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sportsgeist mit anspruch

Dog Eat Dog

Selbst intimen Kennern der Materie "Cross-Over" ist es ein Buch mit sieben Siegeln, daß ausgerechnet New Jerseys Bilderbuchkreuzüberbübchen DOG EAT DOG selbst bei ansonsten eingefleischten Gegnern des Genres einen Stein im Brett zu haben scheinen. Erfüllen sie doch als überzeugte Snowboarder, Skateb
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Autor: intro.de

Selbst intimen Kennern der Materie "Cross-Over" ist es ein Buch mit sieben Siegeln, daß ausgerechnet New Jerseys Bilderbuchkreuzüberbübchen DOG EAT DOG selbst bei ansonsten eingefleischten Gegnern des Genres einen Stein im Brett zu haben scheinen. Erfüllen sie doch als überzeugte Snowboarder, Skateboardler und Kurzhosler, will meinen: Extrem-Sportswearträger - zumindest rein äußerlich -, sämtliche Klischees, die man gemeinhin mit den Anhängern des JumpJump-Kultes in Verbindung bringt, und auch musikalisch scheinen sie auf den ersten Horch genau die Schnittmenge aus biederem Schweinerock Marke UGLY KID JOE und anspruchslosestem Witzeclown-HipHop Sortierung 2 LIVE CREW zu sein, aus der sich die Masse der pubertierenden Baseballkappenfetischisten hierzulande ihre MR. EDs und H-BLOCKX’ zurechtschreinert. Haben DOG EAT DOG tatsächlich das Quentchen mehr an Funk und Authentizität, das es rechtfertigt, ihnen so etwas wie Klasse zu unterstellen? Reicht dafür ein Quentchen überhaupt, und wenn nicht, wie gelingt es dem Haufen um Front-Animateur John Connor dann, Qualitätsgaranten wie die BUTCHER BROTHERS und die URBAN BLIGHT HORNS zur Partizipation an ihrem neuen Album zu überreden?
Tatsächlich gehen Connors Qualitäten, was seinen Wortfluß und seine Reime betrifft, weit über das hinaus, was in diesem Genre ansonsten als Standard gilt. Was weiter nichts heißt als das, was es sagt, und auch den 2 LIVE CREW-Vorwurf, zumindest was die Qualität des Rappings betrifft, nicht widerlegt, denn selbst das nur wenig über Asphalthöhe angesiedelte CREW-Niveau wird von keinem Rapper der Kreuzüberfraktion wirklich erreicht. Den Vergleich mit deren Lyrics allerdings können D.E.D. weit von sich weisen. Auch wenn auf den Konzerten in erster Linie der Spaß im Vordergrund steht, hat sich die Band textlich nie aufs Klospruch-Level begeben, genausowenig wie sie jemals im Rahmen irgendwelcher Ansagen vorpubertäre Albernheiten gepflegt hätten.
Spaß hat bei D.E.D. immer mit Sportsgeist zu tun. Das klingt zwar widerlich, so nach HUEY LEWIS für die Neunziger, meint aber nichts anderes, als sich beim Spaßhaben durchaus ernst zu nehmen. Weshalb die Musik durchaus als Vehikel für Aussagen hinhalten darf. Das kann dann zwar schon mal nach der zeitgeistigen Variante von "Make Love Not War" klingen - "No Fronts" ist allerdings vor gut vier Jahren geschrieben worden, und da waren die Musiker wirklich allesamt noch skatende Mittelstands-Kiddies -, war aber hundertprozentig nie aufgesetzte Straßenkriegspoesie. Mittlerweile ist man um einiges erwachsener geworden und in der Lage, durchaus vernünftig Durchdachtes zu Themen wie Schußwaffenkontrolle („Bulletproof“) oder dem Ghetto im Kopf („Play Games“) zu artikulieren - mit Sicherheit auch ein Grund für die Beteiligung solch hochkarätiger Gäste wie RZA am Entstehungsprozeß des aktuellen Albums.
Für die festen Vorstellungen und den guten Geschmack der Band spricht, daß man die BUTCHER BROS. schon für "All Boro Kings" gerne als Produzenten verpflichtet hätte. Für die Integrität in gewissen Musikerzirkeln, daß man die der örtlichen Ska-Legende URBAN BLIGHT entstammenden und den BEASTIE BOYS verbundenen URBAN BLIGHT HORNS nie groß zur Mitarbeit überreden mußte, sondern die Anfrage mit einer prompten freudigen Zusage quittiert bekam, für die eigenen musikalischen Fähigkeiten, daß man den Pfeffer der Bläsersektion auch - wie gerade bei einigen Festivalgigs bewiesen - live allein durch Scott Mueller und sein Saxophon zu ersetzen imstande ist.
DOG EAT DOG sind durchaus jung genug, um sich, wie die eine oder andere - mit der Gnade der späten Geburt gesegnete - einheimische Combo, ausschließlich Vorreiter des eigenen Genres, d. h., Bands, die die Stilmittel gewordene stilistische Verquickung bereits vollzogen haben, zum Vorbild zu wählen, ... siehe die H-BLOCKX, die aufgrund ihrer CHILI PEPPERS-Fixiertheit wohl ihr Leben lang nicht zu Unrecht mit dem Plagiatsvorwurf zu kämpfen haben werden. Nichtsdestotrotz hat man seine Wurzeln allerdings tatsächlich in all den Lagern, die erst in der Musik der Band zusammengeführt werden. Egal, ob das im HipHop BDP oder PUBLIC ENEMY oder im Rock AC/DC oder eben RONNIE JAMES DIO sind. Weshalb DIOs Background-Gesang auf "Games" auch so wundervoll funkioniert, weil er nämlich alles andere als ein Scherz ist und der Song immer noch genug Elemente seiner Musik enthält, so daß er sich erstaunlich harmonisch ins Gesamtbild einfügen kann.