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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Roboter mit Alkoholproblem

Der Ringer im Gespräch

Der Ringer aus Hamburg sind trotz mehrjährigem Bestehen noch immer ein Geheimtipp. Die Gründe sind erst einmal nicht nachvollziehbar: Das Songwriting ist großer Pop, der Einsatz von Auto-Tune gekonnt und so in Deutschland selten zu finden, die Internetpräsenz ein Brüller – alles wirkt superfresh und topmodern. Wer’s nicht glaubt, der höre ihr Debütalbum »Soft Kill«.
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Eine Band wie Der Ringer interviewt man natürlich nicht in einem Café, sondern in einem Computerspiel. Na ja, fast: in der »Game Masters«-Ausstellung im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe. Das Treffen mit Jannik Schneider, Benito Pflüger und Jakob Hersch findet also zwischen Arcade-Automaten aus den Siebzigern, einer Menge Konsolen, einer Tanzfläche, Plastik-Instrumenten und vielen Screens statt. »Blizzard-Games wie ›World Of Warcraft‹ waren wirklich mal unser Ding«, erzählt Pflüger. Es verspricht ein witziger Nachmittag zu werden. Am Stand von Peter Molyneux, einer Ikone des Gamedesigns, erzählen sie, dass ihr Video zur Single »Apparat« innerhalb des Spiels »The Movies« gedreht worden sei. Wie macht man denn so was? »Lange spielen und Achievements freischalten, ganz einfach. Wir mussten nur die Roboter-Darsteller mehrmals austauschen, da sie immer ein eklatantes Alkohol-Problem entwickelt haben.« Und wieder einmal freut man sich darüber, dass die Jungs so etwas machen wie PC-Spiele nutzen, um Videos zu drehen.
Im Hause Ringer geht man die Sachen nicht nach Konventionen an, sondern nach den Möglichkeiten. »Ich raffe nicht, wie man sich selbst limitieren kann, nur weil alle es so machen«, sagt Pflüger sauer. Die technischen Möglichkeiten von Auto-Tunes nutzen die fünf zum Beispiel sehr gerne. Und kombinieren es mit ihrem wavigen Gitarrensound, der an The Cure erinnert. »Wobei das auch ein Missverständnis ist. Wir machen keine Achtziger-Musik, sondern sind an aktueller Musik interessiert, versuchen aber, die mit allen aktuellen Möglichkeiten für uns zu übersetzen«, stellt Schneider klar. Daraufhin tanzen wir zu »In Da Club« – per Kinect in 3D-Avatare verwandelt. Das obligatorische Messen in »SingStar« bleibt auch nicht aus. Digitale Themen scheinen der Band wichtig, doch Schneider erklärt: »Wir sind keine Tim Bendzkos, die noch eben 148 Mails checken. Der Backlash nervt. Vielmehr schauen wir uns die Welt an, wie sie gerade tatsächlich ist, und schreiben so unsere Texte. Digital ist da genauso viel wert wie menschlich.« 

Alles ist gleichwertig? Klingt nach dekonstruktivistischer Schreibe. »Oder nach Kanye West.« So spielerisch wie der Nachmittag und dennoch äußerst durchdacht wie die Jungs im Gespräch kommt das Debütalbum »Soft Kill« in Gänze daher, was sich schon beim Albumtitel zeigt: »Erst einmal klingt das sehr gut – gegensätzlich und dennoch ohne Widerspruch. Sanfte Waffen passen zu uns, schließlich spielen wir ja ›Soft Punk‹, was auch immer das sein soll«, kommentiert Hersch grinsend. »Große Emotionen, so groß wie nur möglich«, möchte Schneider mit diesem Sound erzeugen. Genregrenzen stehen da nur im Weg. Am Ende des Interviews kommt ein Typ zu uns und fragt, was wir studieren – er hatte unsere Gespräche mitbekommen. Seltsam, schließlich sollte man mit einem Spielecontroller in der Hand doch eigentlich alles andere als verkopft rüberkommen ...
Hier geht es zum ganz besonderen Pre-Listening auf der Homepage der Band.

Der Ringer

Soft Kill

Release: 27.01.2017

℗ 2017 Staatsakt.