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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

»Zores«

Drangsal

Drangsal hadern weiter, aber nicht mehr in Schwarz-Weiß, sondern in Farbe. Damit bietet die Band der Popmusik eine Chance, an die sie selbst schon nicht mehr geglaubt hat. Die Wirklichkeit wird von dieser Platte enorm überrascht sein.

Geschrieben am

Drangsal kultivieren auf diesem zweiten Album eine Pop-Sensibilität, die überdeutlich mit einem Habitus der Abgeklärtheit verschränkt ist. In den Texten schaut Frontmann Max Gruber auf sich selbst, sieht Konstruiertes und Zwiespälte (»ich bin jung und ich bin alt«) und leitet daraus ein Pathos ab, das aber immer leicht und angenehm flüchtig wirkt. Diese Konstellation harmoniert mit Melodien und Arrangements, deren Ursprünge sich im ästhetischen Programm von Bands wie Haircut One Hundred oder Prefab Sprout verorten lassen. Dem Bezug auf New-Wave-Pop der frühen 1980er, der Drangsal noch auf dem ersten Album bestimmte, wird hier die Tendenz zu einer unverhohlen poppigen Stil-Variante desselben Jahrzehnts zur Seite gestellt. Das funktioniert so gut, dass die halbakustisch jangelnden Gitarren echte Euphorie auslösen. In einigen Momenten ist selbst Johnny Marr nicht weit.

Dazu tragen auch die auf diffuse Weise wissend unwissenden Texte bei, in denen sich ein lyrisches Ich tastend auszuprobieren scheint. Drangsal gelingt es so, eine Popsprache zu etablieren, die jenseits des menschelnden Mindestkonsens’ liegt, von dem Pop hierzulande zunehmend geprägt wird. Vielleicht vollzieht Gruber auf seinem neuen Album die Entwicklung nach, die The Cure nahmen, als sie von schwarz-weißem Depri-Pop auf die farbenfrohe Willkommensgeste von »Love Cats« umschalteten. Dabei ist hier, analog zur Zerrissenheit des lyrischen Ichs, musikalisch längst nicht alles aus einem Guss: Auf »Sirenen« etwa nimmt sich die Band das Recht zu rocken. Wohin sollen die jungen Leute auch sonst mit der Energie?

Drangsal

Zores

Release: 27.04.2018

℗ 2018 Drangsal, under exclusive license to Caroline International, a division of Universal Music GmbH