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In 20 Stichworten

»Django Unchained«

Stell dir vor, jemand fragt dich, ob du vor hast, den neuen Quentin Tarantino zu gucken – und du weißt schon alles, was man wissen muss! Oder zumindest 20 (un-)wichtige Dinge, zusammengestellt von Martin Riemann, der »Django Unchained« bereits gesehen hat.
Geschrieben am
01 Handlung
Die Frage nach der Handlung eines Tarantinofilms ist mittlerweile überflüssig. Wie auch in »Kill Bill 1&2« oder »Inglorious Basterds« geht es um die Rache der Unterdrückten. Ein Gefühl, das jeder kennt. Eine Masche, die immer geht. Und eine Konsequenz, die Tarantino liebt: Der Showdown garantiert ein sinnlos brutales Blutbad (Achtung, Spoiler!).

02 Sklaverei
Wenn es um Rache geht, braucht man einen, der den Rachedurst triggert wie das Oktoberfest den Bierdurst. Am besten einen, bei dem das Publikum selbst dann jubelt, wenn man ihm zum Vergnügen erst mal die Eier wegschießt. Bei »Inglorious Basterds« waren es Nazis, jetzt sind es Sklaventreiber. Irgendjemand hier, der Sklaventreiber mag? Dann guckt euch »Django Unchained« bloß nicht an! Und überhaupt: Fickt Euch!

03 Django
Ursprünglich der Held eines Italowesterns aus dem Jahr 1966 von Sergio Corbucci. Dieser für seine Zeit ungewöhnlich grausame Western war immens erfolgreich. Das führte dazu, dass sowohl in Deutschland, als auch in den USA etliche Italowestern den Namen Django im Titel trugen. Einer poetischer als der andere: »Django – Sein Gebetsbuch war der Colt«, »Django und die Band der Bluthunde« oder »Django – Die Nacht der langen Messer«.




04 Jamie Foxx
Tarantinos Django wird gespielt von Jamie Foxx. Er macht das gut und hat einige starke Oneliner: »Kill white folks and they pay you for it – what’s not to like?« Nur Samuel L. Jackson darf wieder mal noch cooler sein.

05 Genitalien
Tarantino scheint inzwischen besessen vom Thema Genitalverstümmelung. So bekommen nicht nur mindestens zwei Schurken eine Ladung Blei in die Hoden, auch Jamie Foxx wird ein glühendheißes Messer gefährlich nahe an die - deutlich sichtbaren! - Weichteile gehalten. Penisneid?

06 Sergio Corbucci
Neben Sergio Leone einer der originellsten Regisseure im Italowestern-Genre. Sein Film »Leichen pflastern seinen Weg« (»Il grande silencio«) gilt für viele als Genre-Highlight überhaupt und wird in »Django Unchained« zitiert. Tarantino ruft durch abrupte Schwenks und schnelle Zooms tatsächlich Erinnerungen an den ruppigen Stil des Italieners hervor.

07 Franco Nero
Der Darsteller des echten »Django« war der Italiener Franco Nero. Natürlich taucht er in »Django Unchained« in einer kleinen Rolle auf und darf Jamie Foxx ein paar abschätzige Blicke zuwerfen. So hält man die Oldschool-Fans bei der Stange.



08 Don Johnson
Außer Franco Nero spielen weitere halb vergessene Filmstars mit. Ein absoluter Tarantino-Standard. »Miami Vice«-Ex-Star Don Johnson sorgt mit Bärtchen und Südstaatenakzent bei seinem komödiantischen Auftritt für eine der besten Szenen des Films.



Don Johnson hat es als frühes Tarantino-Role Model endlich in einen von dessen Filmen geschafft…




09 Soundtrack
Wie schon in »Inglorious Basterds« klaut Tarantino auch diesmal hemmungslos bei den Scores alter Filme. Vor allem die Italowestern-Musik von Ennio Morricone, Luis Bacalov und Riz Ortolani hat es ihm angetan. Zusätzlich gibt es HipHop von Rick Ross, John Legend, Tupac. Und eine Ode an Django von RZA.

10 Bösewicht
Als charismatischer Villain fungiert Leonardo DiCaprio in der Rolle des dekadenten Gutsbesitzers Calvin J. Candie. Wie viele Tarantino-Bösewichte hat er ein großes Maul. So dauern Candies Ausführungen zur Phrenologie eine gefühlte Ewigkeit, vertreiben einem die Zeit zwischen Genitalverstümmelungen und finalem Blutbad (Ihr erinnert euch…) aber auf ganz unterhaltsame Weise.

11 Phrenologie. Hä?
Hatte das noch wer in der Schule? Na, es soll doch nicht heißen, bei Tarantino lernt man nix: Phrenologie war eine im 19. Jahrhundert etablierte Lehre, die einen Zusammenhang zwischen Schädel- und Hirnform und dem jeweiligen Charakter herstellte. Kein Wunder also, dass Fußfetischist Tarantino die Idee scheiße findet. Guckt Euch den Typen bloß mal im Profil an!



12 Deutsche
Der gute Quentin scheint ein Faible für Deutsche zu haben. Auf jeden Fall für Deutsche, die vom Österreicher Christoph Waltz dargestellt werden. Nachdem dieser in »Inglorious Basterds« einen wortgewandten, mordlüsternen Nazi spielte, darf er sich in »Django Unchained« von einer komplett anderen Seite zeigen. Er spielt einen wortgewandten und mordlüsternen netten Deutschen.

13 Inglorious Cameos
Trotz mangelnden Schauspieltalents übernimmt Tarantino in den eigenen Filmen gerne kleine Rollen. In »Django Unchained« mimt er einen undeutlich murmelnden, explodierenden Cowboy.

14 Paralleluniversum
Im Internet diskutieren die Fans jetzt schon, wie sich »Django Unchained« ins Tarantino-Paralleluniversum einfügt. Das Referenzsystem rules. So gab es das »Mandingo-Fighting« aus »Django Unchained«, den erzwungen Zweikampf von Sklaven, nicht in Wirklichkeit, sondern nur in Richard Fleischers »Mandingo« von 1975. Für Tarantino einer der wenigen ernst zu nehmenden Exploitationfilme, der von einem großen Studio finanziert wurde.

15 Exploitation damals und heute
Tarantino gab sich in Interviews zu »Django Unchained« gesellschaftskritisch. So finden die Sklavenhändler von damals seiner Ansicht nach ihr modernes Äquivalent in heutigen Konzernen. Ausbeutung ist zeitlos. Allerdings rettet sich der Sklave Django in dem Film nicht selber, sondern wird von einem deutschen Revolverhelden befreit und aufs Leben vorbereitet. Echte Sozi-Western-Romantik.



16 Zeit
Wer Tarantino kauft, bekommt Sex, Gewalt, Drogen und jede Menge abseitige Ideen - aber auch vertrackte Timelines und mehrgleisige Storylines. In »Django Unchained« gibt es bloß Sex, Gewalt, Drogen und jede Menge abseitige Ideen (gerne auch in Zeitlupe). Erzählt werden die schlappen 165 Minuten nämlich so schnurgeradeaus, dass auch John Wayne seine Freude dran gehabt hätte. Zum Glück, sonst wären wieder zwei Teile draus geworden.

17 Abseitige Ideen
Zum Beispiel diskutiert ein Lynchmob mit Ku Klux Klan-Masken heftig darüber, ob man mit den unheimlichen Kopfbedeckungen überhaupt etwas sehen kann.

18 Blut
Der eigentliche Hauptdarsteller von »Django Unchained«. Und da Tarantino CGI-Effekte ablehnt, schwappt, spritzt und fließt das Blut in cartoonesk rauen Mengen über die Leinwand. Das sieht einfach immer gut aus. Aber gäbe es den Film in 3-D, müsste man Angst um sein Popcorn haben.

19 Metaphorik
Was das Blut angeht, scheint sich Tarantino total in eine Art »Besudelte Unschuld«-Metaphorik verknallt zu haben. Es spritzt nicht nur auf den unberührten Schnee, sondern auch auf schneeweiße Baumwollblüten oder den makellosen Nacken eines Schimmels. Der Mann ist eben ein Ästhet.



20 Realität
Das ganze Gemetzel rechtfertigt Tarantino mit der grausamen Wirklichkeit der Sklaverei: »Es kann nicht alptraumhafter zugehen, als in Wirklichkeit. Es kann nicht surrealistischer zugehen als in Wirklichkeit. Es kann nicht abscheulicher zugehen als in Wirklichkeit.« Möglicherweise wurde in Wirklichkeit aber weniger dabei gequasselt.