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Monomania

Deerhunter

Es war 2009, als ich, schon merklich betrunken, den Backstage-Bereich der Amphitheater-Bühne beim Primavera Festival in Barcelona ansteuerte.
Geschrieben am

Autor: intro.de

Doch statt des ursprünglichen Plans zog mich magisch die Musik der gerade spielenden Band an, bis ich mit offenem Mund seitlich auf der Bühne stand – und, verloren in Sound und Zeit, nicht mehr wegging, bis die Roadies der nächsten Band meinen Platz mit Vehemenz einforderten. Bei der Band handelte es sich um Deerhunter. Im gleichen Jahr spielten auch Sonic Youth auf dem Primavera.

Ich erzähle das, weil mir Deerhunter in dieser Nacht wie die kleinen Geschwister der Über-Band aus New York vorkamen, teilten sie mit dieser doch das Koordinatensystem aus Krach und Schönheit, nur dass sie den Raum, der sich dazwischen auftut, noch merklich verspulter erforschten. Wo Sonic Youth zu diesem Zeitpunkt ihrer Geschichte schon ausdefiniert waren, zeigten Deerhunter, die es damals übrigens auch schon acht Jahre gab, noch mehr teenagerhafte Neugierde an den dunklen Nebenstraßen, die das experimentelle Produzieren von Musik so mit sich bringt. Diesen Eindruck einer hibbeligen, hochkreativen Band löst nun, vier Jahre später und in nüchternem Zustand am Redaktionsschreibtisch, auch das neue Album »Monomania« bei mir aus. Man durchlebt mit Deerhunter verschiedene Gefühlszustände, nie voneinander abgekapselt, sondern als fließenden Prozess. Nicht immer ist man ganz glücklich mit der Richtung, die das dann einschlägt, aber so ist es schließlich auch im Leben. Das dritte Stück, »The Missing«, ist es dann, das mich endgültig für das Album einnimmt. Das ist psychedelischer Indiepop, wie man ihn auch bei den Dirty Projectors so liebt.

In drei Worten: Sonic / Projectors / Forschen