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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

»An ›Real Life Mario Kart‹ haben wir vier Wochen gebaut«

Die Geek-Ingenieure von Waterloo Labs

Kann man Videospiele mit den Augen steuern? Oder das beliebte Nintendo-Game »Mario Kart« so in die reale Welt übersetzen, dass das echte Kart tatsächlich nicht mehr richtig zu lenken ist, wenn der Gegner eine Banane geworfen hat? Die texanischen Waterloo Labs können das und leben so nebenbei die feuchten Geek-Träume der Figuren aus der TV-Serie »Big Bang Theory«. Jan Bojaryn fragte bei Mitgründer Hunter Smith nach, wie er Awesomeness quantifiziert.
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Eine idiotische Idee und fertig ist der YouTube-Hit? Nicht immer. Mit Planking oder dem Harlem Shake haben die Waterloo Labs wenig am Hut. Was die Ingenieure aus Austin in ihrer Freizeit zusammenschrauben, fasziniert aus zwei Gründen. Erstens: Die Bastelarbeiten sind für Laien technisch kaum zu begreifen, aber gerade noch nachvollziehbar. Zweitens: Die Ideen sind abwegig, die Ergebnisse spektakulär. Ein Auto mit dem iPhone fernzusteuern scheint vielleicht noch eine naheliegende Vision für Elektrotechnik-Baukastenbesitzer. Aber eine Wand aus Flammen, die Schallkurven abbildet, mit einem Karaokesystem verbinden? Mit Pantomime auf einem Etch-a-Sketch malen?

Ganz zu schweigen von dem Geniestreich des Waterloo Labs, Mario Kart nachzubauen. Ein läppisches Viereinhalb-Minuten-Video zeigt, wie mit Funk-Sensoren, industriellen Controllern und Pappkarton der Kern des Spiels auf die herkömmliche Kartbahn geholt wird — inklusive Power-ups und Waffen, die man einsammeln und auf andere abschießen kann.

Hunter Smith ist ein Gründungsmitglied der Waterloo Labs. Tagsüber arbeitet er für ein Unternehmen, das Mess- und Steuerungstechnik herstellt. Abends zieht er einen weißen Kittel aus und streift einen anderen über. Er dreht und schneidet die Videos der Gruppe. Aber woher nimmt er die Ideen?

Hunter, wie kommt ihr dazu, YouTube-Videos mit aberwitzigen Do-It-Yourself-Projekten zu produzieren?
Ich arbeite hauptberuflich als Ingenieur und bastele an verschiedenen elektronischen Werkzeugen für Schulen auf der ganzen Welt. Wir kennen diese Geräte in- und auswendig. Ein paar Kollegen und ich haben uns dann gefragt: Was könnte man damit noch anstellen? Außerdem schauen wir uns online gern lustige Videos an, davon wollten wir ein Teil werden. Wir lieben es, Kinder für Wissenschaft und Technik zu begeistern.

Eure Projekte bleiben immer einfache Prototypen. Ihr baut Sachen nur so lange, bis ihr sie präsentieren könnt. Warum nicht weiter?
Ganz einfach: Wir machen das nur zum Vergnügen. Wenn wir herausgefunden haben, wie man eine technische Herausforderung löst, das Video und die Dokumentation online haben, war es das. Einige unserer Projekte könnte man sicher kommerziell ausschlachten. Aber das ist nicht unser Ziel, wir haben schon Jobs.

Wirklich? Du würdest so etwas nicht gerne hauptberuflich machen?
Eines Tages schon. Aber bis es so weit ist, steht der Spaß im Vordergrund. Und wir dokumentieren ja alles online. Bestenfalls soll jemand anders da weitermachen, wo wir aufhören. Manchmal entstehen aber auch jetzt schon ernsthafte Anschlussanwendungen aus unseren Projekten. Wir haben erfolgreich an einem Projekt namens EyeMario gearbeitet, das zum Ziel hatte, mit Augenbewegungen eine NES-Spielkonsole zu steuern. Das hat eine medizinische Anwendung gefunden. Eine Therapie für schielende Kinder besteht nämlich darin, dass sie zum Training der Augen mehrmals täglich einige Minuten hin und her schauen. Dazu bekommt man sie nicht so leicht — es sei denn, man macht ein Spiel daraus. Wir haben Freunde an Universitäten, denen wir unsere Ergebnisse zeigen.



Wie entscheidet ihr, was ihr als Nächstes tut?
Wir sind Ingenieure, also verwenden wir Zahlen. Wir haben eine Tabelle online, in die jeder von uns Ideen eintragen kann. Und dann werden sie in zwei Kategorien von eins bis neun bewertet: Machbarkeit und Awesomeness. Eine Neun gibt es für supereinfache Umsetzung und für Epical Awesomeness. Was auf beiden Skalen volle Punktzahl erreicht, das machen wir sofort. Die Bewertung ist natürlich subjektiv. Aber wir verstehen uns. Wir arbeiten schon tagsüber zusammen, da ist das nach Feierabend keine große Umstellung.

Ich bin kein Ingenieur, und ich verstehe noch nicht mal, woher solche Ideen überhaupt kommen. Wollt ihr das nicht mal genauer erklären?
Jetzt bringst du mich auf Ideen für ein neues Video.

Wie lange dauert denn die Umsetzung eines Projekts?
Im Schnitt ein paar Wochen. An »Real Life Mario Kart« haben unsere Praktikanten vier Wochen gearbeitet.

Und wie viele seid ihr?
Wir sind nur ein loser Haufen. Etwa zwei Dutzend Menschen haben im Laufe der Jahre den weißen Kittel der Waterloo Labs getragen.

Aber von der Arbeit sieht man wenig. Warum?
Wir würden schon gern mehr zeigen. In Zukunft planen wir zusätzliche Videos zum Hintergrund. Aber die größte Einschränkung ist die Aufmerksamkeitsspanne des Publikums. Wir drehen Videos für YouTube. Also bleiben wir möglichst unter vier Minuten.

Eure Videos kommen auf den Punkt, aber sobald jemand redet, klingt das sehr geprobt. Traut ihr euch nicht, frei zu sprechen?
Wir sind keine Filmstars. Eine brauchbare Performance rauszuleiern ist harte Arbeit. Wir brauchen immer mehrere Takes.