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Entertainment und Lebensweisheiten

Die Höchste Eisenbahn live in Köln

80er-Referenzen, schelmischer Witz und Hits aus dem Alltag: Die Höchste Eisenbahn überzeugen im Kölner Club Bahnhof Ehrenfeld auf ganzer Linie.
Geschrieben am
02.11.2016, Köln, Club Bahnhof Ehrenfeld

Deutsches Liedgut in einen unpeinlichen Kontext zu überführen ist nicht so einfach, das beweisen Künstler wie Tim Bendzko oder Andreas Bourani mit ihrer Selbstbefindlichkeitsklyrik mit jeder neuen Platte. Doch es gab immer wieder Ausnahmen. Zu den vielleicht fähigsten deutschen Gitarrenbands (Vorsicht Subjektivität!) gehören im Moment wohl die Berliner Isolation Berlin und eben jene Mini-Supergroup Die Höchste Eisenbahn. Natürlich kann dieses Konzert nur im Bahnhof Ehrenfeld stattfinden, so hat man die Schmunzler schließlich schon in der Prä-Konzertphase auf seiner Seite. Angenehmer Nebeneffekt: Mittlerweile bekommen die Jungs eben mittelgroße Hallen wie den CBE ausverkauft.

Das mag auch am Nostalgiepotenzial ihrer Protagonisten liegen, schließlich spielten die ja mal bei hoch dotierten Bands wie Tele oder Tomte die Mitte der Nullerjahre Synonyme für Geschmackssicherheit im oft so biederen Terrain der deutschen Pop-Landschaft darstellten. Doch sind es auch die Entertainer-Qualitäten, die in der oft abschweifenden und spontanen Kommunikation der Bandmitglieder sichtbar werden. Dabei ist es vor allem die Aura und der Kontrast der beiden Lead-Sänger Moritz Krämer und Francesco Wilking in ihren Rollen als lässiger Schönling und redseliger Geschichtenerzähler. So werden konstant über den Abend verteilt immer wieder Anekdoten aus dem Tourleben vorgetragen und ironisch die Beziehung der beiden thematisiert (Wilking:
»Wir sind wie Ying und Yang!«). Und wenn Wilking mal zu ausschweifend wird, dann merkt Bassist Felix Weigt aus dem Hintergrund an: »Das war jetzt aber nicht so toll, ne?!«.  
»Wer bringt mich jetzt zu den Anderen«  heißt die zweite Platte der Band und diese bringt noch eindrucksvoller als das tolle Debüt (»Schau in den Lauf Hase«) auf den Punkt, wie gut deutsche Popmusik sein kann. Die Fähigkeit der Höchsten Eisenbahn liegt darin, Alltagssituationen heraufzubeschwören, die so nah an ihren Hauptdarstellern sind, das der Hörer unmittelbar Empathie für die Erzählungen aufbringen kann. Am heutigen Abend fällt auf, dass der Hang zu 80s-Referenzen live noch exzessiver ausgelebt wird, als auf Platte. Gerade in den Pausen zwischen den Liedern baut Weigt werden immer wieder kleine Zitate am Keyboard ein, so dass man sich fragt: »War das gerade eine Van-Halen-Melodie? (…) Oh, das klingt jetzt aber wie der Soundtrack zu Netflix-Serie ›Stranger Things‹! « Es ist dieser schelmische Witz, der dem Abend gut tut.

Die Höchste Eisenbahn will heute auch die längste Eisenbahn sein. Nachdem der Fokus zunächst auf der zweiten Platte liegt, werden die Instant-Hits »Aliens« und »Was machst du dann? « erst zum Schluss gespielt. Die Uhr zeigt 0:21 als die Saallichter angehen. Die Eisenbahn stand für zweieinhalb Stunden eindrucksvoll im Club Bahnhof Ehrenfeld. Jetzt rollt sie weiter.

Die Höchste Eisenbahn

Wer bringt mich jetzt zu den Anderen (Deluxe Version)

Release: 26.08.2016

℗ 2016 Tapete Records