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Das wahre Geschäft

Der Donnerstag beim Primavera Sound 2016

Die Kunde von der Klasse des Primavera Sound hat sich mittlerweile herumgesprochen: Nicht nur, dass die Tickets so früh ausverkauft waren wie noch nie in der Geschichte des spanischen Festivals – auch der Donnerstag ist als erster »richtiger« Festivaltag besser besucht denn je. Tame Impala, Kamasi Washington und das LCD Soundsystem würdigen das mit herausragenden Auftritten.
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Es ist ein Bild wie gemalt, wenn man die Tore unter dem lebendig arrangierten Schriftzug durchschreitet und auf das Primavera-Sound-Gelände schaut: Der Himmel strahlt in hellem blau, überall knubbeln sich Menschen vor Bühnen und dahinter glitzert das Meer. Angesichts dessen wirkt all der Firlefanz, den sich andere Festivals ausdenken, wie eine müde Krücke. Das hier ist der »real deal«, hier fühlt man sich sofort wohl, und das verlässlich herausragende Line-up startet ja erst noch.
Viel hat das Festival im 16. Jahr seines Bestehens nicht verändert, aber das war auch gar nicht notwendig. Schon seit Montag sind Gäste in der Stadt, es gab quasi zum Aufwärmen erste Clubshows und einen abgespeckten, »öffentlichen« Mittwoch auf dem Festivalgelände, bei dem jedermann, egal ob Kartenbesitzer oder nicht, Bands wie etwa Suede live sehen konnte. Solche Angebote gleichen die nicht eben günstigen Ticketpreise mehr als aus.
Der Donnerstag des Primavera ist wie so oft nicht von den großen Rockstar-Shows geprägt. Mit Bands wie Daughter, Explosions In The Sky, Tame Impala oder der Reunion-Show des LCD Soundsystems stehen Acts auf den beiden gegenüberliegenden Hauptbühnen, die bei den großen deutschen Open Airs wohl eher der Mittelklasse des Line-ups zugerechnet werden – völlig ungeachtet ihrer Klasse oder ihrer Bedeutung natürlich. Tatsächlich beweisen all diese Bands, dass ihre Shows mehr als headlinerwürdig sind – zumindest in Barcelona: Explosions In The Sky werfen mit ihrem instrumentalen Postrock große Wellen innerhalb der Publikumsmenge auf und offenbaren mit ihren wenigen Ansagen sogar profunde Spanischkenntnisse. Tame Impala haben mittlerweile genügend Hits in ihrem Repertoire, um mit jedem neuen Song ihrer Setlist neue Trigger anzustacheln und die Masse bis in die letzten Reihen zum Tanzen zu bringen – ihre überragende Lichtshow ist da nur noch das i-Tüpfelchen. Und das nach längerer Pause zurückgekehrte LCD Soundsystem straft als absoluter Höhepunkt mit einer schneidend trockenen, wie eh und je ekstatischen Disco-Rock-Show alle Mahner und Zweifler Lügen.
Natürlich überzeugt das Primavera-Line-up auch wieder in seiner ganzen Breite, etwa durch die perfekt klingende Indoor-Show der Jazzband um den Saxophonisten Kamasi Washington in der äußerst audiophilen Konzerthalle Auditori Rockdelux am Rande des Festivalgeländes. Oder durch zarte, aber auch intensive Songwriter-Auftritte wie den von Julien Baker auf einer kleinen Bühne direkt am Pier. Und sogar Regie-Altmeister John Carpenter kann mit den kommentierten Songs und Scores seiner vielköpfigen Band (inklusive Sohn Cody) Respekt für sich verbuchen.
Allerhöchstens Air entzweien mit ihrer Hauptbühnen-Show die Gemüter: Zwar sind ihre in Reihe aufgeführten Hits über jeden Zweifel erhaben – im Vergleich zu den folgenden Tame Impala und LCD Soundsystem gerät ihr Auftritt aber ein wenig blutleer.
Am Freitag geht das Primavera Sound Festival mit Shows von unter anderem Savages, Beirut, Radiohead, Tortoise und The Last Shadow Puppets weiter.  Einige der Shows werden in einem Live-Stream ausgestrahlt: http://live.primaverasound.barcelona