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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Die Paarkritikerin

Christiane Rösinger

Wenn Nachhaltigkeit das große Ding für alle ist, wie kommt es, dass Christiane Rösinger bisher so wenig gefeiert wurde? Schlauer in Pop als mancher Primus der Hamburger Schule war sie schon in den 90ern mit ihrer Band Lassie Singers, danach mit Britta. Doch erst jetzt mit der späten Buchautorenschaft öffnen sich für die mittlerweile 51-Jährige alle Indie-VIP-Türen.
Geschrieben am
Mit deinem zweiten Buch, der Sachbuch-Travestie »Liebe wird oft überbewertet«, verleihst du dir den interessanten Titel »Paarkritikerin«. Das ist doch kein Lehrberuf?
Nein, das hat sich über die Jahrzehnte so ergeben, dass ich da Fachfrau wurde, ist bisschen mein Lebensthema. Das Buch besitzt die pädagogische Absicht, Leute dazu zu ermuntern, sich von unguten Beziehungen zu lösen – und auch dass sie die Schönheit des Alleinseins erkennen.

Mit der Schreiberei hast du spät begonnen, 2008 erschien das Roman-Debüt »Das schöne Leben«. Andere Pop-Aktive besetzen das Feld viel früher, hattest du vorher nie die Ambition?
Ambitionen hatte ich schon immer, weil ich ja auch Literaturwissenschaften studiert habe. Da beschäftigten mich allerdings die großen Romanautoren des 19. Jahrhunderts – und das kann einen auch lähmen. Kriegt man doch eh nie so hin!

Du meinst so jemanden wie Jane Austen? Nach deren Buch »Stolz und Vorurteil« hattest du auf deinem Label Flittchen Records zusammen mit Almut Klotz den ersten Sampler benannt.
Genau. Daher habe ich über die Jahre nur für Blätter wie Junge Welt oder Berliner Zeitung geschrieben. Bis Rocko Schamoni mich ermutigte und meinte: »Mach’s wie ich. Mach auch’n Buch!« Es hat aber lange gedauert, bis es so weit war. Ich habe einfach noch so viel anderes: die Bands, das journalistische Schreiben, die Flittchenbar. Mich drängt es nicht an den Schreibtisch. Eigentlich erzähle ich den Leuten lieber Geschichten. Oral History ist viel eher meins, aber davon kann man auch nicht leben!

Schreiben funktioniert finanziell besser als Musik?
Ich schreibe die Bücher, um auf Tour zu gehen. Ich bin sehr gern unterwegs. Aber alle zwei Jahre eine Platte machen, die richtig gut sein soll, aber wieder nicht ihre Produktionskosten einspielt? Das ist müßig geworden. Außerdem kann ich in meine Leseprogramme viele Songs einbinden, denn thematisch hat sich – gerade zum Thema Paarkritik – einiges angesammelt bei mir.

Kannst du schon verraten, ob es ein drittes Buch geben wird?
Ja, kann ich, gibt es. Ich bin mit dem Auto zum »Eurovision Song Contest« nach Aserbaidschan gefahren, der Wettbewerb war aber mehr ein Vorwand. Als deutschsprachige Musikerin bin ich so oft durchs eigene Land gefahren: immer dieselben Läden, dieselben Raststätten. Jetzt wollte ich eine echt abenteuerliche weite Autoreise machen. Das Buch dazu wird eine Reiseerzählung, ein Roadmovie.