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Die Verweigerer: So wars in Dortmund

Menomena live

Ihr Label City Slang lässt sich mit den Worten zitieren, Menomena seien die "talentierteste Band" in ihrem mit Talenten vollgestopften Stall. Ist das wahr?
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Ihr Label City Slang lässt sich mit den Worten zitieren, Menomena seien die "talentierteste Band" in ihrem mit Talenten vollgestopften Stall. Ist das wahr? Sind Menomena der Vulkan, der all seine Genialität bald auf uns niederspuckt? Oder tun sie das schon längst?
 
18.11.2010, Dortmund, FZW.
 
Bei allen Vorschusslorbeeren muss man zugeben – man hat es nicht unbedingt leicht mit Menomena. Gerade als unvorbereiteter Konzertbesucher, gerade in der Live-Situation. Schließlich erfüllt die Band aus Portland alle gängigen Parameter einer Indie-Rock-Gruppe, will aber partout nicht rocken.

Alle Konzerte der Band hinterließen bislang dasselbe Bild von zumindest einem Teil der Zuschauer: Faszination, aber auch Verunsicherung. Sobald ein Part eines Songs richtig fett zu werden beginnt und die Fans sich in die Riemen legen, um abzugehen, bricht die Band ab und setzt mit etwas völlig anderem ein. Vom Tonträger lässt sich diese Art von Songwriting leichter goutieren als live, trotzdem ist unzweifelhaft, dass Menomena ganz besondere Wege gehen.
 
Um ihr aktuelles und völlig zurecht gefeiertes Album "Mines" vorzustellen, sind Menomena fast schon ein wenig zu spät. Es erschien im Juli, aber erst jetzt hat es das Trio über den Atlantik geschafft. Grund dafür waren sicher auch die Nebenprojekte wie Ramona Falls oder Lackthereof, deren Alben die einzelnen Bandmitglieder in der Zwischenzeit veröffentlichten. Als Entschädigung haben sie sich für die Tour Verstärkung mitgebracht: Joe Haege von den ähnlich hervorragenden 31Knots steht im kleinen Club des Dortmunder FZW im Hintergrund und gibt den Eskapaden Menomenas mit seiner Gitarre ein Fundament. Überhaupt ist es erstaunlich, dass dieses eigentliche Melodieinstrument hier diese Funktion erfüllt. Es ist aber auch ein Sinnbild der so völlig unorthodoxen Songstrukturen Menomenas: Es gibt keine ständige Basis, stattdessen setzen Schlagzeug und Percussion, Saxophon und Bass, Gitarren und Keyboards in immer unterschiedlichen Zusammensetzungen ein, brechen ab und mischen sich neu. Um darin gewohnte Hörmuster zu entdecken, muss man sich bemühen. Man kann sich aber auch einfach angenehm anregen lassen von dieser sicherlich blühendsten Indie-Rock-Band derzeit.
 
Die Songs, die Menomena in ihrer guten Stunde Spielzeit auf die Bühne bringen, sind sehnig und komplex, fragil und von einer ganz eigenen, federleichten Rhythmik. Irgendwann hat sich die Band ganz offenbar gegen einen nachvollziehbaren Groove entschieden, obwohl sie ihn sicher leicht könnten. Stattdessen gehört es zum Konzept, Songs auf Haut und Knochen zu reduzieren und jedem Klang dadurch ein besonderes Gewicht und Bedeutung zuzubilligen. In dieser Hinsicht sind Menomena meilenweit von Indie-Rock entfernt. Schon eher ist das komponierter Jazz ohne Improvisation, der nur durch Gesang und Refrains in Songs zusammengehalten wird. Live besitzt diese Musik dadurch eine besondere Leidenschaft, die man zwar begaffen und der man zuhören kann, nicht aber dazu tanzen. Dementsprechend wird es sicher noch lange City Slang-Fans geben, die mit zuckenden Schultern nach zwei Dritteln eines Menomena-Konzertes den Heimweg antreten. Dass die Band aber tatsächlich eine im Wortsinne faszinierende Qualität und wohl auch besonderes Talent besitzt, macht ihr Konzert ebenso klar, wie es schon ihre Alben taten.