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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Die Welt dreht sich um

The Roots

Heiko Behr stellt ein paar Fragen an Questlove von The Roots
Geschrieben am
Questlove und ...
Sein Schlagzeug: Ich wurde 1971 geboren. Meine Eltern haben mich gefördert, und so bekam ich eben mit drei mein erstes Kinderschlagzeug, mein erstes richtiges dann mit sieben. Das ist also die älteste Beziehung, die ich überhaupt zu irgendetwas in meinem Leben habe.

Sein Afro: Eigentlich wächst mein Haar einfach sehr schnell. Es zeigt dir nur, wie oft ich die Zeit habe, zum Friseur zu gehen. Nämlich nie. Eigentlich klappt das nur zwei Mal im Jahr: wenn wir bei David Letterman oder Jay Leno auftreten.

Sein Sound: Ich stehe ja für eine ganz bestimmte Idee: alte, abgehangene Sounds. Deswegen sammle ich alte Schlagzeugsets; wenn sie 30 oder 40 Jahre alt sind, ist es genau richtig. Das ist dann ein klassischer Sound.

Sein Image: Ich bin grundsätzlich zufrieden mit mir und meinem Äußeren. Du musst wissen: Image war immer sehr wichtig im HipHop. Die Leute haben da nur nie so drauf geachtet. Guck mal, deswegen falle ich mehr auf als Black Thought: Ich hab einen Afro, bin riesiggroß und kann meinen Mund nicht halten.

Seine Emotionen: An den Anfang und das Ende des Albums haben wir einen Streit von uns gepackt, den wir damals aufgenommen haben, der so wirklich stattgefunden hat, als unser zweites Album rauskam. Ich wollte zeigen, wie intensiv die Situation für uns damals war, weil wir fast vom Label fallen gelassen wurden. Die Angst, die Panik, schon wieder gedroppt zu werden, obwohl wir doch so hart gearbeitet hatten ... Man schiebt sich plötzlich Schuld zu, was eigentlich Quatsch ist. Also, wir wollten zeigen, dass wir menschlich sind. Klingt selbstverständlich? HipHop ist heute zweidimensional, kalt. Es gibt keine Tränen, kein Blut, kein Lachen, keine Emotionen, keine Traurigkeit. HipHop ist das einzige Genre, wo es keine Emotionen gibt! Wenn du weinst, bist du ein Schwächling. Wenn du lachst, bist du ein Weichei.

Seine Live-Shows: Ich habe mein Leben lang bei anderen Künstlern immer gedacht: "Okay, die Liveshow ist besser als die Platte!" Ich WILL gar nicht, dass die Platte besser ist als die Liveshow. Die letzte Erfahrung, die ein Fan mit uns macht, soll die beste sein. Die Platte ist dazu da, dass du vertraut wirst mit der Musik. Danach ist es mein Job, die Songs weiter voranzutreiben, auf ein neues Level. Live muss man die Emotionen, die Energien verstärken. Ich spiele jede Show so, als ob mein Leben dranhängt - und so ist es tatsächlich.

Seine Kollaborationen: Die meisten HipHop-Künstler gehen ja so vor: Wer steht in den Charts vorn? Okay, mit denen machen wir jetzt was zusammen. So kommen Kollaborationen zusammen, die eigentlich keinen Sinn machen. Wir machen das anders, wir arbeiten nur mit Leuten zusammen, mit denen wir auch privat auskommen und die wir kennen. So wie jetzt wieder mit Mos Def.

Seine Kritiker: Ich sehe es so: Das Problem sind die vielen Blogger da draußen. Ich selbst hab eine Website, und wir arbeiten da zu viert dran. Und es ist sehr viel Arbeit. Wie können also manche Blogger 40 Alben pro Woche durchgehen? Wie soll da eine ausgewogene Meinung rauskommen? Ich möchte, dass die Journalisten jedes Detail, jede Punchline wahrnehmen. Man muss sich also lange damit auseinandersetzen. Die professionellen Journalisten schreiben oft von populären Musikblogs ab - nur um auf der sicheren Seite zu sein. Mann, mein Leben hängt davon ab, und einige nehmen sich nicht mal die Zeit, sich in Ruhe eine Stunde anzuhören, woran ich acht Monate gearbeitet habe?!

Die Fragen stellte Heiko Behr