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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

und weitere Filmstarts vom 17.01.08

Der Nebel

Alexander Dahas hat sich die neueste Stephen-King-Verfilmung sowie "Once", "Cyborg" und weitere relevante Kinofilme schon einmal angeschaut.
Geschrieben am
Der Nebel
R: Frank Darabont ; D: Thomas Jane, Marcia Gay Harden, Laurie Holden, Toby Jones
In seiner dritten Stephen-King-Verfilmung beschäftigt sich Frank Darabont mit einem echten Evergreen-Motiv, dem vielbemühten Nebel des Grauens, in dem Ekliges lauert, und das sich über eine idyllische Kleinstadt hermacht. Ganz so idyllisch ist diese Kleinstadt allerdings nicht einmal, denn da gibt es unter anderem doch den ein oder anderen religiösen Eiferer, der auf den Jüngsten Tag gerade noch gewartet hat. Entsprechend quer sitzt der Film in der gegenwärtigen US-Horrorlandschaft - das aufgepimpte Schockfinale spricht nämlich eine ganz andere Sprache als die selbstherrlich eindimensionalen 08/15-Produktionen (und übrigens auch die Vorlage) und wurde von den liberaleren Medien deswegen auch schon mit dem Katrina-Desaster in Verbindung gebracht. Die Meinungen rangieren so auch von "unübersichtlicher Müll" bis zu "Horrorfilm des Jahres", und für zweitere Einschätzung spricht neben Darabonts zurückhaltend-effektivem Stil und der durchaus plastischen Botschaft gerade die Akzeptanz des Films außerhalb der Aficionado-Gruppen.

I'm A Cyborg But That's OK
R: Park Chan-wook; D: Lim Su-jung, Rain, Oh Dal-su, Kim Byung-ok, Choi Hie-jin etc.
Park Chan-wook ist der Typ, der mit seiner farbenfroh-blutigen Rache-Trilogie den stilbewussten Vigilanten im Pädagogikstudenten wachküsste, und den man trotzdem lieber auf seiner heimischen Couch hätte als z.B. Lars von Trier. Grund dafür dürfte die leichte poetische Ader sein, mit der der Koreaner einen Humanismus durchblicken lässt, der in prolligen Tötungsarien à la 'Saw' fehlt. Äpfel mit Birnen möglicherweise, aber das Genre-Publikum könnte eben auch '...Cyborg' lieben, in dem zwei junge Neurologie-Patienten ganz romantisch zueinander finden. Und das ist gar nicht so leicht, schließlich hält Sie sich für einen Roboter und Er sich für einen Seelenräuber. Geläufige Statements wie "Die da drinnen sind auch nicht irrer als das was hier draußen so rumläuft" erspart uns der Film, dafür ist alles so bunt, traumhaft und leicht derangiert wie der Blick in eine Tüte M&M's.



Once
R: John Carney ?D: Paul Mullen, Markéta Irglová, Bill Hodnett, Danuse Ktrestova etc.
Ihr werdet's vielleicht schon gehört haben, aber 'Once' ist momentan der Publikumsliebling überhaupt, und auch so manch depressiver Kritikerpapst sagt dazu Ja. Der Film ist eine Art Low Budget-Musical, in dem ein irischer Straßenmusiker und ein tschechisches Blumenmädchen eine Band gründen, und sich dabei auf furchtbar niedliche Art verlieben. Vom Kamerastil her ist das alles ziemlich Dogma, die Songs eingängig à la Frames (deren Sänger der Hauptdarsteller ist) und die Message auf ungekünstelte Art positiv. Also alles charmant hoch drei, und von den menschlicheren Mitgliedern der Gesellschaft ohne weiteres zu mögen. Wer allerdings wie wir Medientypen den ganzen Tag von gefühllosem, drogeninduziertem Sex mit magersüchtigen Ostblockmodels auf kaltem Asphalt träumt, findet 'Once' wahrscheinlich zum Kotzen.

Joshua
R: George Ratliff; D: Sam Rockwell, Vera Farmiga, Celia Weston, Jacob Kogan etc.
Endlich: ein neuer Eintrag ins Dämonische-Kinder-Fach! Worin ein Erstgeborener namens Joshua ganz fürchterlich unter der Ankunft seiner kleinen Schwester leidet - Geschwisterneid, möchte man meinen. Nun ist Klein-Joshua aber auch so schon ein extrem freudloser Geselle, der gerne feinen Zwirn trägt, sich auffällig für Ägyptologie interessiert und generell die Fassade menschlicher Emotionen beherrscht wie andere Leute eine Fremdsprache. Man kenne so etwas schon von unzähligen halbgaren Okkult-Thrillern, tönt der Chor der Frustrierten, aber Überraschung! Entgegen aller Erwartungen ist 'Joshua' Top-Material, creepy wie Liebesbriefe von einer 39-jährigen Studentin und zu gleichen Teilen teuflisch plausibel wie unangestrengt witzig. Dafür sorgt neben Indie-Babe Vera Farmiga und ihren Kollegen vor allem das ausgeschlafene Drehbuch, das einfach weiß, wie echte Menschen ticken.

Drachenläufer
R: Marc Forster; D: Khalid Abdalla, Homayon Ershadi, Zekeria Ebrahimi, Ahmad Khan Mahmidzada
Khaled Hosseinis Erfolgsroman über einen afghanischen Schriftsteller, der nach seinem US-Exil im Jahre 2000 nach Kabul zurückkehrt, um Wiedergutmachung für eine Unterlassungssünde seiner Jugend zu leisten, rührte Millionen Leser zu Tränen. Die Filmversion indes leidet unter ähnlichen Symptomen wie schon die Verfilmung von 'Abbitte' und ähnlicher Literatur: Gerade für den Ausdruck des Leidens vor exotischer Kulisse hat das "westliche" Kino offenbar nur wenige, übertrieben symbolträchtige und daher nicht sehr originelle Bilder zu bieten, die Atmosphäre und Dringlichkeit in Windeseile in Rührseligkeit und Klischees verwandeln. So fühlt sich dieser Film trotz seiner brisanten Themen (Taliban, Vergewaltigung, moralische Dilemmata etc.) direkt klinisch, oberflächlich und letztlich falsch an.