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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Die Heiterkeit

Neue Bands fürs Jetzt

Zur Hölle mit euch, dunkle Tage, endlich mal wieder was zu lachen! Ein Treffen mit der Hamburger Band Die Heiterkeit steht an. Doch der kokette Name trügt. Die drei Musikerinnen Stella, Stefanie und Rabea tragen Schwarz und setzen auf die Power des spröden Hits.
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Die Heiterkeit lümmeln auf ihren Stühlen im Café Küçük Kanarya am Prenzlauer Berg zu Berlin, es wird öfter mal gegiggelt. Kann man das schon gelten lassen als namensgebenden Frohsinn? Möglicherweise, doch ganz so leicht sei es der jungen Band, deren erste Probe exakt auf den 01.01.2010 datiert, auch nicht gemacht. Also, was ist los mit diesem Bandnamen? Schließlich geben sich die Songs betont melancholisch, leicht verschlafen, lässig, und die Bildersprache führt immer wieder hin zu düsterem Kitsch. Alles gar nicht so lustig!

»Och ... Wir wollten einen eher allgemeinen Namen. Und Heiterkeit ist doch allgegenwärtig«, sagt Rabea, um sogleich wieder zu verstummen. Klar, allgegenwärtig – außer auf der Platte. Aber gut, die drei jungen Frauen und Pavement-Fans haben es eben nicht so mit der Erklärerei. Wieso auch, immerhin stellen sie mit ihrer noch frischen Karriere jenen Post-Adoleszenten-Traum nach, den man mit dem Ende der Hamburger Schule zur Jahrtausendwende längst als tot und begraben wähnte. Waren deutsche Bands das letzte Jahrzehnt über vornehmlich Unternehmer ihrer selbst und damit einem neoliberalen Selbstvermarktungs-Duktus unterworfen, knüpft die Heiterkeit wieder nonchalant an das Ideal des unpraktischen Müßiggängers in der Kunst an. Kunst um ihrer selbst willen, zur Schau gestellte Unperfektion. Statt des immensen Ehrgeizes, die eigenen Produkte unter die Leute hupen zu wollen, erstrahlen die drei im trotzigen Grundvertrauen, über die wichtigen Hornbrillen-Theken des Landes schon Gehör zu finden. Die Heiterkeit tun einfach so, als hätte es die Nuller und die Agenda 2010 nie gegeben, und machen hinreißend poetischen Pop für Langzeitstudierende und Hamburger-Schule-Survivor. Bei dieser Anomalie im Raum-Zeit-Gefüge unterstützt werden sie von der Exil-Wiener-Band Ja, Panik, auf deren Label Nein, Gelassenheit nun auch das Debüt »Herz aus Gold« erscheint.

Ebenfalls in der Freundesliste: die Boys von Die Türen, die stets gern gute Leute unterstützen, die gewissen inhaltlichen und ästhetischen Zumutungen der Gegenwart die Stirn bieten. Die Heiterkeit kann sich freuen: Alles anders, aber alles richtig gemacht – und schon vor der ersten Albumveröffentlichung hat sie die Aufmerksamkeit auf ihrer Seite. Und jetzt? Na, jetzt kann’s losgehen! Die Band nickt.

Die Heiterkeit »Herz aus Gold« (Staatsakt / Rough Trade / VÖ 24.08.)