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What Means Solid, Traveller?

David Torn

Ein neues Album von DAVID TORN - das bedeutet auch immer ein wenig Unruhe zwischen Furcht und Ehrfurcht im Bewußtsein des ambitionierten Gitarrenbesitzers. Diesmal wird's besonders hart. Wurde bereits 'Tripping Over God', der Vorgänger vom Vorjahr, zu Recht als brisant und innovativ eingestuft, nimm
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Autor: intro.de

Ein neues Album von DAVID TORN - das bedeutet auch immer ein wenig Unruhe zwischen Furcht und Ehrfurcht im Bewußtsein des ambitionierten Gitarrenbesitzers. Diesmal wird's besonders hart. Wurde bereits 'Tripping Over God', der Vorgänger vom Vorjahr, zu Recht als brisant und innovativ eingestuft, nimmt er sich doch gegenüber der Geschlossenheit und kreativen Wucht, mit der 'What Means Solid, Traveller?' uns ins Haus fällt, wie ein Klopfen an der Tür aus. Erneut wagt der gefragte Sessionmusiker, Produzent (MICK KARN, WES MARTIN) und Filmkomponist ('Short Cuts') einen Schritt tiefer hinein in weithin unerschlossenes Territorium, wo noch kaum eines Gitarristen Fuß zu gehen wagte, und präsentiert mit seiner neuen Platte seine bisher beste, konsequenteste und gleichzeitig eingängigste Arbeit. Wiederum im beinah totalen Alleingang in der Abgeschiedenheit seines LooPooL(!)-Studios in Bearsville/New York aufgenommen, heult, wühlt, sirrt und loopt sich TORN durch Raum und Zeit und eine einstündige Auffassung über den Blues, wie ihn die Welt noch nicht gehört hat. Mit Hilfe eines schier unüberschaubaren musikalischen Maschinenparks, dem er Dinge antut und entlockt, die man gemeinhin von derlei Technologie weder kennt noch erwartet ('... 'til it sweats and bleeds and starts to smell lifelike all over you ...', wie TORN selbst das auszudrücken pflegt), seiner rastlosen, überbordenden Gitarrenarbeit und einem Quentchen Gesang fügt dieser Reisende zusammen, was zunächst mal nicht zusammengehört: Weltmusikalisches aus allen vier Himmelsrichtungen, Reste von Jazz und Rock, Ambient, Tekknoides und Roots werden aufeinandergeschichtet, wuchtige Riffs von HELMETschem Kaliber treffen auf glasknöcherne Filigranitäten à la DAVID SYLVIAN und die (bis heute scheinbar völlig abnutzungsresistente) Hinterlassenschaft von JIMI HENDRIX, und wie bei letzterem - TORNs größtem, nachhaltigstem musikalischen Einfluß - ist auch hier, trotz Freigeist und Finesse, eben stets der Blues die allgegenwärtige Instanz, bei der sich zurückgemeldet wird. Nach und nach lichtet sich das Dickicht, mit wiederholtem Hören werden Trampelpfade sichtbar, gibt sich das eine oder andere der gut plazierten Hooks als solches zu erkennen, bis einem schließlich ein paar dieser seltsam anhänglichen Melodien in den Ohren liegen und man tatsächlich beginnt, sich in diesem zunächst völlig unüberschaubaren Areal auszukennen. Eine Platte, die in ihrer paradoxen, extremistischen Schönheit noch für einige Zeit ihresgleichen suchen wird.