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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Berliner HipHopper wollen mehr Aufmerksamkeit

Die Aggro-Masche

Das Prinzip je derber desto besser scheint aufzugehen für das Berliner HipHop-Label Aggro Berlin. Geht das Gespräch auf Rap aus der Hauptstadt, redet man längst nicht mehr von Musik, sondern hauptsächlich über Marketing-Coups. Aktuell haben es die Berliner geschafft, mit gleich zwei Samplern ('Ansa
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Das Prinzip je derber desto besser scheint aufzugehen für das Berliner HipHop-Label Aggro Berlin. Geht das Gespräch auf Rap aus der Hauptstadt, redet man längst nicht mehr von Musik, sondern hauptsächlich über Marketing-Coups. Aktuell haben es die Berliner geschafft, mit gleich zwei Samplern ('Ansage No.2' & 'Ansage No.3') auf dem Index der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften gelistet zu werden. Was für normale Künstler eine Strafe wäre, wirkt hier wie kostenfreie Werbung, denn das Klientel goutiert solcherlei Sanktionen. Die Erfahrung lehrt, dass manche Bands (z.B. Die Ärzte in den 80er Jahren) durch Indizierungen erst richtig bekannt wurden.

Ein Indizierungsverfahren kann gleich doppelt genutzt werden. Auf die Meldung des Verbots folgt die Meldung über die Klage dagegen und die Meldung über den Ausgang des Verfahrens. So meldet Aggro Berlin z.B. heute, vor Gericht verloren zu haben, während der Stern parallel vor den Texten einzelner Rapper des Labels warnt. Deutlicher kann der Startschuss für den Schulhof gar nicht knallen, wenn Aggro verlieren, meinen sie eigentlich: gewonnen. Ab jetzt werden die Sampler im Internet als "real shit" zirkulieren und bieten dabei werbewirksam eine ganze Palette verschiedenster Künstler des Aggro-Roosters. Mit den frauenfeindlichen Texten lässt sich zudem jede noch so liberale Mutti schocken. Die ehemalige Speerspitze des Labels Sido klinkt sich da so langsam aus, er hat den Markt schließlich schon geknackt und kann mittlerweile auch ohne seine alberne Maske auftreten. "Ich habe einen Sohn", sagt er im Stern-Interview. "Der ist fünf. Der soll meine Musik auch nicht hören. Der ist Juli-Fan. Das finde ich gut."