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Boysboysboys… we gotta do that again!

Deftones live

Rückblick. Rock am Ring 2006: Chino Moreno stellt dem Publikum die rhetorische Sonntagsfrage: Wer von den Anwesenden auf Korn, Metallica und Tool warte, will der Deftones-Kopf wissen. Bei allen drei setzt es eifrigen Applaus. "And who of you is here to see Morrissey?" Die Antwort: Grabesstille. Chin
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Rückblick. Rock am Ring 2006: Chino Moreno stellt dem Publikum die rhetorische Sonntagsfrage: Wer von den Anwesenden auf Korn, Metallica und Tool warte, will der Deftones-Kopf wissen. Bei allen drei setzt es eifrigen Applaus. "And who of you is here to see Morrissey?" Die Antwort: Grabesstille. Chino grinst zufrieden. Er hat eindrucksvoll Szenezugehörigkeit demonstriert und klargestellt, dass man in Sacramento auch jenseits der 30 nach wie vor zu den Teenage Angst-gebeutelten Aggro-Jungs gehört. No faggy Britpop since 1988.

Nun beweist eine solche Ansage nicht zwingend musikalischen Weitblick. Besonders verwunderlich wirkt sie in Anbetracht der jüngeren Entwicklung dieser Formation. Haben die Kalifornier der NuMetaller-Gewerkschaft nicht etwa längst entsagt? Existiert denn nicht mindestens seit "White Pony" im toten Winkel der eingeborenen Stammhörerschaft eine alternativere Klientel? Alte wie neuere Anhänger tragen folglich durchaus unterschiedliche Erwartungshaltungen ins Kölner E-Werk. Womit wir wieder im Heute angelangt wären:

16.10.2006, Köln, E-Werk
: keiner möchte vom O2-Gratisgig hungrig ins Bett geschickt werden. Aber Moreno und Kollegen, hiermit sei Entwarnung gegeben, wissen letztlich eben doch um die heterogene Liebe ihrer Schäfchen. Weshalb ihr Sattmacher in Form eines gekonnt-souveränen Fünfgängemenüs durchs stattliche Oeuvre daherkommt. So wie "Saturday Night Wrist" erneut einen schizophrenen Spagat zwischen brachialer Härte und schwermütiger Elegie praktiziert, startet heuer auch die Setlist: Erst suhlt sich der Frischling "Beware" in The Cure-Reminiszenzen, dann stillt ein bestens unterfütterter Chino mit "Shove It" den Heißhunger des Pits.

Bereits nach einem Bruchteil der Spielzeit erwächst die Gewissheit, einer Art Best Of-Show beizuwohnen. 90 Minuten lang wechseln die Deftones konsequent zwischen verwaschenem Shoegazertum und frühen Hardcorewurzeln. Mitunter derart routiniert, dass sich bei einem Verspieler ("Boys, boysboys… we gotta do that again!") kurz Authentizitätszweifel ins Bewusstsein schleichen. Zum größten Überraschungsmoment in einem durch und durch erwartungsgemäßen Programm avanciert der "Adrenaline"-Klassiker "One Weak", der kurzerhand um Justin Timberlakes "Sexy Back" erweitert wird. Dementsprechend beschwerdefrei verläuft der Heimweg: Kein Magenknurren nirgendwo, man hat allerdings auch schon exquisiter gespeist.