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Hank Moody am Mikro

David Duchovny live in Köln

David Duchovny ist in Köln. Als Musiker, nicht um einen Film zu bewerben. Sein Gastspiel in Köln,  wird vor allem als der Abend in die Geschichte eingehen, an dem Agent Mulder »Mutterficker« gesagt hat.
Geschrieben am
10.05.2016, Live Music Hall, Köln  

Wäre dieser Abend ein Konzert, man könnte ihn als soliden Auftritt einer Newcomerband bezeichnen. Gitarrenlastiger Folk-Rock amerikanischer Prägung, mal gefällig groovend, mal balladig, der handwerklich gut gemacht, jedoch ohne große Eigenheiten oder Wiedererkennungswert ist. Irgendwo zwischen Tom Petty, Spoon und Bryan Adams. Dazu ein Sänger, dessen eher durchschnittliche Stimme oft von den Instrumenten geschluckt wird. Solche Bands sieht man für gewöhnlich im Festivalsommer am frühen Nachmittag auf der Nebenbühne, Kategorie: »Mitwippen und Bier trinken«.  

Doch dieser Abend ist kein Konzert. Dieser Abend ist: David Duchovny zu Gast in Köln. Und so ist die Live Music Hall am Dienstag bis in die hinteren Ecken dicht gefüllt. Es wird frenetisch applaudiert, aus den vorderen Reihen kreischt die Begeisterung. »US-Star David Duchovny twittert Dom-Foto vor Gig in Ehrenfeld«, titelte die lokale Boulevardpresse wenige Stunden vor dem Auftritt. Aufregung! Weltstar! Wer heute kein Handyfoto gemacht hat, werfe den ersten Stein! Und die Sache mit der Musik? Die sorgt immerhin dafür, dass man Herrn Duchovny fast eineinhalb Stunden auf der Bühne erlebt, fast 90 Minuten dieselbe - seine - Luft atmet.
Ein Drittel der Anwesenden möchte gerne so sein, wie Hank Moody, Duchovnys Rolle aus »Californication«. Ein weiteres Drittel möchte ein Kind von ihm. Der Rest sind Schaulustige, Verlosungsgewinner, Medienpartner, kurzum: Jugendliche der Neunziger, die Duchovny noch aus dem Privatfernsehen kennen. Wir hatten ja nix! Kein Netflix, noch nicht mal Youtube. Von Serienevents wie »Game Of Thrones« ganz zu schweigen. Die regelmäßige Folge »Akte X« zur besten Abendsendezeit erschien da nicht selten wie der Höhepunkt der Fernsehwoche.  

Die Inszenierung des Konzerts ist dann auch nichts weniger als filmreif. Exakt so würde es aussehen und klingen, wenn Agent Mulder in einer Folge zusammen mit seinen FBI-Kumpels eine Feierabendband geründet hätte. Bereits nach dem dritten Lied bedankt sich Duchovny überschwänglich für die ihm entgegengebrachte Sympathie, stößt ein begeistertes »Scheiße« hervor und erkundigt sich beim Publikum nach weiteren Schimpfwörtern, was ein fröhlich beklatschtes »Mutterficker« zur Folge hat. Die Menschen mögen ihren Star und der bedankt sich mit einem durchgeschwitzten Hemd.  

Hier erfüllt sich ein erfolgreicher Schauspieler den Traum vom Rockstardasein. Und wer mag es Duchovny verdenken, dass er seine Popularität nutzt, um der harten Schule leerer Kneipenkonzerte zu entgehen? Wenn zudem rund 1000 Menschen gut gelaunt 40 Euro für das Ticket zahlen, freuen sich auch die Geschäftspartner. Ein gelungenes Event damit, wenn auch in seiner konkreten Darbietung vollkommen austauschbar. Denn eins ist klar: der Abend wäre identisch verlaufen, hätte Duchovny zur Lesung geladen. Oder zu einem Töpferkurs.