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Die Alternative

Dendemann

Ja, er war weg. Aber im Grunde genommen gar nicht so richtig lange und auch gar nicht so richtig weg. Vier Jahre sind vergangen, seit Dendemann und DJ Rabauke Eins Zwo zu Geschichte machten, drei Jahre seit Dendemanns erster Solo-EP. Selbst im ganz gewöhnlich eiernden Beatschlag des Business mit Tou
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Ja, er war weg. Aber im Grunde genommen gar nicht so richtig lange und auch gar nicht so richtig weg. Vier Jahre sind vergangen, seit Dendemann und DJ Rabauke Eins Zwo zu Geschichte machten, drei Jahre seit Dendemanns erster Solo-EP. Selbst im ganz gewöhnlich eiernden Beatschlag des Business mit Tour, Studio, Tour, Release, Tour sind das keine unüblichen Auszeiten, und wenn ein Neustart geplant werden soll, schon erst recht nicht. Aber trotzdem hat sich rund um das erste Soloalbum von Dendemann eine Erwartungshaltung aufgestaut, als wäre der Mann für Jahrzehnte völlig in der Versenkung verschwunden gewesen. Zum einen liegt das natürlich daran, dass nach zwei Eins-Zwo-Alben nicht mehr zu leugnen war, dass es hier um einen der tightesten und originellsten Reimakrobaten des Landes geht. Zum anderen hat das mit diesem Akrobaten selbst so gut wie nichts zu tun. Es ist einfach viel passiert.

Beim Gespräch wirkt Dendemann auf eine ziemlich selbstbewusste Art fahrig und nervös. Das liegt vielleicht nur am erhöhten Koffein- und Nikotinkonsum, der aus einem überquellenden Aschenbecher und einer Kaffeekanne, die eben wieder mal aufgefüllt werden muss, abgeleitet werden kann. Denn eines weiß Dende genau: dass er mit “Die Pfütze des Eisbergs” gute Arbeit geleistet hat. Unklar ist aber, was jetzt mit dem Album passiert, wie es in einer veränderten HipHop-Welt ankommen wird. “Die Frage ist für mich gar nicht, ob das Album gut gefällt, da bin ich dann doch selbstbewusst genug. Wenn man es sich überhaupt antut, eine deutsche Rapscheibe zu hören, dann ist das schon das vermeintlich bessere. Die Frage ist, ob es gut genug ist, um richtig abzugehen, um am Ende des Tages da zu stehen, wo ich hin will. Auf dem Thron.” Dendemann war nicht wirklich weg, aber es gab diese drei Jahre, in denen er keine Platte veröffentlicht hat, die Jahre, in denen HipHop, wie man ihn hierzulande kannte, komplett über den Haufen geworfen wurde und einer der großen MC-Charakterköpfe einfach nicht stattfand. Daher kommt hier vor allem einer zu Wort. Jetzt redet die Alternative, jetzt redet Dendemann:
“Ich war immer Teil des Ganzen, immer in einem Atemzug genannt mit meinen Lieblingsgruppen. Und auf einmal bin ich durch die Entwicklung und durch mein Sich-Raushalten zur Alternative mutiert. Was jetzt HipHop in Deutschland ist, damit habe ich reichlich wenig zu tun. Obwohl das eigentlich paradox sein sollte, bei jemandem, der so viel aus dem deutschen HipHop schöpft und auch wieder reinvestiert. Ich bin jetzt die Alternative.”

“Für HipHop in Deutschland träume ich von einer Gleichberechtigung. Ich hab immer gesagt: Wenn irgendein Ghettokind sich das Recht rausnimmt, HipHop zu machen – was es ja grundsätzlich hat, aber in einem Land wie diesem eben nicht mehr und nicht weniger als der Reihenhaussohn –, dann möchte ich diese Art von Rap auch aus diesem Mund hören. Dann möchte ich die Sprache hören, die der auch sonst benutzt, und wenn er noch so einen dreckigen Mund hat.”

“Frag mal HipHop, wie er’s gerne hätte! Er würde sagen: Mensch, tobt euch aus, Kinder, macht mit mir, was ihr wollt, aber, bitte, macht nicht das, was es schon gibt, weil das bringt mich auf Dauer um.”