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So war’s in Osnabrück: Rückwärts gerichtet, mit Blick nach vorn

Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen live

Vorab soll hier kurz die Idee des »Pop Salon« deutliche Belobigung finden, denn ein Indoor-Festival in insgesamt vier kleinen, aber feinen Locations über drei Tage ist einfach eine prima Angelegenheit.
Geschrieben am
11.4.2013, Kleine Freiheit, Osnabrück

Die - darf ich das als Landei so sagen? - Provinzmetropole Osnabrück erlebte genau dies am vergangenen Wochenende zum vierten Mal und wartete mit – für lokale Verhältnisse - sagenhaften 18 Acts aus sechs Nationen auf. So viel Musik erlebt der friedensstadtgebeutelte Südwestniedersachse dann doch eher selten, auch wenn man sagen muss, dass sich gerade im Bereich der Clubszene das Hansestädtchen nach langen Hungerjahren im ausgehenden letzten Jahrtausend wirklich gemausert hat.

Und so liefert Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen, wiederauferstanden aus superpunk’schen Ruinen, im passenden örtlichen Rahmen ein wunderbares Konzert ab. Auf der Bühne der Kleinen Freiheit, dort wo sich sonst Sofas, Couchtischchen und Stehlampen ein wohnzimmerartiges Stelldichein liefern, ist dies sicherlich einer der entspanntesten Konzertabende seit langem. Wahrscheinlich keiner im Saal, der sich den mit dezent gebremsten Verve dargebotenen verbalen Spitzfindigkeiten und musikalischen Anachronismen eines Carsten Friedrichs und seiner »Four Tops« wirklich zu entziehen vermag. Angehende alte Säcke dort auf der Bühne zwar, aber auch angehend altersweise und dazu noch extrem entspannt und überaus humorvoll. Klingt irgendwie bekannt aus früheren musikalischen Zirkeln, in denen man sich bewegte, und so soll es wohl auch sein. Auch wenn die Liga – zumindest bis jetzt – im Vergleich zu früher Superpunk eher mal Tempo raus nimmt aus den Songs.

Schon allein der unbedingte Wille der Band ist bemerkenswert: Weder ein Ersatzschlagzeuger noch ein in Einzelteile gegangener Gitarrenverstärker können Die Liga Der Gewöhnlichen Gentlemen aufhalten. Das Album No. 1, »Jeder auf Erden ist wunderschön« wird lückenlos dargeboten und mit dem einen oder anderen Zusatzschmankerl versehen, so einer Coverversion von Bernd Begemanns »Viel zu glücklich (um es lange zu bleiben)« und einer fußballgesangsartigen Reminiszenz an den deutschen Schauspieler, Autor und Antihelden Werner Enke. Überhaupt, weiter zum Stichwort »Fußball«: es soll ja bisweilen auch Thema bei der Liga sein, aber gerade im Hinblick auf friedrichs’sche Sozialbetrachtungen ist Fußball und sein Umfeld auch ein wichtiger Aspekt. Und in der Nachspielzeit werden dann auch alte Superpunk-Zeiten serviert.

Wer also die Genese einer – und das ist jetzt kein Widerspruch, sondern eine großartige Kombination - herrlich rückwärts gerichteten, doch stets vorausblickenden Band miterleben möchte, sollte sich zwingend aufmachen, die laufende Tour zu nutzen. Wegbleiben sollte aber ein jeder, der der Zeit von Superpunk ernsthaft nachtrauert.