzelten Postrock-Riffs, die das improvisatorische Moment des Vorgängers »Hermits On Holidays« noch einmal steigern, gleichzeitig aber auch einen überraschend hypnotischen Groove auf den Plan rufen. Da lässt die Naivität von »Ducks« wiederum vermuten, ein Kindergarten habe das Porzellanservice von Oma Gerda zum Studioequipment auserkoren. Ohne Erwartungen an sich selbst steckt in den banausischen Disharmonien dieses Albums eine schlichtweg geniale Botschaft: Anstatt im Mantra des »You Could Be Better« zu verwässern, verflüssigen sich Le Bon und Presley in der Genügsamkeit ihres bloßen Seins, beispielsweise, wenn das ausgeleierte Kassetten-Sample in »When I Was Young« den Weg in die sakrale Klarheit einer andächtigen Basilika findet, oder wenn »Pink Or Die« weit über seine stilisierte Einfältigkeit hinausragt: Entweder Drinks dürfen rosarot leben oder eben gar nicht.

Drinks

Hippo Lite

Release: 20.04.2018

℗ 2018 Drag City