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Riders On The Storm

Die Apokalyptischen Reiter

Deutschlands vielleicht beste Metal-Band ist gleichzeitig die furchtloseste. Denn Genregrenzen haben diese fünf Musiker noch nie akzeptiert, was ja gerne auch mal in ästhetischen Katastrophen wie dem von Faith No More in den 90ern losgetretenen Crossover-Boom ausarten kann. Doch von Trendsport-Sound
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Deutschlands vielleicht beste Metal-Band ist gleichzeitig die furchtloseste. Denn Genregrenzen haben diese fünf Musiker noch nie akzeptiert, was ja gerne auch mal in ästhetischen Katastrophen wie dem von Faith No More in den 90ern losgetretenen Crossover-Boom ausarten kann. Doch von Trendsport-Soundtracks sind Die Apokalyptischen Reiter aus Weimar denkbar weit entfernt. Hier wird nicht gehopst und das Snowboard auf Biegen und Brechen mit dem Powerchord gekreuzt. Das hier ist Metal. Aber eben nicht nur: Mit der präzisen Wucht à la Annihilator und Co. versehene Riffs vermengt die Band mit einem dunklen Pathos, das an EA80 gemahnt. Am Ende steht so ein Potpourri eindringlicher, absolut eigenständiger Gitarrenmusik mit der bebenden, romantischen Energie der Ton Steine Scherben. Dazu ein paar Folk-Punk- und World-Music-Einflüsse, mexikanisch schmetternde Trompeten und, bei aller Brachialität, jede Menge Schmelz und Seele. Da grenzt es fast schon an ein Wunder, dass Die Apokalyptischen Reiter ihre – in der Metal-Szene mitunter durchaus gewagte – künstlerische Neugier in der Kernzielgruppe keinerlei Sympathiepunkte gekostet hat. Stattdessen gehören sie nicht nur auf jedem Kutten-Festival zu den beliebtesten Acts überhaupt, dank ihrer stilistischen Offenheit, ihres Engagements für die gute Sache und ihrer Punk-Aura sind sie sogar eine Art Konsens-Metal-Band für die autonome Bauwagensiedlung. Wütend, schlau und mit einem Hang zum Kitsch, atmet die Musik eine Weite, die in den deutschen Texten permanent eingefordert und verherrlicht wird: Liebe, Frieden, Revolution, Gerechtigkeit und die Schönheit der Welt – her damit! Im Gestus erinnert die Band dabei an die Ostrock-Legende City, denen zu deren Glanzzeiten eine ähnlich eigenartig-sehnsuchtsvolle Melancholie zu Eigen war. Ob Die Apokalyptischen Reiter hier ihre Ost-Roots zeigen, man weiß es nicht. Doch wie sagte Sänger Fuchs kürzlich so schön? “Das Leben schreibt die Lieder.” Das merkt man ihnen zu jeder Sekunde an.