×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Paper Monsters

Dave Gahan

Der beste Weg, Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen, ist, ihnen zuzustimmen. Darum: Ja, auf “Paper Monsters” wird der Rock’n’Roll nicht neu erfunden, und ja, wenn dies nicht das Solodebüt von Depeche-Mode-Frontmann Dave Gahan wäre, würde das Album sicher an einigen Stellen nicht gar so ausfüh
Geschrieben am

Der beste Weg, Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen, ist, ihnen zuzustimmen. Darum: Ja, auf “Paper Monsters” wird der Rock’n’Roll nicht neu erfunden, und ja, wenn dies nicht das Solodebüt von Depeche-Mode-Frontmann Dave Gahan wäre, würde das Album sicher an einigen Stellen nicht gar so ausführlich besprochen, wie dies der Fall ist. Doch wer hätte ernsthaft etwas anderes erwarten können? Dabei ist nicht einmal die Platte selbst das Ereignis, sondern die Tatsache, dass es sie überhaupt gibt. Schließlich ist Gahan in den vergangenen 22 Jahren nicht gerade als Songschreiber aufgefallen. Nicht einmal zur B-Seite einer DM-Single reichte es bisher, und auch außerhalb des Band-Kontextes beschränkt sich seine Arbeit auf ein Roxy-Music-Cover für eine Tribute-CD. Verdammt wenig also. “Ich war einfach nicht reif genug”, gibt Gahan zu. Würde ein Quertreiber wie Kollege Venker dieses Eingeständnis kennen, könnte er sich wohl kaum den Seitenhieb verkneifen, dass der Neu-New-Yorker es auch heute noch nicht ist. Für die Produktion holte sich Gahan Ken Thomas ins Studio, der zuletzt auch für die Sigur-Rós-Alben verantwortlich gezeichnet hatte. Etwas naiv, nicht clever sollten die zehn Songs klingen, die er zusammen mit Knox Chandler aufgenommen hat. Auftrag ausgeführt. “Paper Monsters” fehlt die Subtilität, die “Exciter” oder “Counterfeit2”, das neue Album von Bandkollege Martin Gore, auszeichnen. Dafür lassen die Lieder Gahan genug Platz, um das zu tun, was er zweifelsohne am besten kann: singen. Dann erzählt der 41-Jährige vor allem von seinem neuen Leben nach den Drogenexzessen der 90er-Jahre: “This Time It’s All About Me” (I need you). Während Gores Album, von einigen Ausnahmen abgesehen, in der Intro-Redaktion höher im Kurs steht, Gahan aber wohl die Abstimmung an der Ladentheke gewinnen wird, ist die eigentliche Frage, welche Folgen die Monster für die nächste CD von Depeche Mode haben werden. Mit neu gewonnenem Selbstbewusstsein meldete der Songwriter-Rookie nämlich bereits Ansprüche an: “Ich habe festgestellt, dass ich Talent habe. Es macht für mich wenig Sinn, ins Studio zu gehen, wenn an den Ideen, die ich einbringe, dann nicht auch gearbeitet wird.”