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»Drei«

Anajo

Anajo sind nicht nur dieses freundliche Augsburger Indiepop-Trio, sondern auch verbissene Kampflinie - spätestens seit der umstrittenen Anajo-Titelstory in Heft #147. Neues Album erscheint? Zu den Waffen!
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Anajo sind nicht nur dieses freundliche Augsburger Indiepop-Trio, sondern auch verbissene Kampflinie - spätestens seit der umstrittenen Anajo-Titelstory in Heft #147. Neues Album erscheint? Zu den Waffen!

PRO: Die Titelstory, das war im September 2007 - Anlass bot das Vorgänger-Album von "Drei" und zwar: »Hallo, wer kennt hier eigentlich wen?«. Die beleidigten Fressen allerorts hätten kaum länger sein können. Warum die? Wie bescheuert bist du eigentlich? Wie viel hat Tapete euch dafür gezahlt? Fragen, die ich als Befürworter seinerzeit oft hörte. Aber auch die Band selbst musste diesen Gegenwind schlucken. Deutlich wird es in dem neuen Stück "Mädchenmusik".

Dort paraphrasiert Sänger Olli Gottwald diverse Schmähungen bezüglich seiner freundlichen, niedlichen, bubblegummy Augsburg-Band und mündet in: "Unser gestandenes Stammpublikum steht auf alles außer Mädchenmusik / Die bringen euch heut Abend um!" Zu viel Niedlichkeit ist selbst im vermeintlich höflichen Indiezirkus offensichtlich verdächtig und soll gefälligst die Klappe halten und den anspruchsvollen Platzhirschen nicht die Girls abspenstig machen. Aber alle, denen »the real deal« mit »Schall und Wahn« und Co. einfach zu seriös und auf Strecke zu freudlos ist, finden hier Indie-Hit auf Hit. Plus: Als Fan wird man von anderen stigmatisiert - immer ein gutes Zeichen in Pop.

Linus Volkmann

CONTRA: Linus, wie ist es dort drüben auf der anderen Seite der Kampflinie - so ganz allein? Als in diesem Heft die Anajo-Titelstory erschien, war ich kurz davor, ein Abo abzuschließen. Nur, um es wütend kündigen zu können. Aus heutiger Sicht: ziemlich albern. Schließlich war damals die Zeit der mittelmäßigen Deutsch-Pop-Bands. Passte doch! Heute liegt die Messlatte jedoch deutlich höher. Da ist für Anajo kein Platz mehr. »Mir ist faaad / Ich bilde mir ein, ich komme nicht in Faaahrt / Ich drehe 'ne Runde mit dem Raaad / Und habe Angst, dass ich mir den Kopf aufschlaaag.«

Wie gutherzig muss man sein, um das niedlich zu finden? Die drei Augsburger mögen die sympathischsten Menschen der Welt sein. Ja, auch ich würde sie stets jeder Macker-Band vorziehen. Nur leider: Allein die Stimme ist nüchtern kaum zu ertragen. Und nicht mal einen klitzekleinen Hit haben sie uns dieses Mal geschenkt. Selbst schuld. PS: Anajo doof zu finden ist natürlich so gewagt, wie gegen Stuttgart 21 oder für gutes Wetter zu sein - und so asozial wie das Bespucken von Robbenbabys. Aber einer muss ja die Drecksarbeit machen.

Manuel Czauderna