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Die Zivilisation der Farben

Die Welttraumforscher

Vor über zehn Jahren erhielt ich einen obskuren Kassettensampler, der neben allerlei Schrott und Schönem ein Lied beinhaltete, das flugs zu einem meiner ganz liebsten wurde: ein recht schrammeliges, trauriges Kleinod mit dem lieblichen Titel “This Could Be the Greatest Love In Town”. Übe
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Vor über zehn Jahren erhielt ich einen obskuren Kassettensampler, der neben allerlei Schrott und Schönem ein Lied beinhaltete, das flugs zu einem meiner ganz liebsten wurde: ein recht schrammeliges, trauriges Kleinod mit dem lieblichen Titel “This Could Be the Greatest Love In Town”. Über zehn Jahre später ist heute, und einige Elefantenherden sind durch mein Herz getrampelt. Das Lied, dessen Titel ich heute besser verstehe denn je, blieb jedoch unbeschädigt, obgleich ich es genau da aufbewahre: im Herzen. Nun gibt es Neues von den Welttraumforschern, jenen drei freundlichen kleinen Herren, die tatsächlich noch immer wirken, als lebten sie in einem Ei, dessen Schale von innen mit vielen farbigen Sternen beklebt ist. Und schon das erste Stück, “Weit Bei Den Sternen”, klingt fast so schön wie obengenanntes Lieblingsliebeslied. Der mit allerlei Krims und Krams zusammengebastelte Bretzelberg-Pop der Welttraumforscher, den Uninspirierte wie ich sicher gerne “verschroben” nennen würden, wäre dieses Wort im Zusammenhang mit Musik nicht verboten, klingt ausgereifter denn je. Das unfertige, improvisatorisch wirkende Element, das Kassetten wie “Reise Nach Bretzelberg” bzw. Stücke wie “Der Tod Ist Ganz Normal” ausmachte, ist einer Schönheit und Geschlossenheit gewichen, die diese sechste LP der Forscher meines Erachtens zu einer ihrer besten Veröffentlichungen macht. Referenzen zu benennen ist selbstredend schwer, da die drei Herren - ähnlich wie ihre Kollegen der Music Tapes - eben nicht irdischen Ursprungs sind. Möglicherweise könnte man an eine freundlichere Ausgabe des Plans oder Molto Stuhls denken - und schließlich ähneln sie im Umgang mit Kinderlied-artigen Strukturen den Bestrebungen des frohgemuten Kölner Freigeistes Harald “Sack” Ziegler, auch wenn die Forscher sich in einem ganz anderen, gleichfalls ähnlich bunten Randbereich der Musik befinden und arbeiten. Die Welt der drei Traumforscher mag klein sein, doch sie ist freundlich und unendlich. Mieslinge und ähnliches Unvolk mögen es kitschig und kindlich nennen, doch ebenjene sollen auch missverstehen, dass dies in seiner Schönheit - wie alle Schönheit - hin und wieder ein wenig anstrengende Werk auf irgendeine, mir auch nicht unbedingt einleuchtende Weise von enormer Wichtigkeit ist. Was ich durch folgende Zeilen aus dem Stück “Das Rote Restaurant” belege: “Ist es nicht seltsam / Wohin wir kommen / Ist es nicht seltsam / Ein Tier im Magen.” Dass dem nichts hinzuzufügen ist, dürfte auch dir einleuchten, Arsch.

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