×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

45 Seconds Of

Diverse

Die Concept Art erweiterte ab Mitte der 60er den Kunstbegriff, indem sie das Kunstwerk von seiner materiellen Repräsentation löste. Sol LeWitt meinte damals: “Ideen können Kunstwerke sein. Sie sind Teil einer Entwicklung, die irgendwann einmal eine Form finden mag. Nicht alle Ideen müssen physisch v
Geschrieben am

Die Concept Art erweiterte ab Mitte der 60er den Kunstbegriff, indem sie das Kunstwerk von seiner materiellen Repräsentation löste. Sol LeWitt meinte damals: “Ideen können Kunstwerke sein. Sie sind Teil einer Entwicklung, die irgendwann einmal eine Form finden mag. Nicht alle Ideen müssen physisch verwirklicht werden.” Damit war das Programm – und auch das große Problem – konzeptioneller Kunst umrissen; entscheidende Impulse hatte diese abschließende Radikalisierung der Modernen Kunst nicht zuletzt aus der Musik erhalten. Nun scheint es, dass im Bereich des avancierteren Elektro mehr und mehr auf konzeptionell-künstlerische Strategien Rekurs genommen wird: Bestes Beispiel hierfür bietet der Sampler “45 seconds of...”. 84 Künstler von Chicks on Speed bis Martin Rev, dem alten Helden von Suicide, von Tujiko Noriko bis Gustavo Lamas, durften 99 Tracks beisteuern, mit einer einzigen Vorgabe: Der Track durfte nur und ausschließlich und exakt 45 Sekunden lang sein, und keinen Fade-in oder -out aufweisen. Insgesamt entsteht so, man hätte es kaum gedacht, ein Soundbrei über gut 74 Minuten, mit dem man, vor allem bei den noisigeren Tracks, ein lustiges Ratespiel unter Freunden machen kann: Tipp den richtigen Übergang. Erinnert manchmal an John Zorns “Torture Garden”, manchmal ans Zappen eines TV-Geräts im Nebenzimmer. Ist so ‘ne Art spielerische Umsetzung des physikalischen Prinzips der Emergenz geworden, das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile. Trotzdem bleibt es an Radikalität weit hinter den Konzept-Künstlern zurück: Deren gedankliche Prozesse existierten meist bloß in Form von Texten, Diagrammen und Fotografien. Ihr Nachvollziehen integrierte den Rezipienten in den künstlerischen Prozess. Dematerialisiert widersetzte sich das Kunstwerk so der Beurteilung seiner Qualität, statt dessen erhielt die Idee Priorität. Und die Idee war ja auch hier gut, die Realisation... Na ja, ich sach mal: Hätte man sich sparen können.