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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Der Live-Ticker im Rückblick: So war's in Tempelhof!

Berlin Festival 2012

Alle Ereignisse des Berlin Festival 2012 im großen Rückblick.
Geschrieben am

Alle Fotostrecken, News und Videos findet ihr unter intro.de/berlinfestival

Samstag, 23:33, Hangar 4
The Soundtrack Of Our Lives kämpfen tapfer mit dem Klang in Hangar 4. Die schwedischen Psychedelic Rock-Urgesteine stemmen sich mit aller Kraft dagegen, dass eine ihrer letzten Festivalshows im Soundbrei versinkt. Zum Jahresende wird sich die Band auflösen.

Samstag, 23:20, Mainstage
Paul Kalkbrenner steht auf der Bühne. Die Menge ravet. Zu Panflöten- und Vocal-Samples. Und der Bassdrum, die stoisch durch die Tracks fährt wie ein Supertanker durch raue See. Bloß eines: Die Bühnenshow mit den riesigen X-Projektionen wirft die Frage auf, ob Paule wohl nach H.P. Baxxter das nächste X-Faktor-Jurymitglied wird???

Samstag, 22:15, Hangar 5
Während Le Galaxie nebenan auf der Berlin Music Week Stage zum wohl lautesten Act des Abends avancieren, gönnen sich Iamiwhoami im Hangar 5 ein wenig artistische Distinktion: In der Mitte der Bühne ist ein großer Würfel aufgebaut, die Seiten sind mit weißem Papier beklebt. Davor turnt sich Frontfrau Jonna Lee in Ekstase und wirft eine weiche Silhouette. Sie wird umsäumt von fünf Gestalten in weißer Tenniskleidung mit Kappen an Synthesizern. Darunter eine Frau, die völlig unwillkürlich anfängt zu tanzen, wie meine Klassenkameraden während unserer Mittelstufenparty. Musikalisch ist der sphärische Electro-Pop Iamiwhoamis betont mysteriös und könnte die Klasse von Bat For Lashes oder Fever Ray haben, würde die Bassdrum nicht so plump durchbouncen. Trotzdem - eine Performance zum Bewusstsein erweitern.

Samstag, 21:30, Mainstage
Wer ist nochmal dieser Typ, dessen Gesicht während des Franz Ferdinand-Gigs ständig so verzagt von der Bühnenrückseite guckt? Sieht aus wie der Mann aus dem Gemälde von Thomas Eakins auf dem Cover von Tocotronics Album »Kapitulation«. Komisch, denn der Auftritt der Schotten gibt gar keinen Anlass zu Nachdenklichkeit. Zumindest nicht am Ende. Zunächst aber geht die Band einen mutigen Weg: Schon das Stück direkt nach dem Opener »Matinee« ist neu und stammt vom in wenigen Monaten erscheinenden neuen Album. Einige weitere ungehörte Stücke werden an diesem Abend folgen. Tendenz der neuen Lieder: klassischer Franz-Ferdinand-Postpunk'n-Roll. Den Kern des Sets aber bilden jede Menge klassische Hits. Darunter »Can't Stop Feeling« in einer überdreht ravenden Endlosversion, die am Schluss sogar The KLF zitiert. Alex Kapranos wechselt im einstündigen Set nur wenige Wort mit dem Publikum. Dem ist's gleich. Es tanzt.

Samstag, 21:00, Hangar 4
Die Summe der Lebensjahre, die Sizarr aus Mannheim angesammelt haben, bringt sie zwar noch nicht ins Rentenalter, in Sachen musikalischer Erfahrung sind die drei Jungs, die erst letztes Jahr ihr Abitur bestanden haben, kaum zu übertreffen. Auf der Bühne im gut gefüllten Hangar 4 geben sich die Jungprofis kurz vor dem Release ihres Albums »Psycho Boy Happy« entspannt wie immer.

Samstag, 20:50, Hangar 5
Und wenn man denkt es geht nicht mehr, kommen Friendly Fires daher. Pünktlich zum Sonnenuntergang verwandelt sich der Hangar 5 in einen Hexenkessel. Hexenmeister ist der Leadsänger Ed Macfarlane. Dieser zelebriert seinen exotisch anmutenden Tanzstil mit einer solchen Ausdauer, dass fast der Eindruck entstehen könnte, die Musik der britischen Band sei nur schmückendes Beiwerk. Das Publikum bekundet seine Begeisterung und tanzt nicht nur genauso ausgiebig, sondern singt Zeile für Zeile mit. Friendly Fires auf dem Berlin Festival, das heißt für alle Beteiligten: eine Stunde lang Vollgas ohne Chance auf eine Verschnaufpause.

Samstag, 19:50, Mainstage
Das große K flammt an der Bühnenwand auf: Kraftklub treten auf die Bühne, und wir Menschen strömen und machen den Platz vor der Hauptbühne voll bis zu den Rändern und bis ganz weit hinten. Aber ist das, was die Chemnitzer da bieten, eigentlich noch euphorisiend oder schon von einer müden Routine durchzogen? Zu Anfang, mit dem Stück "Ritalin", möchte man letzteres meinen. Solides Hüpfen und rote Hosenträger - zudem muss der Sound scheinbar noch live feinjustiert werden. Doch von Stück zu Stück kommt Sänger Felix rein in den umarmenden Festival-Animier-Modus. Die Dämmerung bricht herein und spätestens bei "Randale" sind alle total on, Felix motiviert noch die letzten Seitplatzierten und die hinten beim veganen Hot-Dog-Stand zum mitmachen. Zum Abschluss "Scheiß Indiedisco" und bisschen wohldosierte Handpyro. Absolutes Konsenshighlight des zweiten Tages.

Samstag, 19:25, Hangar 5
WhoMadeWho werfen ihre Hände in die Luft und Schlagzeuger Tomas Barfod fotografiert die Menge, die gerade das dänische Trio auf das Derbste feiert. Zuvor hatte es die Band mal wieder geschafft, das Publikum mit der unglaublichen Tanzbarkeit ihrer Songs um den kleinen Finger zu wickeln. Gerade die Songs des neuen Albums »Brighter« schmiegen sich so unfassbar gut an das bisherige Programm von WhoMadeWho an, dass sich der Hangar nur so weggeschmissen hat vor Freude.

Samstag, 18:30, Hangar 4
Der Summer of Love hält kurz Einzug beim Berlin Festival: First Aid Kit, die schwedischen Folk-Wunderschwestern (seit einiger Zeit bereichert um einen Live-Drummer), stoßen die Tür zur Traditions-Folk und Hippietum weit auf. Sie covern Paul Simon, widmen Johnny Cash, June Carter (und natürlich obilgatorisch auch Pussy Riot) ihre Songs und brillieren mit ihren unglaublichen Gesangsskills. Am Ende des 45-minütigen Sets stehen kerinerlei falsch gesungene Noten und circa 2500 glückliche Fans. Etliche natürlich aus Schweden. 

Samstag, 18:20, Pressezentrum
Das Paul Kalkbrenner-Set am Abend (22:30, Mainstage) wirft seine Schatten voraus: Erstmals wird eines seiner Konzerte live im Fernsehen gestreamt (bei ZDFkultur), erstmals wird er Songs seines kommenden Albums zur Aufführung bringen. Das Berlin Festival tuschelt gespannt.

Samstag, 18:15, Mainstage
Eine riesige weiße Schleppe überdeckt beinahe die gesamte Bühne und reicht sogar über ihren Rand hinaus: Bonaparte kommen auf die Bühne - verspätet! Wahrscheinlich saßen die Kostüme noch nicht richtig, schließlich wächst die Anzahl der tanzenden Figürchen mit jedem Song. Und macht vergessen, wie schlicht die Songs der Imperatoren eigentlich sind. Aber das ist egal: »My ego is so massive I got to move house« singt Tobias Jundt - nur das ist wichtig. Es gilt das Gaga-Prinzip: Musik ist für eine gute Rockshow eigentlich gar nicht so wichtig. Auch lustig: Zwischendurch spielt ein Techniker pflichtvergessen an der Aufhängung an Jundts verlängertem Rücken rum und will einfach nicht aufhören, egal wie sehr sich der Sänger auch windet. Gut zu wissen: Niemand ist perfekt.



Samstag, 18:00, Berlin Music Week Stage
Erst im Juli bei Chimperator unter Vertrag genommen, im September schon beim Berlin Festival. Live strotzt Muso aus Heidelberg genauso vor Energie und Aggressivität wie auf Band. Rastlos springt der junge Künstler auf der kleinen Stage hin und her, während er seine Songs performt. Seine Kreuzung aus Rap, Orchester und Laptop will das dünn besiedelte Feld aus Besuchern jedoch nicht gerade vor Begeisterung sprühen lassen. Das kann auch seine prominente Unterstützung auf der Bühne nicht ändern: Konstantin "der Korrekte" Gropper, besser bekannt als Get Well Soon, und Pink Ganter von Sizarr. Ob das Publikum wohl auch so verkatert war wie Muso? Trotzdem gilt er nicht zu Unrecht als "the next big thing" im deutschen HipHop. 

Samstag, 17:50, Hangar 4
Mit einem Traum von einem schneeweiß glitzernden Kleid mit Tüllrock tritt die Neuseeländerin Kimbra auf die Bühne, und ihre Bandmitglieder versuchen, mit kunterbunten Oberhemden dagegenzuhalten. Ganz offensichtlich hat und macht sie gute Laune und lässt sie sich auch nicht von den beinahe schon sprichwörtlichen Hangar-Soundproblemen verderben. Wie zu erwarten sind ihre Solosongs nicht so zwingend wie ihre Durchbruchssingle mit Gotye, sondern poppen nett vor sich hin - mal soulig, mal rockig. Dem Großteil der Leute im Hangar 4 macht das nichts.

Samstag, 17:30, Hangar 5
Erst lässt Sänger Pierre das pralle Publikum die Berlin Festival-Hymne 2012 anstimmen, dann starten die ersten Töne des denglischen Sommerhits »Neuzeit« durch den Hangar 5. Von Soundproblemen könnten I Heart Sharks auch ein Lied singen, entscheiden sich dann aber doch für die Songs aus ihrem Debütalbum »Summer«.
 
Samstag, 16:52, Mainstage
»This next song is about getting drunk!«, ruft Vincent Neff relativ lässig, aber er und seine Neo-Psychedlic-Rockband Django Django spielen heute das erste Mal in Deutschland und wollen nichts falsch machen. Die Vier dürfen hier nach Cro auf der Hauptbühne antreten und sammeln für ein Debütanten-Verhältnisse überaus beachtliches Publikum. Die Meute ist auch durchaus bereit zu tanzen - General Midi, wir warten auf dein Zeichen! Aber die noch sehr junge schottische Formation ist leider noch ein wenig zu schüchtern, um aus ihren tollen Songs eine herrlich entgrenzte Feierei werden zu lassen. Wir sehen uns bei den Club-Gigs, Django Django!

Samstag, 16:05, Berlin Music Week Stage
Hinter einer spanischen Wand, für das Publikum nur als Schattenriss erkennbar, spricht ein Internetnutzer über sein illegales Downloaden. Das an Problemfällen aus nachmittäglichen Trash-Talk-Formaten angelehnte Versteckspiel soll die Berlin Debate eröffnen, die hier auf dem Rollfeld parallel zum Musikprogramm veranstaltet wird. Vier Männer sitzen dort und erkennen sehr schnell, dass sie nicht nur Geschlecht, sondern auch Alter teilen. Johnny Häußler, der kurz zuvor noch mit seiner Band Plan B gespielt hat, betont, dass er nichts gegen den privaten (illegalen) Download hat, sondern einzig etwas gegen die, die daraus (z.B. durch Werbung, z.B. auf Megaupload etc.) ein Geschäft machen. Tim Renner erzählt, wie er mit seinem Kumpel Andreas Dorau früher Platten geklaut hat und dass all diese Sachen gar nicht neu sind.

Samstag, 15:40, Mainstage
Cro lässt den Punk rein. Zumindest sagt er das, auch wenn es sich höchstwahrscheinlich um eine Verwechslung handelt. So sind sie, die jungen Milden. Der Stuttgarter mit der Pandamaske tigert jedenfalls völlig entspannt vom einen Bühnenende zum anderen, seine Sidekick-Band wirkt ebenfalls enorm unangestrengt. Kurz drauf bewegt er seine in der Sonne anschwellende Schaar der Fans zur Wäsche-über-Kopf-Rotation. Dazu hüpfen dann noch ein paar Schirmchen mit angenähten Augen, die noch vom Regen übrig waren oder einfach nur gut in der Hand lagen. Das Rezept geht jedenfalls voll auf, bis in die hintersten Reihen kann das gut gelaunte Volk jedes Komma mitsingen. Inspiriert von dieser vollen Ladung Fantum können wir ohne Übertreibung sagen: Der Festival-Samstag hat seinen ersten Höhepunkt!

Samstag, 15:18, Hangar 4
Volle Aschenbecher und klebrige Bierlachen: So klingt der verrauschte Noise-Rock der Crocodiles, wovon sich das scheinbar noch angekaterte Publikum nicht ganz mitreißen lassen möchte. Die abgebrühtere Fraktion lässt sich dennoch auf die Feedback-gerahmten Pop-Reminiszenzen ein.

Samstag, 14:00, Mainstage
Plan B, die in den 80er Jahren die Punk- und Independent-Szene Berlin tüchtig zu beeindrucken wussten und auch als Rivalen der Ärzte aus deren Film »Ritchie Guitar« für die Spätgeborenen noch erlebbar waren, sind jetzt auch live zurück. Was dieses Heimspiel für die Band um Johnny Häußler (mittlerweile bekannter als Spreeblick-Blogger) bedeutet, können die durch den Regen versprengten Zuschauer sofort spüren. Aber als »This Is Not A Movie« der alte Rocksteady-Gassenhauer »A Message To You Rudy« gespielt wird, fasst sich die große Mehrheit unter der Überdachung ein Herz und rennt vor die Bühne. Dort treffen sich dann die Generationen, während die Kinder der Band beim nächsten Song (»Life's A Beat« - laut Häußler »Hippie-Scheiße, aber mit Punkt-Attitüde«) den Refrain-Text auf Transparenten hochhalten. 

Freitag, 23:04, Mainstage
Brandon Flowers spricht. Es ist so ziemlich das erste Mal, dass er sich abseits eines hastigen »Thank You« an die Menge wendet. Auf das Backdrop im Hintergrund werden verschiedenste Animationen projeziert, die eher an Bildschirmschoner erinnern und The Killers wirken so manches Mal wie eine Avatar-Formation aus Guitar Hero, aber ihre Songs sind letztlich Hits. Eine große Menge Menschen hat sich vor der Hauptbühne versammelt, auch wenn es regnet und der Sprühnebel noch bis weit unter die Überdachung geweht wird.Es mag eine Las-Vegas-Show in aller Vorhersehbarkeit sein, aber die Liedauswahl hält das Festival unter Strom. »Somebody Told Me« wird schon früh verheizt, später folgen auch noch große Cover-Nummern wie »Shadow Play« von Joy Division oder »Forever Young« von Alphaville.

Freitag, 21:00, Mainstage
Sigur Rós versuchen, auf das Geschehene eine Antwort zu finden. Ihre Antwort lautet: Massivität. Geigenbögen fahren über E-Gitarren, die scheinbar noch eine Spur unerbittlicher braten, und damit die sonst so mysteriöse Aura der Isländer festivaltauglich machen. Ohne Zweifel ist dieser Auftritt beeindruckend, auch wenn sich das Publikum unter der Überdachung des Flughafengebäudes drängt und nur die wirklich Harten harren direkt frontal vor der Bühne aus. Sie wissen: Diese Band ist kein schneller Genuss, hier gibt es Kunst zu hören. Und den schmalen Grad zwischen Eskapade und Pop zu treffen, das schaffen Sigur Rós wie kaum jemand sonst.
 
Freitag, 20:36, Hangar 5
Tocotronic sind noch mittendrin in ihrem staatstragenden Set aus beliebt-, wie teilweise auch etwas abgeschliffenen Gassenhauern der nerdy Entfremdung, da schäumt es im etwas subversiveren Hinterzimmer, dem Hangar 5, am anderen Ende des Geländes komplett über. Frittenbude ist die Macht, kann man gar nicht anders sagen, wenn man die Massen sieht, die die Band einrahmen. Da hilft auch das priviligierte AA-Bändchen nicht. Der horstige Ticker-Runner muss das Opernglas rausholen, um die Pandas und Delfine hüpfen zu sehen. Na, zumindest kommt die Musik gut bis nach hinten durch. Und mit Musik sind natürlich Beats gemeint. Bei »Mindestens in 1000 Jahren« drehen alle kollektiv durch, die Band geht von der Bühne. Allerdings nur um kurz darauf wieder zu erscheinen. Jakob von der Band hat sich mit der Zeit vertan, man hat ja noch eine Viertelstunde. Oops. Deutschland, deine Kiffer. Sympathisch, unpraktisch und geil. Frittenbude, oi!

Freitag, 20:15, Berlin Music Week Stage
Während die Kids nebenan zu Frittenbude und ihrer Tierkostüm-Show abfeiern, füllen sich allmählich die Reihen vor der Berlin Music Week Stage. Ghostpoet betritt mit Gitarrist und Drummer die kleine Bühne und haut nach einem kurzen »Hello Berlin« gleich die ersten Loops raus. Vom ersten Takt hat der Londoner mit seiner sehr eigenen Mischung aus Rap und elektronischen Klängen die volle Aufmerksamkeit der Crowd. In der kurzen halben Stunde seines Auftrittes spannt sich der Spannungsbogen stetig, bis am Ende Ghostpoet selbst seine etwas kühle britische Art ablegt und dem Publikum auf seine Kommando »Now everybody, let's jump« nur eines einfällt: Springen.

Freitag, 20:15, Hangar 4
Kein leichtes Unterfangen gegen Tocotronic anzuspielen, die gerade mal drei Songs in ihr Set sind, als Grimes anfängt. Aber zum einen weiß die Kanadierin natürlich eh nicht, wer diese deutsche Band ist, die nebenan alte Hits in neuen nordisch-metallischen Interpretation darbietet und ist dementsprechend unbedarft locker. Und zum zweiten, und viel wichtiger, hat sie sich mit ihrem Album auf 4AD sowieso eine ziemliche große Fanbase erspielt, die nun gezielt für sie im sehr gut gefüllten Hangar 4 erschienen ist. Grimes Set beginnt sphärisch und verliert sich so erstmal ein bisschen im Stimmgewirr vor der Bühne, schwillt aber peu a peu an, bis die elektronischen Beats nicht mehr nur den Klangteppich unter ihre gehauchte Stimme geben, sondern sie geradezu antreiben, ja anstacheln - mit dem Ergebnis, dass Grimes nicht mehr ganz so Mädchenhaft klingt, sondern energisch groont sich auch mal gegen den Sound um sie herum stellt, und das sind die Momente, die ihr besonders gut stehen.

Freitag, 20:00, Mainstage
»Dieses! Lied! Geht! Um! Desillusion!« Die Rockstarbrechung Tocotronics hat eine gewisse Routine angenommen. Und auch die Wirkung der einstmals so geliebten Songs der ersten drei Alben verpufft, wenn sie von vier solch reifen Herren interpretiert werden. Lowtzow & Co. spielen sich vor durchgestrichenem Bundesadler durch ihre Diskographie, starten mit »Freiburg« und »Ich möchte Teil einer Jugendbewegung sein« und erreichen ihre Höhepunkte im einsetzenden Sprühregen bei den mysteriös ausladenen Stücken der Mittelphase. Neue Songs haben sie schon vorher im Interview ausgeschlossen. Trotzdem - damals im Kick im Herford war's besser. 

Freitag, 17:45, Mainstage
Kunterbunt und glitzernd betreten Little Dragon die Bühne. Sängerin Yukimi und ihre drei Jungs füllen die Bühne am frühen Freitagabend. Neben den üblichen Normalos tauchen nach und nach Verkleidungen in der Menge auf: Neongrüne Blazer, Gesichtsbemalungen und bodenlange Geisha-Kleidchen tanzen aufgekratzt zu den sphärischen Elektrobeats mit zuckersüßem Mädchengesang.

Freitag, 17:05, Hangar 5
Die Jugend tanzt. Friends zelebrieren Four-To-The-Floor im bunten Neonlicht. Von den Wänden schallen Bass und Schlagzeug zurück, sorgen für eine wuchtige Klangkulisse. Man freut sich schon jetzt, dass Major Lazer später diese Bühne beschallen werden.

Freitag, 16:20 Uhr, Mainstage
Soul-Pop-Talent Michael Kiwanuka taucht die Hauptbühen trotz bewölktem Himmel in güldene Sonnenstrahlen. Der junge britische Songwriter und seine Band schaffen es, den warmen Klang des Debütalbums auf die Rollbahn von Tempelhof zu holen. 60's Folk trifft auf Bill Withers, ein sehr früher Höhepunkt des Festivalwochenendes.

Freitag, 15:26 Uhr, Hangar 5
Wo melancholische wie kakophone Slacker-Gitarren durch den Hangar hallen, können Die Heiterkeit nicht weit sein. Dass man sich von dem Namen des Hamburger Trios nicht täuschen lassen sollte, dürfte bereits allseits bekannt sein.

Freitag, 15:00, Mainstage
Eine dichte Klang-Fläche schwappt von der Mainstage auf das zahlreich erschienene Publikum und gibt zumindest für Unbedarfte erst mal gar keinen Hinweis auf den radiotauglichen Indie-Folk-Rock der isländischen Of Monsters Of Men. Trotz schwieriger Uhrzeit wissen die Reykjavíker das Publikum zu überzeugen.

Freitag, 14:00, Mainstage
Feuerwerk, Korkenknallen, Konfetti: Brandt Brauer Frick eröffnen pünktlich um 14 Uhr das Berlin Festival 2012. Mit fast einem Dutzend Musikern auf der Bühne performt das Berliner Multiinstrumental-Projekt vor unerwartet gut gefüllter Bühne, mittendrin die drei Kernmitglieder Daniel BRANDT, Jan BRAUER und Paul FRICK.