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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Olli Schulz und der Hund Marie live

Der Punk im Herz

20.10.05, Essen, KKC Olli Schulz und der Hund Marie vermehren sich immer mehr. Nachdem sie bisher als Duo und Trio zu sehen waren, präsentierten sie sich wenigstens für mich hier das erste Mal als Quartett. Das ist schön und schafft Abwechselung. Jeder Musiker, der seine Band in dieser Größenordn
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20.10.05, Essen, KKC

Olli Schulz und der Hund Marie vermehren sich immer mehr. Nachdem sie bisher als Duo und Trio zu sehen waren, präsentierten sie sich wenigstens für mich hier das erste Mal als Quartett. Das ist schön und schafft Abwechselung. Jeder Musiker, der seine Band in dieser Größenordnung aufstockt, wird sagen, dass er nicht mehr zur jeweils kleineren Besetzung zurück will. Und obwohl Schulz allein schon eine abendfüllende Attraktion sein kann, ist es schön, während eines Auftrittes auch ein bisschen elektronisch verstärkte Musik hören zu können.

Reubens Accomplice, die an diesem Abend den Support geben, haben z.B. längst eine Mannschaftsstärke erreicht, in der sie alle (Halb-)Mitglieder im Booklet ihrer CD als Früchte eines Bäumchens darstellen müssen. Zwar habe ich ihren Gig verpasst, da ich aber ihre Platte "The Bull, The Balloon, And The Family" kenne, kann ich sie ruhigen Gewissens als enorm Laune machenden Hybrid aus Bright Eyes- und Death Cab-Elementen empfehlen.

Dass Schulz ein kreativer Hund ist, meinen alle zu wissen, die ihn meinen zu kennen. Dass er auch mit Leuten reist, die mit Celluloid umgehen können, wussten bisher die wenigsten. Dem ist aber so, und deshalb ist er wohl auf die Idee gekommen, quasi für einen eigenen zusätzlichen Support zu sorgen, indem vor jeden Konzert ein Film abgespielt wird. Hauptdarsteller: Schulz selbst. Plot: Schulz und Band schleichen sich mit Cowboyhüten bekleidet auf das Countryfestival in Hamburg-Horn ein, bequatschen die pikierten Anwesenden inklusive Big Brother-Harry und sorgen für Laune, Unsicherheit und Konfusion. Und da Schulz eigentlich alles kann, ist dieser ca. halbstündige Film witzig bis hin zu realsatirischen Ansätzen und gibt Nichtkennern eine wohldosierte Ahnung davon, was sie wohl im Anschluss erwartet.

Denn wenn Schulz bald darauf mit Schröder, dem Drummer und neuerdings Becker auf die Bühne kommt, wirkt seine unterhaltsame Aura ziemlich schnell Raum füllend, für manche sicherlich erschlagend. Er ist, ähnlich wie sein Kumpel Uhlmann, einer dieser Typen, die nahezu automatisch eine Gesellschaft unterhalten (müssen), sobald sie ihr beitreten. Ein gutes Drittel des Sets erzählt Schulz seine Geschichten aus der unwirklichen Welt des Rock'n'Roll, von Roger Miret und Bono, von Tracy Chapman und H.A.S.S. Er hampelt mit einer Maske aus der neuen Micky Maus auf der Bühne herum und stimmt eine Grindcore-Improvisation an, um zu beweisen, wie vorteilhaft die neue, komfortable Bandbesetzung ist. Das ist toll und in unseren Breitengraden einzigartig, und dabei müsste er das gar nicht tun. Denn seine Songs, speziell die des neuen, noch mal eine Spur besseren beigen Albums, haben eine wunderbar sinnstiftende Ernsthaftigkeit, eine gekonnte Tragikomik und überdies ganz tolle Harmonien. Er hätte sich auch einfach hinstellen und seine Songs spielen können, und auch das hätte ein tolles Konzert gegeben. Aber weil Schulz alles kann, kann er auch Konzerte geben, die alles können. Und nie langweilig werden. Und wenigstens von mir ruhig im Wochentakt konsumiert werden könnten.