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Interview: Gold Panda im Gespräch

Der nette Nachbar

Der scheue britische Elektronikkünstler Derwin legt mit seinem zweiten Album »Half Of Where You Live« seine Zurückhaltung ab. Mit Henje Richter sprach der als Gold Panda praktizierende Musiker über Selbstzweifel, musikalische Glücksgefühle und seinen Umzug nach Berlin.
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Derwin, Künstlername Gold Panda, ist ein sehr privater Mensch und verlässt nur ungern den Stadtteil Prenzlauer Berg, wo er seit zwei Jahren wohnt. Deshalb treffen wir uns in seinem Lieblingscafé, gelegen um die Ecke seiner Wohnung, in die er tags zuvor von einer ausverkauften US-Tournee zurückgekehrt ist. Am folgenden Tag wird er sie schon wieder für neue Auftritte verlassen.

Zu Derwins privatem Wesen gehört auch, dass er seinen Nachnamen bisher erfolgreich hinter Pseudonymen verborgen hat: Powers, Schlecker, Panda. »Ich wollte, dass mich all die Leute nicht wiederfinden, die ich in der Schule oder in Mistjobs gehasst habe«, erklärt er. »Dass sie nicht plötzlich ankommen und nach einem Gästelistenplatz fragen.«

 

Derwin ist trotz seines Erfolges immer noch der ungelenke junge Mann von nebenan. Ausgestattet mit vielen Selbstzweifeln und ausgeprägter Bescheidenheit in der sozialen Interaktion mit anderen. »Ich hätte mich nie getraut, mich mit meiner Musik bei einem Label zu melden«, erzählt der 28-Jährige. »Deshalb stellte ich damals einfach alles auf MySpace.« Das war 2007, zu Zeiten, in denen Musiker tatsächlich noch direkt von MySpace weg gesignt wurden. Erst klopfte Wichita Recordings an, später auch Ghostly International, auf dem 2010 schließlich Gold Pandas Debütalbum »Lucky Shiner« erschien.

 

Gold Panda traf mit seinen asiatisch inspirierten Klängen den Ton der Zeit, besonders mit dem treibenden Track »You« und dem behutsameren »Marriage«. Aber Wiederholungen reizen ihn nicht. »Ich konnte einfach nicht noch zwölf weitere Variationen von einem Stück wie ›You‹ produzieren«, führt er die Ausgangsbasis der neuen Produktion aus. »Wer diesen Gold Panda will, der kann sich ›Lucky Shiner‹ noch einmal anhören.«

 

 

 

 

Der Nachfolger »Half Of Where You Live« ist direkter und abwechslungsreicher geworden. Er ist als vertonte Reise angelegt, dem Entstehungsprozess zwischen den Orten geschuldet und trägt das schon im Namen einzelner Stücke: »Brazil«, »My Father In Hong Kong 1961« oder »Enoshima«.

 

Dass sich das Stück »The Most Liveable City« auf seine aktuelle Heimatstadt Berlin bezieht, will Derwin nicht bejahen. Dazu sei er in den letzten Jahren einfach zu wenig hier gewesen. »Außerdem stellt den Reiz von Berlin vor allem die Clubkultur dar – und ich gehe nicht gerne in Clubs.« Er höre sich Clubmusik lieber zu Hause an, das passe sehr gut zu seiner eigenen Musik, die zum Träumen wie zum Tanzen einlädt. Wobei er Letzteres erst spät erkannte: »Ich war ganz überrascht, als die Leute auf meinen Shows anfingen zu tanzen. Denn dafür hatte ich meine Musik gar nicht gedacht.«

 

Derwin zieht seine Inspiration aus alten Vinylscheiben, deren passende Stellen er auf seinen MPC-Sampler/Sequenzer speichert und damit herumzuspielen beginnt. »Es kann nur eine halbe Sekunde sein, aber diese loope ich dann, verändere Tonlage und Tempo und schichte die Klänge übereinander«, erläutert er seine Arbeitsweise. »Es ist ein Prozess, der mit viel Scheitern verbunden ist, bevor letztlich etwas Brauchbares herauskommt.«

 

Derwin zieht seine Inspiration aus alten Vinylscheiben, deren passende Stellen er auf seinen MPC-Sampler/Sequenzer speichert und damit herumzuspielen beginnt. »Es kann nur eine halbe Sekunde sein, aber diese loope ich dann, verändere Tonlage und Tempo und schichte die Klänge übereinander«, erläutert er seine Arbeitsweise. »Es ist ein Prozess, der mit viel Scheitern verbunden ist, bevor letztlich etwas Brauchbares herauskommt.«

 

Die Ergebnisse klingen melodieverliebt und verrauscht – und diesmal etwas minimaler als auf dem Debüt. »Früher habe ich immer noch eine Spur an Melodien oder Umgebungsgeräuschen extra dazugemischt, weil ich mich mit meinen Liedern nicht sicher genug fühlte«, gesteht Derwin ein. »Diesmal habe ich mich gezwungen, das zu vermeiden.« Zumindest ein kleines Zeichen einer neuen Selbstsicherheit, die der Erfolg mit sich gebracht hat. Richtig wohl fühlt sich Derwin allerdings immer noch nicht damit, anderen seine Songs zu präsentieren. »Wenn sie veröffentlicht sind, empfinde ich sie nicht mehr als meine Songs«, sagt er verblüffenderweise. »Am glücklichsten bin ich alleine mit meiner Musik, genau in der Mitte der Produktion eines Tracks.« Dass Gold Panda dieses private Glücksgefühl dennoch über seine Musik zu den Zuhörern transportieren kann, ist das Wundervolle an seinem Erfolg.

 

Gold Pandas Top 10
LL Cool J »Milky Cereal« (Def Jam)
James Holden »Gone Feral« (Border Community)
Voices Of Black »Get Enough« (Notown)
Supaluga & Ichiro »Badminton Club Remix« (Notown)
Luke Abbott »New Buildings« (Notown)
Hannes Rasmus »Wir sind hier nicht in Detroit, Dirk« (Notown)
Luke Abbott »Meeting Hill« (Notown)
Hannes Rasmus »Die Idee ist gut doch die Welt ist schon zu weit« (Notown)
Dam Mantle »RGB« (Notown)
Dam Mantle »Brothers Fowl« (Notown)