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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

»Stadt der Lieder«

Doc Schoko

Christian Schulte versteht die Welt mittlerweile gar nicht mehr. Dieses Unverständnis bringt er als Doc Schoko in zeitlosem Intellektuellenpunk zum Ausdruck.
Geschrieben am
Wenn der Berliner Songwriter Christian Schulte seine Werke nicht gerade an andere Musiker verleiht, schreibt er seine gemächlich vor sich hin köchelnde Wut als Doc Schoko nieder. Schauplatz für Platte Nummer vier bildet die »Stadt der Lieder«. Unbekannt ist das »Stadt«-Motiv im Werk Doc Schokos keineswegs. Schon in den vorherigen Alben des Berliners bildeten Stadt, Straße und deren Bewohner den Rahmen für anschauliche, antikapitalistische und teils träumerische Ausführungen und Charakterstudien. Ähnlich konstant ist auch der klassische Retro-Sound aus Gitarre, Schlagzeug und Bass. Der trabend-repetitive, leicht verschwurbelte Ton lässt Staub und Kitsch dennoch weit hinter sich zurück. Die Selbstbezeichnung dafür lautet: »nostalgiefrei und zeitlos relevant«.

Die Mischung aus Krautrock und psychedelischem Blues erhält ihre Spannung samt rotzigem Punk-Unterton eigentlich erst durch Schultes vielseitigen Sprechgesang. Der schwankt von verträumter Resignation über angepisste Aufklärung bis hin zu aggressiven Wutausbrüchen. Als motziger Beobachter kommentiert er nicht nur die Falschheit der Außenwelt (»Bierchen«, »Hirnfriedhof«), sondern auch das eigene Innenleben und die Härte des Künstlerdaseins: »Oh, mein Herz, ich bin so trocken« (»Trocken«). Trotz wunderbar wahrhaftiger Songtexte bleibt Doc Schoko wohl auch auf der vierten Platte mehr Liebhaberthema grantelnder Realisten. Denn so viel Wahrheit kann die breite Masse gar nicht ab.

Doc Schoko

Stadt der Lieder

Release: 02.02.2018

℗ 2018 Staatsakt.