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So war’s in Berlin: Drinnen geht die Welt nicht unter

Der Wolfenbütteler Festplatz

Eine Kirmes mitten in einem alten Berliner Kraftwerk? Der Wolfenbütteler Festplatz war nicht nur durch diesen Umstand eine Veranstaltung, die es so noch nie gegeben hat. Die es aber öfter geben darf. Michael Schütz war da und hat sich an »Hau den Lukas!« und Boxbude versucht.
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Es las sich ja alles ein wenig verrückt, was man sich da im Hause Jägermeister ausgedacht hatte. Einen Rummel, wie man ihn in Kräuterschnaps Central in Niedersachsen finden würde, in ein riesiges Heizkraftwerk zu bauen, Bands zu buchen, die man zum Glück sonst nicht in Festzelten und Schützenhallen spielen sieht und das Ganze dann auch noch für umme anzubieten. Wer macht denn so was? Und wieso?

 

Fragen, die man sich nur im Vorfeld stellte. Kaum hat man die beeindruckenden Räumlichkeiten betreten, die erste Grillbude angesteuert, beim »Hau den Lukas!« versagt und die Bühne gefunden, sind all diese Überlegungen müßig. Denn der Festplatz ist zwar eher ein Festbunker (und gerade deshalb so beeindruckend), hält ansonsten aber der betont marktschreierischen Ankündigung in allen Punkten stand.

 

Während draußen begleitet von einem krachenden Gewittergetöse die Welt untergeht, erlebt man drinnen – zunächst im Erdgeschoss – die dazu passende Apokalypsenparty. Vielleicht liegt es an den futuristisch bemalten Thekenkräften, die ein wenig aussehen, als hätte sich eine Gruppe Droogs für ein Niedersächsisches Schützenfest aufgebrezelt, dass man diese Assoziation hat, oder aber am spannenden Kontrast zwischen Budenromantik und den nackten Betonpfeilern des Kraftwerks. Egal, auch die Bands scheinen jedenfalls von der Location befeuert zu sein und geben allesamt mitreißende Shows zum Besten. Wie zum Beispiel die Kamikaze Queens, die allein optisch perfekt zum Abend passen und deren Rockabilly-Kabarett-Punk ja eh wenig Gegenwehr zulässt. Es folgen Friska Viljor, die mal zärtlich, mal angeschlagen, mal beides zusammen ihren Schnaps auch nicht so abgeneigten Folk zum Besten geben. Live immer noch einer der besten Schwedenhappen around! Noch greller wird es dann bei den Lokalhelden von Bonaparte, die wieder einmal ihr eindrucksvolles Ensemble auf die Bühne werfen und das Erdgeschoss zum Kochen bringen.

 

Schwer zu toppen ist das. Geht dann aber doch noch. Kurze Verwirrung nach der Show, dann lotsen die Veranstalter das Publikum in die oberen Stockwerke, wo man den Gasthof »Zum röhrenden Hirschen« aufgebaut hat, den der ein oder andere sicher schon von diversen Festivals kennt. Nachdem die Jägermeister Blaskapelle Stimmung gemacht hat, röhrt dann der Hirsch lautstark, Boss und Hoss wurden auf zwei Liften, die wie Hochsitze aussehen, auf die Verandabühne hinabgelassen – und dann spielen sie mit ihrer Band knapp 40 Minuten altes und neues von ihrem frisch veröffentlichten Album »Flames Of Fame«. Zum Abendausklang legen noch We Love Machines auf, hin und wieder begleitet von der Jägermeister Blaskappelle. Als man dann zu später Stunden an die frische Luft tritt, stellt man erleichtert fest, dass die Welt da draußen doch noch nicht untergegangen ist. Was dann der perfekte Abschluss eines tollen Abends ist.