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»Der Weg ins Paradies«: Cenk You Very Much

So war der Tatort gestern

Wir blicken zurück auf den gestrigen Krimiabend: Peter Flore widmet sich montags immer dem neuesten »Tatort«.
Geschrieben am

Cenk Batu (Mehmet Kurtulus) und sein wieselgesichtiger Kollege Krohnau (Peter Jordan) sind so etwas wie die zwei Säulen der gelungenen Sonntagabend-Unterhaltung. Und auch wenn man den coolen Kurtulus nicht auf ewig hätte verdeckt ermitteln lassen können - mit seinem designierten Nachfolger Til Schweiger hat man wohl den Bock zum Gärtner gemacht. Vielleicht ein Grund, weswegen man aus einer Art »Nach uns die Sintflut«-Mentalität heraus mit dem gestrigen Hamburger Fall »Der Weg ins Paradies« nochmal alles rausgehauen hat.

Der vorletzte letzte Fall von Cenk Batu beginnt dabei wie »Indiana Jones«, nämlich in den dicht besiedelten Straßen von Marrakesch. Genau genommen endet er auch wie »Indiana Jones«, denn man kommt nicht umhin, in Cenks Gesichtszügen eine gewisse Amtsmüdigkeit festzustellen, als er mit der hübschen Gloria am Ende von dannen zieht. So wie Indy, als er am Ende von Teil IV endlich heiratet und diesen ganzen Abenteuerquatsch zugunsten eines geregelten Lebens eintauscht.

Doch zunächst muss er sein ungeregeltes Leben wie immer aufs Spiel setzen und verdeckt im Kern einer islamistischen Terrorzelle einen geplanten Anschlag vereiteln. Wenn aber der pakistanischstämmige Terrorist Akbar so schlecht Bomben baut wie ihn sein Darsteller Murali Perumal verkörpert, hätte sich das BKA das Geld für diesen Einsatz auch sparen können. Überhaupt scheint das deutsche Terrortrio am Reißbrett eines Ungläubigen entworfen worden zu sein: Der deutsche Konvertit Christian Marschall als blitzgescheites Brain mit ordentlichem Amerikahass (womit dann auch geschickt jedweder Rassismusvorwurf umschifft wurde), der ergebene, aber mit sich zweifelnde Akbar und der dicke Rolfpeter Sperling (Tristan Seith), der als trotteliger Disney-Charakter für die wenigen Lacher zuständig ist - für solche Fundamentalisten wurde die Rasterfahndung erfunden. Aber immerhin wurde um diese Charakterhüllen noch ein ordentlicher Actionstreifen gesponnen, der für das Multiplexkino zwar zuwenig, für Sonntagabend-TV aber fast zuviel ist, was man nicht zuletzt daran bemerkt, dass man wohl den gesamten CGI-Etat der ARD für die Sprengung eines Linienbusses verballert hat. Dass man über solchen Käse aber getrost hinwegsehen kann, ist eben mit ein Verdienst von Mehmet Kurtulus und seines Charakters.
[usercomment=http://www.intro.de/forum/plink/3/1075711636/1324242150]Spannend aber schlecht.[/usercomment]
Unterm Strich scheidet Mehmet Kurtulus also mit der bisher bemerkenswerten Bilanz von 5:0 aus dem »Tatort«-Universum aus: 5 Fälle, keiner scheiße. Allerdings wohl auch mit den schlechtesten Quoten, was nur wieder beweist, dass auf Experimente im deutschen Fernsehen nach wie vor die Höchststrafe steht. Auftritt Til Schweiger. Danke Mehmet Kurtulus. Jetzt schon.


Nach einem kurzen Weihnachtsbreak startet das neue »Tatort«-Jahr bereits am 1. Januar: In »Tödliche Häppchen« geht die Ludwigshafener Ermittler-WG Odenthal/Kopper wieder mit dem Holzhammer auf Verbrecherjagd.

Den aktuellen »Tatort« kann man noch bis nächsten Sonntag in der ARD Mediathek anschauen, aus Jugendschutzgründen allerdings nur zwischen 20 und 6 Uhr.

»Will denn niemand was zum gestrigen Tatort schreiben?«:
Im Forum diskutieren Intro-User über vergangene und aktuelle Tatorte.

Alle Texte zum Thema »So war der Tatort gestern« unter
www.intro.de/spezial/sowardertatort.