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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Replace Why With Funny

Dear Reader

Echt ein geiler Plattentitel, wenn ich das mal so direkt sagen darf. So linkisch, da er einem das Gefühl gibt, mehr auszusagen als nur die Simplizität der einzelnen Worte.
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Echt ein geiler Plattentitel, wenn ich das mal so direkt sagen darf. So linkisch, da er einem das Gefühl gibt, mehr auszusagen als nur die Simplizität der einzelnen Worte, und letztlich damit genauso flunkert wie das Leben in allen anderen Dingen.

Passenderweise singt Cherilyn MacNeil im Opener "Way Of The World" auch gleich vom Gang der Dinge, zum Beispiel an einem jener Sonntagmorgen, die von Faith No More über Blur, Sonic Youth bis Velvet Underground schon so viele inspiriert haben: zum Abhängen, oder auch nur zum Hängen. Ein großartiger Song. Das aber erkennt man erst in seiner ganzen Pracht, wenn man sich vom Klang der Stimme MacNeils gelöst hat. Einer Stimme, an der zweifellos jeder binnen Sekunden verliebt hängen bleiben wird, so sanft führt sie die Worte, mit einem Akzent, wie man ihn britischer nicht in Oxford zu hören bekommt, so speziell rollt sie sie ab, die Silben. Dann aber öffnet sich der Song so richtig: Popmusik wie aus dem Lehrbuch, recht klar im Aufbau, den Hörer immer mit sicherer Hand an der Melodie entlangführend und dennoch verwegen genug, all die Sicherheit für jene Momente der Offenheit zu riskieren, die den Unterschied zwischen artig und großartig ausmachen - oder eben zwischen Pauschalurlaub und Individualreise. So klar geordnet bekommen wir das zwar nicht in allen Songs präsentiert, aber die Band sorgt, um im Bild zu bleiben, immer dafür, dass man auf seiner Reise die Badebucht nicht aus dem Auge verliert.


Dear Reader kommen aus Johannesburg in Südafrika und haben ihr Album mit Brent Knopf aufgenommen. Diesen kann man von Menomena kennen, die, ebenfalls auf City Slang, letztes Jahr ein sehr ambitioniertes Album veröffentlicht haben. Reine Spekulation, aber sein Einfluss könnte die auf "Replace Why With Funny" ausgelebte Sound-Ambition sein, dem an sich schon pompösen Pop des Trios (neben dem weiteren Gründungsmitglied Darryl Torr gehört derzeit noch Schlagzeuger Michael Wright zur Band), der britisch im Sinne eines Momus gestaltet ist, ohne dabei aber den artifiziellen Gestus in dessen Höhen zu treiben, noch etwas zuzufügen: beispielsweise zwei Sekunden chinesische Gitarre, ein markantes Klaviergeklimpere, sehr kurzes Klatschen oder was sich da sonst noch alles tummelt. Wo auf "Friend And Foe", dem letztjährigen Album von Knopfs eigener Band, im Verlauf dann aber doch zu viel gewollt wurde und die Hand des Hörers nicht jederzeit wiedergefunden wurde, sorgt hier letztlich immer irgendwas bzw. irgendwer - mal sind es die Streicher, mal die Gitarre oder eben die schon angesprochene Stimme MacNeils - dafür, dass der Pfad durchs Dickicht dieser Musik ein breit aufgehender ist.