×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Pocket Revolution

dEUS

Mein Gott, dEUS! Endlich eine neue Platte! Nach sechs Jahren! Da steigern sich die Fan-Erwartungen natürlich ins Unermessliche. Kann das neue Output mit dem heiligen Frühwerk mithalten? Nachdem der Bassist und kreative Counterpart Stef Kamil Carlens schon nach dem zweiten Album gegangen (worden) war
Geschrieben am

Mein Gott, dEUS! Endlich eine neue Platte! Nach sechs Jahren! Da steigern sich die Fan-Erwartungen natürlich ins Unermessliche. Kann das neue Output mit dem heiligen Frühwerk mithalten? Nachdem der Bassist und kreative Counterpart Stef Kamil Carlens schon nach dem zweiten Album gegangen (worden) war, hat Barman die Mannschaft für das neue Werk mal wieder zu großen Teil ausgetauscht. Trotz offensichtlicher bandinterner Spannungen: Die Platte rockt erstaunlich locker und straight nach vorne. Von Avantgarde ist hier nicht mehr viel zu hören. Es gibt wenige Widerborsten. Keine fräsenden Störgitarren. Und auch die schrägen, rhythmisch eingesetzten Geigenriffs Klaas Janzoons sind orchestraleren Streicherarrangements gewichen. Neu hingegen ist dieser bluesige Vibe, der die meisten Songs umweht. Simplere, repetitive Bass- und Gitarrenriffs bilden das Fundament für Barmans Stimme, die sich seltener in melancholisch-folkigen Popmelodien bricht, sondern immer öfter als hitziger Sprechgesang daherkommt. Dabei folgen auf wütende Rocker immer wieder wunderbar flirrende Balladen, ordentlich aufpoliert und deswegen längst nicht mehr so schroff rüberkommend wie seinerzeit "Hotellounge". Aber früher ist früher und heute ist heute. Das Fan-Herz wird sich an die neuen dEUS garantiert gewöhnen - und bis zur eventuellen Heiligsprechung braucht man ja eh wieder ein paar Jährchen Abstand.

Ist "Pocket Revolution" so etwas wie euer "traditional" Album?
Der erste Song ist sieben Minuten lang, das nennst du traditionell? Wär ja schön, wenn du Recht hast, das würde uns vielleicht neue Zielgruppen erschließen. Ich glaube es aber nicht. Die Leute halten unsere Musik am Ende doch immer für "fucking strange".

Am Anfang habe ich ja ein wenig die großen Melodiebögen vermisst.
Du machst Witze, das ist das fucking melodischste Album, das wir jemals gemacht haben. Schon komisch: Manche Leute sagen, es sei unser leichtestes Album bislang, andere meinen, es sei düster und schwer zugänglich. "Include Me Out" ist doch z. B. eine einzige große Melodie.

Stimmt, aber insgesamt überwiegt doch ein recht Blues-lastiger Eindruck.
Es steckte schon immer Blues in unseren Platten, vielleicht nicht so offensichtlich. Ich wollte mehr in Richtung einer unkonstruierten, simplen Rockmusik. Ich habe mich viel mit den großen alten Jungs beschäftigt: Cohen, Dylan, Van Morrison. Mit Dylan hatte ich mich zuvor nie so richtig auseinander gesetzt. Jetzt kenne ich alles.