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Ugly Duckling & Giant Panda live

Die besseren Rolemodels

04.04. Berlin, Knaack Ein HipHop-Konzert in Berlin: normalerweise ist man da mit Abstand der Älteste, und um einen herum setzen sich Kids in Szene. Die Mode-Codes aus Hochglanz-Rap-Videos sind dank 50 Cent, Bushido & Co. nun schulhof-fähig. Ganz anders der Vibe vorm Knaack an diesem Abend:
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04.04. Berlin, Knaack

Ein HipHop-Konzert in Berlin: normalerweise ist man da mit Abstand der Älteste, und um einen herum setzen sich Kids in Szene. Die Mode-Codes aus Hochglanz-Rap-Videos sind dank 50 Cent, Bushido & Co. nun schulhof-fähig.

Ganz anders der Vibe vorm Knaack an diesem Abend: Die Leute könnten vom Aussehen her genau so gut auch für ein Indierock- oder Punk-Konzert anstehen. Drinnen füllt es sich schnell. Ugly Duckling in persona von Andy Cooper, Dizzy Dustin und DJ Young Einstein treiben sich schon zwischen Bar und Merchandise-Stand herum, ohne weiter aufzufallen.

Zunächst zelebrieren dann Giant Panda eine schöne klassische HipHop-Show mit furztrockenen Beats à la The Pharcyde oder Hieroglyphics und ein paar Call- & Response-Spässen, die das Publikum zunächst nur zaghaft, aber wohlwollend mitspielt. Da die beiden aber so vorzüglich miteinander rappen, wird die Crowd bis zum Ende hin doch um einiges lockerer. Die Anwesenden scheinen froh zu sein, mal wieder eine so unaufgeregte, aber dennoch fröhliche Darbietung in Sachen HipHop geboten zu bekommen.

Dann eine kurze Pause und Ugly Duckling’s DJ Young Einstein übernimmt das musikalische Zepter und spielt sich mit ein paar Platten warm. Kurze Ansage von Einstein (noch ohne die obligatorische überdimensionale Goldkette), dann kommen seine beiden Kollegen Andy Cooper und Dizzy Dustin auf die Bühne, um eine 70minütige HipHop-Party zu starten.

Die beiden sind schon ein komisches Paar: Andy Cooper sieht aus wie ein schlaksiger Mathe-Lehrer, den man gerne mag. Dizzy Dustin dagegen ist der kleine Dicke mit den Tattoos am Hals, der schon eher ins Bild eines gestandenen Rappers passt. Kennt noch wer Pat & Patachon oder Stan & Olli? So ungefähr sehen die beiden zusammen aus.

Musikalisch sind sich Ugly Duckling treu geblieben. Auch das neue Material vom dritten Album "Bang For The Buck!" ist eine Mischung aus Funk- & Latin-Samples, New School-Breakbeats und Old School-Raps. Wie eh und je setzen sie den Bulldoggen-Rappern à la 50 Cent und DMX ihre Mixtur aus Clevernis und Wortwitz entgegen. Bei Mr. Tough Guy parodiert Dizzy Dustin mit wenigen Mitteln (Goldkettchen, Kopftuch, Handtuch) gekonnt die üblichen Posen der Aggro-Rapper und entlarvt den Bling-Bling-Rap, den man aus dem Musikfernsehen kennt.
Fast wünschte man sich, Ugly Duckling würden auf Deutsch rappen, und mit ihrer Show durch Schulen tingeln (Stichwort: Rütli-Schule), um den Kids in Workshops zu zeigen, dass Bushido oder Sido keine coolen Role-Models sind. Wenn man bedenkt, dass Ugly Duckling aus Long Beach stammen, der Keimzelle von Gangster-Rap (N.W.A., Dr. Dre, Snoop Doggy Dogg), kann man sich Ugly Duckling sehr gut als Sozialarbeiter an dortigen High Schools vorstellen.

Zurück zum Konzert: Die Party köchelt gut, es ist mindestens doppelt so voll wie beim letzten Ugly Duckling-Gastspiel. Hätte Andy Cooper als letzte Zugabe nicht das ruhige Journey To Anywhere auf Lager, um das Publikum runterzubringen, hätten die drei hässlichen Entlein noch eine Stunde länger spielen können.