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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Der Live-Ticker im Rückblick: So war es in Ferropolis!

Melt! 2012

Kinderwünsche, Soft-Porn und Aerobic: Alle Ereignisse des Melt! 2012 im großen Rückblick.
Geschrieben am
Alle weiteren Fotostrecken, News und Videos findet ihr unter intro.de/melt

Sonntag, 23:30 Uhr, Bench Mainstage
Gottesdienst oder French Kissing? Zum Ende fällt es uns schwer die treffende Metaphern für den Auftritt des französischen Electronica-Duos Justice zu finden. Vielleicht war es einfach eine Mischung aus beidem. In jedem Fall schien es, als haben Justice es geschafft, wohl auch den letzten verkatert-betrunken-verkatert-und-inzwischen-wieder-betrunkenen Melt!-Besucher aus dem Zelt zum letzten Tanz vor die Mainstage zu ziehen: Menschen von der ersten Reihe bis auf die letzte Treppenstufe. Noch einmal eine Death-Wall machen, bevor man das erst nächstes Jahr wieder in der Stadt aus Eisen kann. Noch einmal, mit dem Mädchen im Arm tanzen, bevor man es nur bei facebook wiedersieht. Noch einmal die Hände in den Himmel strecken, bis man am Montagmorgen nur noch den Muskelkater spürt.  
Danke Melt! 2012. Wir haben mit dir Erinnerungen gemacht! Danke, Justice, dass du mit dem weißen Kreuz und dem Rums-Bums noch das letzte aus uns rausgeholt hast. Bis zum nächsten Jahr.

Sonntag, 22:10 Uhr, Gemini Stage
Gesaffelstein ist ein bisschen Krieg auf der Tanzfläche. Kühl und klar peitschen die Beats von dem Franzosen im schwarzen Anzug und ohne großes Visual-PomPomp Mike Levy durch die Luft. Nur im Hardcore geht's im Publikum wahrscheinlich härter zu. Seit Let The Children Techno gibt es einen kleinen Hype um den Mann und Boys Noize, Erol Alkan und Busy P zollen ihm Respekt. So viel zum Name-Dropping. Wir wollten nur tanzen. 

Sonntag, 20:45, Bench Mainstage
Saxophon, Trompete und Querflöte sind die Instrumente der Stunde: Als die Sonne über dem Melt am Sonntag untergeht, spielen Destroyer den Soundtrack für den perfekten Moment des tanzenden Kater-Publikums.Der Sänger und Songwriter wirkt so entspannt als habe er gerade Süddeutsche gelesen und ein Glas Rotwein getrunken. Zum Sound fehlt nur noch die weiße Yacht, mit der man gerne zu den perlenden Klängen über den Gremminer See gleiten würde.

Sonntag, 19:15 Uhr Pollyester, Intro Zelt
Wenn Art Directoren das Booking übernehmen, dann stehen Pollyester plötzlich auf der Bühne und Holger Risse tanzt stolz in der ersten Reihe. Mit Sonnenbrille, weißen Turnschuhen und Armen in der Luft. Die Müncher im Osten spielen Songs von einem neue Album, die noch keinen Namen haben und freuen sich, wie kleine Kinder an Weihnachten Melt! zu spielen. Geben alles und sind einfach hot.

Sonntag, 17:01 Uhr, Gemini Stage
Live-Soft-Porn-On-Stage: Lana Del Rey. Und das, bevor es dunkel ist. Hach.
Drei Streicher und ein Pianist begleiten den rauchigen Südstaaten-Traum auf der Bühne. In einem himmelblauen Kleid stand sie, sang und sexte. Huch. Da ist doch gerade der Träger heruntergerutscht. Huch. Da bückt sie sich und spreizt die Beine. Hach. Wir sind verliebt. Statt großer Geseten und Beyoncé-Rhianna-Lady-Gaga-Poser-Tum bezirzt Lana Del Porn ihr Publikum mit schuchternem Lachen und minimalistischen Bewegungen, die so viel Raum für feuchte Männerträume lassen, dass zwei besoffene Engländer rufen: »I wanna make Babys with her.« Einmal Augen schließen, ihren Körper ausblendet und dann ist da nur noch diese wundervolle rauchige Stimme, die einen um den Verstand bringen kanne. Den Schmollippen-Hype und Diskussion über ihre Vergangenheit hat sie heute überzeugend weggesungen. Nur eins noch, blond ist sie nicht mehr, rot ist sie nicht mehr, sondern - Überraschung: Brünett sind die Haare. »My dark dream at night.« sagten die Engländer. Vielleicht ist ASAP Rocky dafür verwantwortlich? Ein Mädchen, so viel Gossip und Raum für Träume ... Wir lassen euch dann mal allein.

Sonntag, 02:46, Gemini Stage
Die Dubstep-Legende Benga schuf 2006 mit seinem Album »Diary Of An Afro Warrior« einen Genre-Klassiker, der den prägenden UK Sound der folgenden Jahre vorwegnahm. Auf der Gemini Stage übt sich der der Brite leider eher in gefälligen und formelhaften Großraum-Gesten, die das experimentelle Potential des Produzenten leider nicht wirklich ausschöpfen. Gefeiert wird er dennoch wie eine Ikone.

Sonntag, 2:42 Uhr, Intro Zelt
Einer der besten Kuriositäten des diesjährigen Melt!-Festivals ist sicher der Umstand, dass Shanty-Kapitän Rummelsnuff einen ganz besonderen Job zusätzlich zum Auftritt heute Nacht zuteil wurde: Drei Tage bewachte der hauptamtliche Türsteher auch in seiner kostbaren Festivalfreizeit eine Schleuse auf dem Gelände. Irre! Nun aber durfte er auch live zeigen, dass sich sein Engagement rentiert hat. Auch wenn zu Ehren der späteren Stunde das Zelt sich nicht mehr wirklich knallvoll präsentiert, wird der sympathische Salzwasser-Popeye viehisch gefeiert. Mitunter hat er dabei eine richtige Band im Nacken statt nur seinen Kompagnon wie zuletzt auf Tour. Dazu Visuals und einen Querschnitt der drei bisherigen Platten. Von »Halt durch« zu »Azzuro«. Rummelsnuff, ich will ein Kind von dir!

Sonntag, 01:33, Bench Mainstage
Nach dem Modeselektor das Melt! Festival die letzten Jahre als Kuratoren der Melt! Selektor Stage mit den jüngsten Hypes aus den Tiefen der Bass Musik versorgten, spielt das Duo in diesem Jahr das erste Mal auf der Mainstage. In Anbetracht der zahlreich erschienenen Besucher vollkommen legitim, internationales Großformat besitzt das Duo ohnehin - wer kann schon Thom Yorke zu seinen größten Fans zählen? Der Hauptbühne werden sie jedenfalls mehr als gerecht, alleine die visuellen Spielereien der Haus- und Hof-Designer Pfadfinderei machen bereits einiges her. Dass auch die Tracks ihres aktuellen Albums »Monkeytown« hervorragend live funktionieren, durfte man bereits im Zuge der ausgewachsenen Tour erfahren - vor der dicht bevölkerten Mainstage sind die melodischen Glitch-Dauerfeuer aber doch noch mal eine ganz eigene Erfahrung.
 
Samstag, 23:59 Uhr, Intro Zelt
Die top old boys treten ab. Sänger Carsten verkündet mehrfach, hier und jetzt wohnt man dem vorletzten Konzert ever bei. Und das tun auch viele – trotz der harten Konkurrenz auf der Hauptbühne, wo zeitgleich Gossip für den ganz großen Auflauf sorgen. Superpunk und seine Jünger kann das aber nichts anhaben. Ein Best-Of-Set quer durch alle Hits und Slogans wird aufgefahren. Zuerst bekommt nur Thies (sonst auch gern bei Phantom Ghost) keinen Strom an seiner Orgel – und wird stilsicher von der Band deshalb gemobbt, äh, aufgezogen. Dann läuft aber alles. Und leider auch die Uhr einer der ganz großen Modpunk-Enterainer ab.

Samstag, 22:04, Bench Mainstage
­­Two Door Cinema Club
gehören schon lange nicht mehr in die irischen Kellerclubs. Mit Stadionatmosphäre kracht das Trio am Melt!-Samstag vor einem vollgestopften Vorplatz auf die Hauptbühne. Die meisten Songs kennen die Massen und gröhlen mit und selbst die hintersten Reihen springen im Takt. Die noch unbekannten neuen Songs vom neuen Album »Beacon«, das Ende August erscheint, kommen gut an. Sänger Alex springt mit seiner Gitarre über die Bühne und die dezent blinkende Lightshow machte die extrem massentaugliche Show vollkommen rund.

Samstag, 20:59, Bench Mainstage
»Alle Hände hoch! Alle Hände hoch!« In einem lila-blau-batik Shirt springt der Rap’ocker Casper auf die Bühne und wirbelt mit dem Mirko durch die Luft. BÄM – in grauen, engen Jeans und geladen mit der Energie von mindestens 500l hochkonzentriertem Red Bull. Der Ex-Bielefelder Casper spielt zum ersten Mal Melt! oder besser er er-springt das Melt, wie er das mit seinem Album »XOXO« 2011 tat. Springen. Hände hoch. Schreien. Ein Aerobic-Video mit Cindy Crawford ist nichts dagegen.... Casper ... Soooo perfekt!

Samstag, 20:43, Melt! Selektor Stage
Der virtuose Drumcomputer-Akrobat AraabMuzik gehört nicht nur zu den derzeitigen Schooting-Stars der amerikanischen HipHop-Produzenten-Szene, sondern auch zu den Highlights der Melt! Selektor-Stage. Gleich zwei Akai MPC auf einmal müssen unter den flinken fingern des talentierten Schlagzeugers leiden und spucken zunächst etwas formelhaften Abrissbirnen-Dubstep aus, der sich in seiner rhythmischen Komplexität dennoch weit von der gängigen Genre-Ware absetzen kann. Spätestens mit den HipHop-lastigeren Tracks seines letztjährigen Debüt-Albums »Electronic Dream« wurden dann aber auch die Skeptiker mitgerissen.

Samstag, 20:30 Uhr, Intro Zelt
Schwerer Stand, gegen Casper anspielen zu müssen, der zeitgleich zu Bondage Fairies auf der Hauptbühne auftritt. Gut, wenn man in diesem Kampf über funktionierende Waffen verfügt: Ramones-seligen Drei-Akkord-Punk, 8-Bit-Videospiel-Sounds und Masken zum Beispiel. Die schwedischen Bondage Fairies wirken wie Superhelden, die sich ihre Helme aus dem Müll eines abgebrannten Kostümladens zusammen suchen mussten. Kein Character passt zum anderen. Die Songs klingen dreckig, die Band feiert Bier, He-Man und Homoehen. Vor allem aber setzt sie dem sterilen Corporate-Rock vieler junger Festival-Bands einen verpeilt-spontanen Jugendhausflair entgegen. Sympathisch, unberechenbar und lärmend. Den Die-Hard-Fans aber auch den vielen Band-Neulingen gefällt's.   

Samstag, 18:52 Uhr, Gemini Stage
Der Typ, der da feingliedrig und im engen Anzug über die Gemini Stage schwebt, sieht aus wie ein Update des »Mad Men«-Charakters Don Draper. Die Musik wiederum hört sich an, als träfe 50ies-Twang und Rock'n'Roll auf HipHop, DubStep und Elektrobeats. Der Typ heißt Willy Moon und lebt seinen Style offenbar: Die Ansagen sind gegrunzte »Yeah«s und »C'mon«s und im Nu hat er trotzt noch quasi frühmorgendlicher Showtime eine stattliche Anzahl Leute vor die Bühne gekriegt, deren Neugier auf diesen so bisher auch noch nicht gehörten Sound nicht enttäuscht wird. Das Debütalbum ist für Anfang 2013 angekündigt und wenn uns unsere Sinne nicht total täuschen, wird man noch einiges vom gerade mal 21-Jährigen hören...


Samstag, 18:27, Bench Mainstage
»Mutti, wir spielen Melt!«, zum dritten Mal hatte Intro den Eröffnungsslot für das gleichnamige Zelt ausgelobt. Gewonnen hat diesmal diese Band mit dem konsonantenbefreiten Namen: KMPFSPRT aus Köln. Ihr Auftritt erlebte dabei sogar das ultimative Upgrade: Lana Del Rey trug ihnen das Schlagzeug! Nee, Quatsch. Allerdings wurde die Band vom Zelt auf die Hauptbühne verlegt. Die Kulisse blieb überschaubar, doch als der HC-gitarrengeschulte Punkhybrid losbrüllte, flogen von vielen Seiten die ersten Freaks, Schmusis, Rocker und Hartpopper heran. Trotz oder auch wegen der Sturmwarnung, der den Beginn des Sets kurz verzögerte. Nun aber: Volles Brett, der die dicken Beats drum herum das fürchten lehrte – wenn diese bescheuerte Metapher gestattet sei. Immerhin ist dieser Ticker hier schon seit bald 48 Stunden auf den Beinen. Also Fazit: KMPFSPRT haben ihr Blind Date mit dem Publikum wahrlich zu ihren Gunsten entschieden. Mutti ist stolz!

Freitag, 01:02 Uhr, Intro Zelt
Er würde ja nicht unbedingt Dance-Musik machen, warnt Rufus Wainwright schon nach einem Stück das Publikum. Zumindest sei sie nicht sooo dancy. Geschadet hat es ihm nicht: Trotz der wirklich auffälligen Diskrepanz zu den sonstigen Bühnenperformances –  silberne Schuhe, Sonnenbrille, Backgroundsängerinnen und ein schwarzer Flügel - zeigt Wainwright, warum er als Ikone der queeren Popmusik, als einer der vielleicht größten lebenden Sänger gehandelt wird. Opernpathos hin oder her, wer so melodisch Emotionalität zelebriert und gleichzeitig so menschennah und sympathisch rüberkommt, bekommt überall Applaus. Auch wenn das Wummern von Bloc Party, die gerade bei den Stücken, an denen Wainwright nur alleine am Klavier sitzt, etwas nervt. Aber dafür kann er nichts.  
 
Freitag, 00:38, Bench Mainstage
Die Aufgelösten haben sich in ziemlicher Rekordzeit schon wieder materialisiert. Vorbei sind erstmal der leicht cheesy Indie-Disco Solo-Exkurs von Sänger Kele und einige eher weniger beachtete Abwege seiner Kollegen. Eine neue Platte ist bereits fertig, erscheint im Herbst. Von jener kündete dann auch der Bloc-Party-Auftritt auf der Melt!-Main-Stage zur absoluten Prime Time. Trotz diverser dem Publikum noch nicht bekannter Stücke und leidlich entfesseltem Regenschauer lieferten die Wiedergänger ein amtliches Highlight. Kele turnte aufgedreht wie selten von links nach rechts, von oben nach unten - und auch ihre alten Hits hatten ein neues Antlitz in Sound und Rhythmen verpasst bekommen. Nimmt man die Spielfreude und die Publikumsreaktion als Maßstab, wird 2012 noch ein ziemliches Bloc-Party-Jahr.

Freitag, 23:30 Uhr, Intro Zelt
Man kann dem Kölner PeterLicht nicht unterstellen, er würde es der Welt mit seinem poetisch-kryptischen Pop leicht machen. Fotografieren lässt er sich nicht, auftreten tut er erst seit wenigen Jahren. Konsequent, dass er sein Konzert mit dem Vortragen eines mehrseitigen konsumkritischen Pamphlets beginnt. Zum Unverständnis der meisten und zum Unmut weniger Konzertbesucher, die lachend abwandern. Die ersten Stücke, die er fast fragmentarisch im Vergleich zu ihren Albumversionen nur mit Gitarre und Piano spielt, tun ihr übriges – PeterLicht tut den Teufel und ordnet sich dem üblichen Festival-Good-Feel unter. Im letzten Drittel seiner Show aber zieht er an: »Neue Idee« und das letzte Stück »Gerader Weg« versöhnen die Fans und wirken in seiner weltabgewandten Inszenierung fast wie herzliche Grüße von einem Freund, den man schon lange kennt.  

Freitag, 22:37 Uhr, Intro Zelt
Sie seien, berichten Valeska Steiner und Sonja Glass, sehr aufgeregt gewesen vor diesem Konzert. Kein Wunder: Das Intro Zelt platzt aus allen Nähten, gerade zu Beginn des Sets der beiden Hamburgerinnen, die sich Boy nennen, geht es weder vor noch zurück. Die Nervosität merkt man den beiden natürlich nicht an und die Musik dürfte zusätzlich zur Entspannung beigetragen haben. Da, wo Platz ist, schwofen Pärchen und man kann sich geradezu bildlich vorstellen, wie zu »This Is The Beginning«, dem Opener ihres tollen Debütalbums »Mutual Friends«, vor der Bühne Freundschaften und Beziehungen für die Ewigkeit entstehen. »Little Numbers« jedenfalls wird ebenfalls bleiben.

Freitag, 22:36, Melt! Selektor Stage
Der Berliner Hard Wax-Purist Shed beweist am Desperados Beach Mut zur Lücke und lässt seine schmutzigen Bass-Skizzen geduldig im Raum stehen, bevor er in härtere UK Hardcore-Gefilde abdriftet. Für den vielfältigen Produzenten ist der Besuch auf der Melt! Selektor Stage quasi ein Heimspiel, erscheint doch am 27.07. sein drittes Album »The Killer« auf Modeselektors »50 Weapons«-Label.

Freitag, 22:02 Uhr, Gemini Stage
Man kann sich für Anthony Gonzalez, dem Mann hinter M83, nur freuen: Seit dem Jahr 2000 veröffentlicht der Franzose zauberhafte Synthie-Rock-Alben – alleine es hat in Deutschland und Europa überhaupt bis zuletzt kaum jemanden interessiert. Das hat sein Hit »Midnight City«, den er bewusst relativ am Ende eines heutigen Sets einbaute, zum Glück geändert. Jetzt wollen ihn so viele Menschen sehen, dass die Gemini Stage zeitweise gesperrt werden muss. Gonzalez zelebriert das digitale Crescendo, lässt modulare Synthesizer rattern, bis er den mehreren tausend Menschen endlich die erlösende Bassdrum schenkt. Und die rasten aus. Dass passend dazu auf dem Bagger neben dem Zelt gegen Ende des Sets ein Flammen-Feuerwerk die Nacht zum Tag macht, schenkt dem Melt spätestens seinen ersten wirklich magischen Moment.

Freitag, 20:37, Intro-Kneipe
Zurück in die Zukunft: Während das Kölner Tech-House-Duo Coma am Desperados Beach seine zeitgenössische Variante der Viervierteltakt getriebenen Club-Musik darbietet, lesen Sven von Thülen und Felix Denk in der Intro-Kneipe aus ihrer monumentalen Oral-History »Der Klang der Familie - Berlin, Techno und die Wende«. Bildungsauftrag: ✓

Freitag, 20:03 Uhr, Bench Mainstage
Der pumpende Bass von »In The Grace Of Your Love«, die durch die grauen Wolken brechenden Abendsonnenstrahlen: Schon die ersten Takte von The Rapture werden zum Triumphzug – und für viele ein vorzeitiges Highlight. Ein bisschen verschenkt ist dieser frühe Spot der New Yorker schon, man hätte zu ihrem funky Acid-Rock auch gerne erst nach Mitternacht getanzt. Andererseits: Ein frühes Tor tut dem Spiel immer gut. So auch hier. Das rund einstündige Set lässt keine Wünsche offen und den Closer »How Deep Is Your Love« werden wir auch noch in 20 Jahren singen. Wir können hier und heute gerne wetten.

Freitag, 18:31 Uhr, Bench Mainstage
Man kann Festivalfreitage auf der Hauptbühne gemütlich bestücken, besinnlich oder fröhlich. Oder man stellt einfach das dänische Duo The Raveonettes auf die Bühne. Deren Sound, eine Mischung aus Twang-Indie und Garage Rock, macht auch Melt!-Neubesuchern schnell klar, was das Festival will: Stilistische Breite. Ohne Kompromisse. In ihrer fast einstündigen Show zersägen kreischende Gitarren förmlich die wunderschön angelegten mehrstimmigen Gesänge. Die Lärmspitzen schieben sich regelmäßig in den roten Bereich – sichtlich zum Spaß der Band. Zerrissenheit, Lärm und großer Pop. Die Band, so Sune Rose Wagner, freue sich, hier zu sein und schon im November (»Oder Moment, vielleicht doch erst Dezember«) anlässlich des bald erscheinenden Albums »Observator« wiederzukommen. Wir uns auch.