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Die Stadt ist das Festival

From Superbock to: Primavera Club

Ein Trend geht um in der Festivalszene: Es wird nicht mehr eine zentrale Location bespielt, dafür finden die Konzerte in einer größeren Anzahl von Venues statt, die über die ganze Stadt verteilt sind.
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Ein Trend geht um in der Festivalszene: Es wird nicht mehr eine zentrale Location bespielt, dafür finden die Konzerte in einer größeren Anzahl von Venues statt, die über die ganze Stadt verteilt sind. Eine Idee, die bereits in den 80ern in Amerika ihren Ursprung hatte.

Primavera Winter, Barcelona / Madrid, 9.-13.12.2009

Superbock EM Stock, Lissabon, 4.-5.12.2009


Während des SXSW, dem Frühlings-Portfolio-Showcase der amerikanischen Musikindustrie, treten in jedem Schuppen von Austins Abstürzmeile 6th Street Bands auf - was das Festival zur etwas chaotischeren Mutter des Hamburger Reeperbahnfestivals macht. Und beim CMJ, dem herbstlichen SXSW-Pendant in New York, kann man zwischen Brooklyn und Manhattan in ca. 50 Venues die Newcomer der Saison sichten - als die Popkomm noch in Köln weilte, griff sie genau das auf und köchelte die ganze Stadt systematisch hoch, bis alle sich beim Mexikaner in der Südstadt erschöpft in den Armen lagen.

Die Macher des in Lissabon stattfindenden Superbock EM Stock Festivals sind da noch etwas von entfernt, aber auf dem besten Weg, zumal ja auch erst im zweiten Jahr ihrer Existenz. Auf sechs Locations verteilt spielten an zwei Abenden 33 Acts, darunter u.a. Mocky, Magazin, Piano Magic, Juan MacLean, Wild Beasts und die Ebony Bones. Allerdings nicht in irgendwelchen runtergekommenen Kaschemmen, sondern in bezaubernden alten Theatern, derer die Stadt unendlich viele zu bieten hat. Und auch Highlights gilt es nicht wenige zu vermelden. Da wäre der Auftritt der amerikanischen Indierocker Voxtrot im Sao Jorge. Zwei Jahre ist es her, dass die Band um Ramesh Srivastava mit "Voxtrot" ein aufwühlendes Debütalbum vorgelegt hat. Die kürzlich erschienene Single "Berlin, Without Return", deren Titelsong ein faszinierend funkelnder Indiegassenhauer ist, hatte es angekündigt: Die Band hat sich nach einem ihrer Tourerschöpfung geschuldeten Durchhänger wieder aufgerappelt und rumpelte voller Sturm und Drang über die Bühne. Schlagwörter mit denen man die Auftritte von Kap Bambino auch treffend beschreibt. Das Duo aus Marseille gab ihre krude Mischung aus Punk und Techno in Lissabon in einer Tiefgarage zum Besten - gut dass keine Autos in dieser geparkt waren, es wäre nicht mehr viel übrig. Deutlich beschaulicher, aber sehr stimmungsvoll war der Auftritt von Little Joy, dem Seitenprojekt des Strokes Schlagzeugers Fabrizio Moretti (hier an der Gitarre). Nicht nur wegen des portugiesischen Gesangs wurde die Band im Teatro Tivoli frenetisch abgefeiert. An selbiger Stelle hatten zuvor Beach House den Auftritt des Festivals hingelegt. Stimmungsvoller geht nicht mehr. In einem ein bisschen an die Fever Ray Shows der letzten Saison erinnernden Bühnenbild, croonte sich Victoria Legrand durch ihre dunkle Gefühlswelt.

Die mit Barcelona und Madrid gleich zwei Städte bespielende Winter Edition des von Intro so geliebten Primavera Festivals, sorgte dann für ein Wiedersehen mit einigen dieser Bands. Und auch hier stachen die Performances von Voxtrot, Beach House und Little Joy raus - fanden aber mit Auftritten von u.a. Health, Devendra Banhart, Marissa Nadler und vor allem A Place To Bury Strangers, die sich in einen zerstörerischen Groove reinknüppelten, ebenwürdige Fortsetzungen.