×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Für dich immer noch Fanta Sie

Die Fantastischen Vier

Wie anstrengend muss es sein, die Fanta 4 zu sein? Blockbusting, ProSieben, Singledruck, Mega-Konzerte. Linus Volkmann fasst mal zusammen.
Geschrieben am



Wie anstrengend muss es sein, die Fanta 4 zu sein? Blockbusting, ProSieben, Singledruck, Mega-Konzerte. Auf der Strecke blieben dabei diesmal die wirklich guten Songs und der Wortwitz (siehe Kalauer-Titel).

Eine neue Fanta-Vier-Platte zu machen – hört und sieht man sich die aktuelle an – kann doch echt kein Spaß mehr sein. Was es da alles zu tun gibt ...

Aufgabe 1: Das Ding muss promotet werden wie ein Blockbuster, der den Anschub dringend braucht. Und so füllen die Fourty-Somethings bei ProSieben die Programmübergänge, geben die angestrengt superlockeren Mainzelmännchen (oder Äffle und Pferdle, wie es in Ba-Wü einst hieß).

Aufgabe 2: Der nächste sauoriginelle Albumtitel muss her und wie immer ein Wortspiel mit dem eigenen Namen beinhalten. "Für dich immer noch Fanta Sie"? Na ja, nachdem die nahe liegenderen Gags scheinbar alle schon weg sind – immerhin hat man es hier mit dem ca. achten Studioalbum zu tun –, geht es jetzt langsam in Richtung des Absurden bzw. des Kalauers.

Aufgabe 3: "Für Sie immer noch Platz eins": Bei allem Respekt vor der Leistung, die Albumcharts auf der Pole-Position zu besetzen, ist dieser Umstand heutzutage wahrlich nicht mehr Ausdruck unmittelbarer Spontan-Begeisterung der Käufer. Sondern gehört dazu, wie eine große Plattenfirma einen Blockbuster inszeniert: wie alles auf die VÖ-Woche geschaltet wird, wie präsent die CD im Handel, Netz und die Band eben auf ProSieben und überall sonst ist. Teuer und anstrengend – aber trotzdem wie gesagt: Gratulation!

Aufgabe 4: Die geile Single. Die muss nämlich immer noch sein bei den Fantas – und stellt damit auch ihre Ausnahmerolle dar. Denn hier sind die Stuttgarter auf Augenhöhe mit den Ärzten. Eine unkaputtbare, rechtschaffen universelle Lieblingsband aus der Vergangenheit, die im Hier und Jetzt aber eben nicht nur für die Hits von einst gefeiert wird, sondern die es schafft, mit jeder Platte noch Neues in den hermetischen Mitsingkanon der Fans reinzudrücken. "Troy" hatten F4 da zuletzt eingebracht, aber auch "Einfach sein" von dem schwachen Album "Fornika", das dem aktuellen hier voranging. Diesmal "Gebt uns ruhig die Schuld". Kann man machen, netter Claim, okaye Melodie. Aber in der eigenen Hit-Hall-of-Fame wird sich die Single letztlich doch im hinteren Drittel einreihen. Dabei lässt sie schon ein weiteres Stück Arbeit erkennen.

Und zwar Aufgabe 5: Sich immer neu erfinden. Für "Fanta Sie" kann als Alleinstellungsmerkmal auf jeden Fall gelten, dass man die Orchestermacht (von den letztjährigen Konzerten mit, genau, Orchester) einbringt. Alles ist voluminöser, theatralischer, epischer in der Instrumentierung. Diese im großen HipHop (und eben auch bei PopRap) seit Jahren erkennbare Entwicklung hin zu mehr Band und weniger Konserve, zu mehr Bläsern und weniger Samples konterkarieren die Midlife-Boys dann aber – eher ungewöhnlich – mit einer Rückbesinnung auf mehr Sprechgesang. War im letzten Jahrzehnt F4 eigentlich fast nur noch Pop und immer weniger Rap, stellen Smudo, D und Michbeck wieder viel mehr Rap auf. Ihren Rap allerdings. Und der klingt – bei aller Liebe – mitunter bis zur Peinlichkeit anachronistisch, diese Art zu rappen gibt es eigentlich nicht mehr, sie starb mit dem Aufkommen von Berlin Asozial Anfang des dritten Jahrtausends. An den Stellen, an denen die Jungs auf dieser überwundenen Karte fahren, kommt man nicht umhin, die Platte für irgendwie berufsjugendlich doof zu halten.

Aber vielleicht muss es ja so sein, immerhin steht noch Aufgabe 6 an: Man selbst bleiben. "Fanta Sie" bietet dieses Moment des Vertrauens im routinemäßigen Aufbau. Man stößt auf: die Cleverness von Smudo-Stücken, bei der aber immer öfter die selbstgefällige Eitelkeit die Brillanz abhängt; den mehr am Dancefloor orientierten Michbeck, dessen claim to fame im Spätwerk sicher ist, dass er nicht so bemüht klingt. Apropos bemüht, da kommt man natürlich auf Thomas D und dessen berüchtigtes wie irgendwie niedliches Sendungsbewusstsein über die Hedo-Rotation hinaus. Der Track dazu heißt diesmal "Mantra". Fehlt noch die Konstante hinter den Worten, fehlt noch And.Y, der Andrew Fletcher der Band. Vielleicht zieht er groß die Fäden bei all dem hier, vielleicht isst er aber auch eher mal abends gut und schläft lang.

Aufgabe 7: Mit der neuen Platte jetzt "bloß" noch monatelang auf Tour gehen und am Ende derer noch die Sonderedition der Platte rausbringen mit Bonus- und Live-Tracks. Dann ist es geschafft, ist nach diesem Riesenaufwand mal wieder Pause. Und dann, tja, dann geht die Mühle wieder von vorne los. Wirklich? Vermutlich nicht. Denn man muss kein Prophet sein, dass sich die Vier nach diesem eher schwachen Album und der kurzen Zeit zwischen "Fornika" und "Fanta Sie" wirklich mal wieder einen echten Break gönnen dürften. Nebenprojekte, Rennwagen, TV, TV, TV, Familie – was man halt noch so schätzt neben seinem aufwendigen Job als Blockbuster. Erholt euch gut.

In drei Worten: Ausgelaugt / Blockbuster / RapPop

[tour artist=Die Fantastischen Vier]