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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

»Neo«

Dellé

Reggae aus Berlin auf der Höhe der Zeit: amtliche Riddims, nette Hooks und ein bisschen Weltverbesserung. Und Medizin für alle auf Seeed-Entzug.
Geschrieben am
Das letzte Soloalbum Dellés ist geschlagene sieben Jahre alt. Nun – nach Hausbau, Vaterschaft und Seeed-Pause – wurde es offenbar Zeit für einen Nachfolger. War »Before I Grow Old« noch ein reines Roots-Album, hebt sich »Neo« weit weniger vom Sound der Hauptband von Frank Dellé alias Eased ab: Dicke Bässe, schneidende Offbeats und Dancehall-Bounce bestimmen das Bild, und auch Seeed-Vokalkollege Boundzound ist mit von der Partie. Für »Tic Toc«, die erste Single, gibt sich sogar Reggae-Deutschland-Pionier Gentleman die Ehre. Die Riddims sind zu großen Teilen wieder mit Ko-Produzent Guido Craveiro entstanden, und dabei ist die eine oder andere »Sweet Sensation« herausgekommen: zum Beispiel der hinreißende, klassisch-kitschige Lovers Rock »Marry Me«. Eine Gruppe Leute sollte diese Platte allerdings besser nicht hören: Styler, die vor lauter Coolness Probleme mit sogenanntem »Gutmenschentum« haben. Denn der Berliner mit ghanaischen Wurzeln gestattet hier in seinem Patois – ganz anders als bei Seeed – offen Einblick in seine Gedanken- und Gefühlswelt, und das ganz ohne Rücksicht auf Street-Credibility. So wirbt er um Akzeptanz für Trisomie-21-Kinder, ruft die Religionen auf, sich gegen Fundamentalismus und Gewalt zu stellen, singt über Depressionen und verstreichende Lebenszeit. Insgesamt ist das keine Neuerfindung des Offbeat-Gewerbes, aber eine Sammlung gelungener Tunes auf der Höhe der Zeit.

Dellé

Neo

Release: 24.06.2016

℗ 2016 Dellé, under exclusive license to Virgin Records, a division of Universal Music GmbH

Dellé »Neo« (Virgin / Universal / VÖ 24.06.16)