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Liest Hank Williams - Das Leben Einer Country-Legende

Dominic Raacke

In der Silvesternacht 1953 fährt ein Auto nach Ohio. Auf seiner Rückbank liegt Hank Williams. Vollgepumpt mit Alkohol und Morphium gegen seine Rückenschmerzen, mit denen er sich seit seiner Kindheit plagt. Nach einer Karriereflaute, verlassen von seiner Frau, ohne Manager versucht er verzweifelt, Ko
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In der Silvesternacht 1953 fährt ein Auto nach Ohio. Auf seiner Rückbank liegt Hank Williams. Vollgepumpt mit Alkohol und Morphium gegen seine Rückenschmerzen, mit denen er sich seit seiner Kindheit plagt. Nach einer Karriereflaute, verlassen von seiner Frau, ohne Manager versucht er verzweifelt, Konzerte zu geben und wieder nach oben zu kommen. Vielleicht hat er gewusst, dass dies seine letzte Fahrt ist. Einer seiner letzten Songs heißt “Angel Of Death” und beunruhigt mit Zeilen wie “When the lights all grow dim and the dark shadows creep”. Um kurz vor zwölf wird der Wagen von einem Streifenpolizisten überprüft. Dieser ist überzeugt, dass der Mann auf der Rückbank tot sei. Doch der Fahrer überzeugt den Polizisten, dass Hank noch lebe und nur wegen der Beruhigungsmittel, die er nimmt, so aussehe. Zu diesem Zeitpunkt war Williams schon gestorben, doch es sollte noch Stunden dauern bis man seinen Tod offiziell feststellte. Er starb so, wie er einen seiner größten Songs betitelte: “Alone And Forsaken”. 50 Jahre später sitze ich über Papier und grüble. Was soll ich schreiben? Habe schon mehrere Entwürfe dem Mülleimer anvertraut. Wollte intelligent wirken und über die psychische Wirkung schreiben, wie das Leid anderer Menschen einem helfen mag. Wollte sentimental wirken und schreiben, dass ich gerne Hank Williams Songs selbst spiele. All das scheint aber zu unsinnig, narzisstisch, sentimental. Man erfährt so viel über Williams auf drei Spoken Word CDs, dass jeder Versuch einer Besprechung im Bodenlosen enden würde, da jedes Detail interessant und wichtig erscheint. Und nun? Uneingeschränkte Unterwerfung und Verehrung mit allem, was dazu gehört. Vielleicht. Aber anderseits kann man auch guten Gewissens sagen, dass diese Box wirklich gut ist. Schon alleine die vierte CD, ein Sampler mit Originalen und Coverversionen überzeugt, obwohl zum Teil schon bekannt. Neben Johnny Cash findet man hier 16 Horsepower oder auch die Residents wieder. Die Josh Ritter Version von “Ramblin’ Man” alleine würde mich zum Kauf bewegen. Mehr kann man nicht sagen, außer noch mal diese eine Sicherheit posten: “I’ll Never Get Out Of This World Alive.” So reizvoll Brechung durch Bearbeitung sein kann: Schön auch, wenn man mit dem Original leben kann. Und da nicht unbedingt jeder die größten Hits des traurigen Stammvaters des Namens Hank Williams im Schrank haben dürfte, bringt Trikont genau diese noch mal auf. 28 Stück. Mit allem, was man erst mal braucht.