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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

»Deutschrap ist gescheitert«

Danger Dan im Interview

Wir sind, waren und werden immer Antilopen-Freunde bleiben und waren eines der ersten großen Magazine, das die Band interviewte. Da passt es doch gut, dass Antilope Danger Dan gerade sein Soloalbum »Reflexionen aus dem beschönigten Leben« veröffentlicht hat und sich drauf einließ, mit Daniel Koch ganz unbeschönigt über das Scheitern zu sprechen. Foto: Frederike Wetzels

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Dein Soloalbum hat ein paar deftige Aufs-Maul-Stücke, feministische Raps, Pop im Stile der Prinzen – sogar mit Hilfe von Sebastian Krumbiegel am Mikro. Man kann also festhalten: Der Versuch, ein stilistisch kohärentes Album zu machen, ist gescheitert, oder?

Das habe ich erfolgreich nicht geschafft. Stimmt. Ich habe das aber auch schon vor langer Zeit aufgegeben. Ich weiß nicht, ob vieles einfacher wäre, wenn ich oder die Antilopen leichter greifbar wären. Bei Morlock Dilemma zum Beispiel weiß jeder, was man kriegt, bei uns kann das in alle Richtungen gehen. Ich bin da zu vielseitig, um mich zu limitieren.

In »Drei gegen einen« machen du und deine Antilopen-Kollegen sehr deutlich, dass ihr kein Teil von Deutschrap sein wollt. Du rappst zum Beispiel: »Hip-Hop war niemals ein Sprachrohr für Subversion.« Kann ich dich auf die knackige Headline festnageln: »Deutschrap ist gescheitert«?

Mh. Okay. Zumindest in dem Sinne, dass HipHop im Allgemeinen nicht die Sprache der Subversion oder der Unterdrückten ist. Das ist eine arg romantisierte Sicht, die vielleicht in den Anfangsjahren noch stimmte. Aber auch da muss man feststellen: Progressiv wäre es gewesen, nicht zu sagen, man sei ausgeschlossen und wolle auch ein fettes Auto und eine Goldkette, sondern zu sagen, man wolle die Zustände ändern, dass es für alle besser wird – anstatt bloß bei der gleichen Scheiße mitzumachen. Was HipHop geschafft hat, ist, dass es einen antirassistischen Konsens gibt, wie es ihn, glaube ich, in keiner anderen Subkultur gibt. Man muss aber dagegenhalten, dass gerade Deutschrap eine chauvinistische, misogyne, bescheuerte Szene ist, die die HipHop-Landschaft dominiert. Du kannst an einer Hand abzählen, wie viel Frauen in Deutschland von Rap leben können, aber bräuchtest Tausende Hände, um alle Vergewaltigungsfantasien aufzuzählen.

Damit sind wir beim stärksten Song deines Albums: In »Sand in die Augen« rappst du quasi deiner Tochter vor, was sie in dieser Welt erwartet. Dass sie eines Tages »auf ihren Körper reduziert« und dass jede Frau »im Verlauf des Lebens sexuell belästigt« wird. Das Video dazu war Subversion mit dem Holzhammer: Du rappst vor einem dicken Schlitten, an dem sich sexy Tänzerinnen reiben. Trotzdem musstest du dich dafür rechtfertigen. Experiment gescheitert?

Mir war klar, dass das irritiert. Ich habe mich auf andere Vorwürfe vorbereitet. Ich finde halt diese ständigen feministischen Väter oft ganz widerlich. Aus denen spricht ganz häufig dieser pseudomännliche Beschützerinstinkt, der oft viel weniger feministisch ist, als er zu sein vorgibt. Ich dachte, man wirft mich mit denen in einen Topf. Ich habe gerade mitbekommen, dass heute die Facebookseite Muttergefühle darüber geschrieben hat. Man wisse nicht, ob ein solches Video zu diesem Text richtig wäre, aber der Text sei sehr wichtig. Dabei habe ich doch eigentlich nur die Widerlichkeiten angedeutet, die ich im Song rappe. Deshalb weiß ich nicht, ob ich gescheitert bin mit diesem Konzept oder der Rezipient, der da nicht umswitchen kann. Aber ich nehme diese Kritik natürlich an und setze mich damit auseinander.

Damit geht mir leider auch schon der Platz aus. Würdest du abschließend sagen, das Interview sei gescheitert?

Mh. Ich würde sagen: Dafür, dass du vorhin die Eingangstür nicht gefunden hast und viel zu früh da warst, hast du es noch ganz gut gedreht.

Danger Dan

Reflexionen aus dem beschönigten Leben

Release: 01.06.2018

℗ 2018 JKP Jochens Kleine Plattenfirma GmbH & Co. KG