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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

America’s The Bomb

Diska

“Das Spektakel (...) sind die Waren und ihre Leidenschaften. Die Supermärkte sind die Distributionsfabriken, die Tempel, des übersättigten Konsums.” Oh oh, dieses Zitat, das Diskas zweites Album “America’s The Bomb” eröffnet, riecht nach Marxismus. Und stammt aus dem We
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“Das Spektakel (...) sind die Waren und ihre Leidenschaften. Die Supermärkte sind die Distributionsfabriken, die Tempel, des übersättigten Konsums.” Oh oh, dieses Zitat, das Diskas zweites Album “America’s The Bomb” eröffnet, riecht nach Marxismus. Und stammt aus dem Werk “Gesellschaft des Spektakels” von Guy Debord (1967). Dort formulierte Debord, verkürzt gesagt, 221 Thesen zur Gefahr kontrollierten Konsumverhaltens durch Warenfetischismus (die Starware ist Kultur). Waren suggerieren den Wunsch nach mehr Waren. Und durch dieses Konsumverhalten kann das Individuum mehr und mehr subtil kontrolliert werden. Das sind keine neuen Überlegungen, zugegeben, aber nach dem 11. September hat sich das Duo Albert Pöschl (of u. a. Queen-Of-Japan-Fame) und Ralf Summer gefragt, wieso die Frage nach Gründen für den 11. September und den NATO-Gegenanschlag eine mehr oder weniger rhetorische geblieben ist? Kein Thema? Thema! Die dubbigen Sounds der zwölf Tracks der Münchner kreisen damit um Dreierlei: a) Konsum, b) Kapitalismuskritik und c) ihren eigenen Albumtitel. Sie verweben die marxistisch orientierte Manifestation der “Situationisten Internationale” aus den 50er Jahren, deren Kopf Debord war, mit dem heutigen Habitus des “politisch Seins”. So folgt nach dem Zitat im Albumopener “america won’t hear / it’s deaf and we’re proud / it’s officer nr. 1 / america’s the bomb” ein trockener und funkyiger Elektro-Mix. Mit wippendem Fuß und einem Funken Ironie bleibt kantiger 80er-Retro-Synthiepop eine ziemlich sexy Verpackung für Systemkritik. Obwohl diese glamouröse Verpackung sich natürlich auch einer begehrlichen Warenförmigkeit bedient.