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Klangdokument A

Diverse

Großereignisse von internationaler Bedeutsamkeit sind der Feind jeder Dorfidylle. Einmal mehr leidvoll zu spüren bekommen haben das die Einwohner von Kassel, als unlängst die zwölfte documenta über sie hereinbrach. Einige von ihnen wehren sich nun mit dem "Klangdokument A". Eine lokale Findungskommi
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Großereignisse von internationaler Bedeutsamkeit sind der Feind jeder Dorfidylle. Einmal mehr leidvoll zu spüren bekommen haben das die Einwohner von Kassel, als unlängst die zwölfte documenta über sie hereinbrach. Einige von ihnen wehren sich nun mit dem "Klangdokument A". Eine lokale Findungskommission hat sendungsbewusste Kasselaner, Kasseläner und Kasseler (der Grad der Heimatverbundenheit wird in dem Ort sehr ernst genommen und genau benannt) musikalische Beiträge schnitzen lassen, um provinziellen Widerstand gegen "die globale Kunstverblödung" zu leisten.

Stilistisch befleißigt man sich einer Idiomatik, wie man sie in jedem Jugendzentrum erleben kann. Rühmliche Ausnahme ist Walter Feetz, der zu herrlichstem Euro-Trash bekennt: "Kultur ist echt mein Ding!" Des Weiteren indes ist die prinzipiell diskutable Ablehnung des Kunsteventbetriebs und dessen Heimsuchungen zu schablonenhaft geraten. Der Reflexionsgrad ist deutlich zu niedrig und befindet sich auf dem Niveau der in Kleingartenkolonien abgehaltenen Gespräche über "Die da oben". Schade allerdings, dass es für das "Klangdokument A" vermutlich keine Förderung aus Kulturtöpfen gegeben hat. Und so bleibt die bittere Erkenntnis, dass es wieder einmal der kleine Mann auf der Straße ist, der das alles bezahlen darf.