×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

1982 bis 2007

Die Zimmermänner

Die Zimmermänner, das sind vor allem Timo Blunck und Detlef Diederichsen. Seit 1982 haben sie, um es (hoffentlich richtig erinnert) mit Les Robespierres zu sagen, so einiges gegessen, geraucht und gesehen. Deswegen fragen wir an dieser Stelle mal nach, wie sich das Comeback denn so anfühlt:25 Jahre
Geschrieben am

Die Zimmermänner, das sind vor allem Timo Blunck und Detlef Diederichsen. Seit 1982 haben sie, um es (hoffentlich richtig erinnert) mit Les Robespierres zu sagen, so einiges gegessen, geraucht und gesehen. Deswegen fragen wir an dieser Stelle mal nach, wie sich das Comeback denn so anfühlt:
25 Jahre sind es von eurem Debütalbum “1001 Wege, Sex zu machen, ohne daran Spaß zu haben” bis zum aktuellen Album “Fortpflanzungssupermarkt”. Wenn ihr es auf den Punkt bringen müsst: Was sind die zentralen Unterschiede für deutschsprachige Popmusik zwischen den Epochen?
TB: Die Unterschiede sind erstaunlich gering – es gibt immer noch keine wirklich eigenständige deutsche Popmusik. Zu Rock mit deutschen Texten kommen jetzt R’n’B oder HipHop mit deutschen Texten – und die deutschen Texte sind nach wie vor meistens nachempfundene englische Texte. Wir standen 2006 mit “Fortpflanzungssupermarkt” vor der gleichen Aufgabe wie 1982 bei “1001 Wege ...” – Popmusik erfinden, die unserem Lebensgefühl entspricht und nicht Angelsächsisches imitiert. 24 Jahre später – auf eine Tradition können wir uns nach wie vor nicht berufen.
Die frühen 80er waren nicht nur dunkler und existenzieller, sondern auch politischer aufgeladen. Denkt ihr, dass ihr auch im heutigen Milieu den Anstoß zum Selbst-Aktiv-Werden gefunden hättet?
Abgesehen von unseren persönlichen politischen Überzeugungen, die natürlich schon immer eher links waren, waren und sind wir als Musiker nie Aktivisten – unsere Texte spielen im Alltag, haben einen festen Bezug zur Realität, aber wir machen keine Protestsongs – wir beschreiben, sehen durch unsere Brille, mit unserem Humor. Außerdem finde ich die heutigen Zeiten viel dunkler und existenzieller als die frühen 80er – vielleicht kann ich mich auch nicht mehr so gut erinnern, aber waren ABC nicht ganz schön glamourös?
Wenn man von “politisch aufgeladen” spricht, dann muss natürlich auch das daraus Gewordene kritisch beäugt werden: Seid ihr mit dem eigenen Weg und den der Generationskollegen zufrieden? Wurde das umgesetzt, was Anfang der 80er in der Kneipe beschlossen worden ist?
Da muss ich mal ganz philosophisch werden: Leben ist das, was passiert, während man fleißig andere Pläne macht. Erstens hatten wir nie die gleichen Pläne, wenn überhaupt welche, und zweitens ist aus allen was anderes geworden als ursprünglich beschlossen. Ich habe viel Kontakt zu alten Bandkollegen und sonstigen Mitstreitern – sie sind alle einen ganz eigenen Weg gegangen, sind alle mehr oder weniger wertvolle Mitglieder der Gesellschaft geworden, die sie mehr oder weniger geprägt haben. Ich persönlich bin froh, im Vollbesitz meiner physischen und geistigen Kräfte zu sein und den Arsch hochbekommen zu haben, dieses neue Album zu machen.