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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Ein bisschen weniger traurig

Der Donnerstag beim Reeperbahn-Festival 2015

Auch wenn der Mittwoch immer bedeutsamer wird, ist der Donnerstag weiterhin der erste »volle« Tag des Reeperbahn-Festivals. Wir sind durch altbekannte und brandneue Clubs gestreift und haben zwar nicht alle wichtigen Bands des Abends gesehen, aber zumindest einige.
Geschrieben am
Great Lake Swimmers (Knust)
»Pssst« sagt der Mann vor uns. Er hat ja Recht, unterhalten sollte man sich nicht, erst recht nicht laut, wenn die Great Lake Swimmers vorne im Knust ihren ruhigen und traumhaft schönen Folk-Pop spielen. Man würde was verpassen. Die Kanadier beweisen, was es ausmacht, wenn man eine Bandbreite klassischer Instrumente auf die Bühne bringt. Ein Kontrabass klingt einfach besser als ein E-Bass, zumindest bei der Musik, die die Great Lake Swimmers machen. Dazu kommt, dass Violinistin Miranda Mullhollands Gesang-Parts übernimmt. Ihre Stimme ergänzt die von Sänger Tony Dekker. Ein wirklich schönes, rundes Konzert. Da kann man ruhig mal die Klappe halten und einfach zuhören. 

Georgia (Häkken – Spotify Trendsetter Club)
Gerade erst sind die letzten Betonplatten von dem neuen Klubhaus St. Pauli verlegt, schon knubbeln sind in den darin beheimateten Clubs die Bands und Festivalbesucher. Man muss pünktlich sein, um einen Platz bei Georgia vor der Bühne zu ergattern. Kein Wunder, schließlich ist die Britin seit ihrem auf Domino erschienen Debütalbum in aller Munde. Ihre Show mit dreiköpfiger Band verstärkt den Eindruck, dass hier Großes im Entstehen ist. Georgia gibt alles, ihre Performance erinnert sogar ein wenig an Kate Tempest. Und musikalisch liefert sie den besten Beweis, dass avancierte Arrangements und Dance-Appeal einander nicht ausschließen müssen.
The Wooden Sky (Kukuun)
Folk-Rock gibt es auf dem Reeperbahn-Festival eine Menge – auch und gerade beim Kanada-Abend im frisch eröffneten Kukuun. Die seit Monaten emsig tourenden The Wooden Sky zeigen auf, was den Unterschied ausmacht. Ihre Songs transportieren ihre wärmende Stimmung auch durch die unruhigste Club-Festivalatmosphäre, dafür muss man noch nicht einmal ganz vorne stehen. Außerdem wirkt Sänger Gavin Gardiner mit seinen ewig langen Haaren topmotiviert, auch das letzte schwatzende Raucher-Trüppchen auf dem hinteren Balkon des Kukuun zu erreichen. Auf jeden Fall eine Band, die es nochmal in konzentrierterem Rahmen anzuschauen lohnt. 

Abramowicz (Molotow)
Abramowicz haben Heimspiel im Molotow, folglich ist es zum Bersten voll. Wir wühlen uns durch tanzende, stark schwitzende Menschen, was aber noch mehr auffällt als all der Schweiß: Alle sehen so zufrieden aus. Abramovicz haben Bock, die Leute haben Bock und die Musik knallt. Die Band zieht das Tempo im Vergleich zur Platte an, und Sänger Sören Warkentins Stimme ist ein herrliches Reibeisen. Als Abramovicz’ Schlagzeuger Nils Warkentin neulich ausfiel, sprang ein Freund der Band ein. Der durfte dann auch noch mal ran und sein Lieblingslied trommeln. Alles so herzlich hier. Am Ende gab’s noch silbernes Konfetti. Wenn schon, dann auch richtig.

Aurora (Uebel & Gefährlich)
Aurora hat in diesem Jahr bereits einige Festival-Auftritte hinter sich, scheint aber über die vielen Leute, die vor ihrer Bühne stehen, immer noch ehrlich überrascht und erfreut. Dabei ist ihr atmosphärischer, düsterer Pop längst bei den Massen angekommen. Käme die Sängerin aus Großbritannien und nicht aus Norwegen, das Angebot für den nächsten Bond-Song läge sicher schon in der Schublade. Augenzwinkernd kündigt sie einen Song mit »This one’s a little bit less sad« an und fasst damit die Stimmung des Sets recht treffend zusammen. Das Highlight gibt’s zum Abschluss mit der Single »Running With The Wolfes«, zurück bleibt die Hoffnung, bald endlich das Debütalbum der 19-Jährigen in Händen halten zu können.
Dornik (Häkken – Spotify Trendsetter Club)
Das Häkken ist den ganzen Abend über sehr wuselig, voll und für einen Live-Club relativ hell und statisch beleuchtet. Keine idealen Voraussetzungen für die auftretenden Acts. So geht auch Dorniks relativ leiser Sound ein wenig unter, während sich die Leute in den vorderen Reihen fragen, ob sie das nun eher an Prince oder an D’Angelo erinnert. Auch der Sänger und seine Band wirken ein wenig verdattert. Fest steht nur: Im passenden Rahmen könnte das großartig sein. Und das wird es in naher Zukunft auch, wie schon das unlängst erschienene Debütalbum.

Wanda (Docks)

Während Wanda-Konzerte sonst einen riesigen Amore-Tumult auslösen, springt der Funke im Docks nicht so richtig über. Aus mit Amore? Zwar gibt es die üblichen animierten Publikumschöre und hier und da wird auch leise mitgesungen, aber abgesehen davon bleibt die Stimmung fad. Liegt es an der verhältnismäßig großen Location? Marco Michael Wanda und seine Jungs geben sich zwar größte Mühe. Der Sänger trägt sein übliches Outfit – offenes Hemd, darüber die gewohnte Lederjacke, die mittlerweile schon ziemlich gelitten hat. Er grölt und stampft über die Bühne und lässt sich nach Schnaps rufend durch die Halle tragen. Diese Show hat den Sommer über ähnlich ein paar Mal sehr gut funktioniert, allerdings zieht das Publikum an diesem Abend auf der Reeperbahn nicht so richtig mit.